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AKW-Frage: Presse fordert klare Leitplanken

Das 1972 in Betrieb genommene Kernkraftwerk Mühleberg weist am meisten Sicherheitsmängel auf.

(Ex-press)

Die Aufsichtsbehörde Ensi hat Mängel in allen Schweizer Atomkraftwerken ausgemacht. Wenn nicht nachgebessert wird, müssten Werke abgeschaltet werden. Diese Entscheidung ruft Emotionen hervor.

Trotz Schwachstellen bei der Lagerung von Brennelementen, ungenügender Rüstung gegen Erdbeben und Hochwasser dürfen die fünf Schweizer Atomkraftwerke am Netz bleiben. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) hält insbesondere bei den flusswassergekühlten AKW Mühleberg und den beiden AKW in Beznau die Kühlung der Brennelementbecken nicht genügend vor Erdbeben und Überflutung geschützt. Es verlangt Nachbesserungen.

Der Bericht ruft unterschiedliche Reaktionen hervor. "Mühleberg so gefährlich wie Fukushima", titelt etwa der Blick. "Wir sitzen auf einer scharfen Bombe, die jederzeit hochgehen kann", heisst es weiter.

Für den Blick-Kommentator ist vor allem erschreckend, "dass man erst jetzt auf die gravierenden, aber eigentlich trivialen Mängel der AKW aufmerksam wird. Das zeigt, dass die Risiken dieser Technologie trotz gegenteiliger Beteuerungen nicht unter Kontrolle sind. Sie werden offensichtlich erst dann erkannt, wenn ein GAU passiert".

Nicht sofort abschalten

Der Tages-Anzeiger meint dagegen leicht provokativ: "In kühler Technologie-Logik kann man sagen, dass Fukushima die Sicherheit der Schweizer Atomkraftwerke erhöhen wird." Weiter könnten die von der Ensi verfügten Nachrüstungen dazu führen, "dass die Betreiber von Mühleberg ihr in die Jahre gekommenes Werk aus finanziellen Überlegungen früher abschalten als geplant".

Und die Berner Zeitung ist der Ansicht, dass der echte Test für Mühleberg erst noch bevorstehe: "Das Ensi prüft derzeit, ob die Zuganker genügen, um den Kernmantel, der kleine Risse aufweist, zu stabilisieren." Ein Austausch des Kernmantels könnte eine halbe Milliarde Franken kosten und das vorzeitige Aus für den Berner Reaktor bedeuten.

Der Tages-Anzeiger will jedoch nicht alle Werke möglichst rasch abschalten: "Im Gegenteil: Gerade wer den Ausstieg wirklich will, muss daran interessiert sein, dass noch lange genug Atomstrom fliesst. Nur so werden die notwendigen politischen Mehrheiten zustande kommen, um die Alternativen zu forcieren."

Politik gefragt

Für die Neue Zürcher Zeitung führt der Ensi-Bericht "jedoch zu einer bekannten Feststellung: Die Kernkraft weist ein Restrisiko auf, das laufend minimiert werden muss, aber nicht völlig auszuschliessen ist. In der Gretchenfrage spielt das Ensi den Ball zurück: Es sei Aufgabe der Politik zu entscheiden, ob das Restrisiko zumutbar sei".

Derzeit dominiere aber in der Politik eine unfruchtbare Vermischung von technischem Fachsimpeln, Ensi-Kritik und energiepolitischen Prophezeiungen. Die Parteien von links bis und mit CVP wollten schon im Juni im Parlament den Atomausstiegs-Showdown zelebrieren, schreibt die NZZ kritisch.

Auch der Blick stellt die Vertrauensfrage: "Können wir der Aufsichtsbehörde noch vertrauen, nach allem, was wir über die Verfilzung zwischen Aufsicht und Atomwirtschaft erfahren haben?"

"Eine ehrliche Debatte über Risiken und Katastrophenszenarien ist angebracht. Es droht aber der energiepolitische Super-GAU eines unreflektierten Entscheids, ohne Rücksicht etwa auf klimapolitische Zielkonflikte (Gaskraftwerke)", so die NZZ.

"Nach welchen Kriterien soll die nukleare Sicherheit bestimmt werden? Wie zählen die Risiken? Sollte man sich die unwahrscheinlichsten Risiken vorstellen? Es ist an der Politik, die Limite des noch akzeptablen Risikos festzusetzen", schreibt 24heures. "Und diese Debatte sollte auf demokratische Art erfolgen. Nukleare Sicherheit ist eine gesellschaftliche Entscheidung, keine wissenschaftliche Norm."

Die 5 Schweizer AKW

Beznau I
Inbetriebnahme: 1969
 
Beznau II
Inbetriebnahme: 1972
 
Mühleberg
Inbetriebnahme: 1972
 
Gösgen
Inbetriebnahme: 1978
 
Leibstadt
Inbetriebnahme: 1984

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Schweizer Strom

Anteile der Strom-Produktionsarten:
Wasserkraft: 55,8%
 

Kernkraft: 39,3%
 
Andere: 2,9%
 
Neue erneuerbare Energien
(aus Abfall, Biomasse und Biogas, Sonne, Wind): 2%
 
(Quelle: Bundesamt für Energie)

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