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Elfenbeinküste: Gbagbo ist weg, die Kluft bleibt

Laurent Gbagbo und seine Frau nach der Verhaftung in Abidjan.

(AFP)

Der langjährige ivorische Staatschef Laurent Gbagbo ist in Abidjan von den Truppen des rechtsmässigen Präsidenten Alassane Ouattara festgenommen worden. Die Schweizer Presse reagiert erleichtert, äussert sich aber skeptisch über ein baldiges Ende des Konflikts.

Nach über vier Monaten blutigen Machtkampfs haben Truppen des von der internationalen Gemeinschaft als Präsident anerkannten Alassane Quattara die Residenz von Laurent Gbagbo gestürmt. Mit internationaler Hilfe.

Gbagbo hatte sich nach den verlorenen Wahlen im letzten November geweigert, seinen Sessel zu räumen. Nun soll ihm wegen Menschenrechtsverletzungen der Prozess gemacht werden.

"Schmählicher hätte es für Gbagbo kaum enden können. Der Ex-Präsident der Elfenbeinküste ist schachmatt", schreibt der Berner Bund.

Der Lausanner Le Matin zeigt die aussichtslose Lage Laurent Gbagbos samt Gattin an Hand einer Fotosequenz. Auf dem einen Bild ist Simone Gbagbo zu sehen, spärlich bekleidet und umringt von sechs Ouattara-Anhängern. Darunter die Legende: "Verängstigt und niedergeschlagen, Simone Gbagbo wird von Quattara-Männern wie eine Kriegstrophäe vorgeführt."

Botschaft an die Tyrannen

Der Genfer Le Temps vergleicht die filmisch festgehaltene Gefangennahme von Laurent Gbagbo mit der dramatischen Festnahme des iraktischen Diktators Saddam Hussein im Jahr 2003. Bilder, die in Erinnerung bleiben. "Mit Absicht", schreibt Le Temps weiter.

Die Bilder sollten einerseits eine Botschaft sein an die Adresse der Anhänger Gbagbos. Aber, so die Genfer Zeitung weiter, "man kann in diesen Bildern auch eine Warnung an die Tyrannen sehen, welche Afrika quälen."

Die Rolle des Westens

"Operation gelungen", heisst es im Westschweizer Blatt 24 heures. Um den bisherigen Präsidenten samt seinen Nächsten zu vertreiben, setzten die UNO und Frankreich schwere Artillerie ein."

Und gerade wegen des direkten Eingreifens Frankreichs dürfte es der vom Volk gewählte Ouattara nicht leicht haben, schreibt die Basler Zeitung. "Viele Anhänger Gbagbos, der bei den Wahlen 46% erhalten  hatte, sehen in ihm eine Marionette des Westens."

Ähnlich sieht es der Kommentator der Neuen Zürcher Zeitung: "Bereits jetzt ist erkennbar, dass die verfeindeten ivorischen Lager heftig und lange über die Umstände der Festnahme streiten werden." UNO und Frankreich hätten zwar betont, ihre Truppen hätten nur "unterstützend" eingegriffen, auch wenn das Lager Gbagbos behauptet, "französische Elitetruppen hätten ihren politischen Anführer dingfest gemacht", so die NZZ weiter.

Befriedung noch nicht greifbar

Wie es nun nach der Verhaftung von Ex-Präsident Gbagbo weitergeht, ist offen. Ob der gewaltsame Konflikt anhält, "hängt nicht zuletzt davon ab, ob Gbagbos jüngste Taktik aufgeht. In den vergangenen Tagen hatte er seine Waffenarsenale geöffnet und den ihm ergebenen 'jungen Patrioten' Kalaschnikows überreicht. Bleiben diese jungen Milizionäre davon überzeugt, dass ihr Land von ausländischen Mächten 'rekolonialisiert' werden soll, werden sie die Elfenbeinküste nicht zur Ruhe kommen lassen", schreib der Berner Bund.

Ähnlich düster sieht es die Neue Luzerner Zeitung, denn "die Kluft durch Land und Köpfe ist keineswegs überwunden". Der Sozialist und Katholik Gbagbo verfüge im Süden nach wie vor über eine grosse Anhängerschaft, darunter die aufgestachelten "jungen Patrioten". Ouattara hingegen sei ein muslimischer und international tätiger Ökonom, dessen Familie aus dem nördlichen Burkina Faso eingewandert sei.

"Alles in allem ist viel Skepsis angebracht, ob Ado, wie Ouattara landesweit genannt wird, das einstige 'Schaufenster Westafrikas' befrieden kann. Gbagbo musste aufgeben, doch der Geist der Zwietracht, den er zum puren Machterhalt gesät hat, bleibt wach."

Konflitk Elfenbeinküste

Nach dem Ende des monatelangen Machtkampfs in der Elfenbeinküste setzt der international anerkannte Präsident Alassane Ouattara auf die Aussöhnung der tief verfeindeten Lager.

In einer Fernsehansprache kündigte Ouattara die Bildung einer Wahrheits- und Versöhnungskommission an. Das Gremium solle Vorwürfe untersuchen, nach denen es während des Machtkampfs auf beiden Seiten Gräueltaten an der Zivilbevölkerung gegeben habe.

Ouattara rief die Bevölkerung zur Ruhe auf und verlangte von den Milizen, ihre Waffen niederzulegen. Er sicherte zu, dass der am Montag festgenommene abgewählte Präsident Laurent Gbagbo fair behandelt werde.

Gbagbo hatte nach seiner Festnahme ebenfalls zu einem Ende der Kämpfe aufgerufen. Er soll nun vor Gericht gestellt werden.

In dem monatelangen Bürgerkrieg starben mehr als 1000 Menschen.

Der Konflikt hatte sich an der Präsidentschaftswahl Ende November entzündet: Gbagbo weigerte sich beharrlich, Ouattara als Wahlsieger anzuerkennen. In den vergangenen Wochen hatten sich die Kämpfe zwischen beiden Lagern zugespitzt.

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