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Euro-Krise "Den Brand löschen - von Madrid bis Athen"

Am Wochenende waren Zeitungen in Spanien ein begehrtes Gut.

Am Wochenende waren Zeitungen in Spanien ein begehrtes Gut.

(Keystone)

Spanien will nun doch Finanzhilfe zur Restrukturierung seiner maroden Banken beantragen. Die Euro-Gruppe stellt dem Land bis zu 100 Milliarden Euro in Aussicht. Das sei beruhigend, der Entscheid komme aber reichlich spät – so die Kritik in der Schweizer Presse.

Nach Griechenland, Portugal und Irland kommt nun also – nach langem Zögern – auch Spanien unter den EU-Rettungsschirm. Spanien ist es allerdings gelungen, eine im Vergleich zu bisherigen Rettungsprogrammen sanfte Version auszuhandeln – ohne strenge Auflagen und Kontrollen. Regierungen europa- und weltweit reagierten weitgehend erleichtert auf den Schritt Spaniens vom Samstag.

"Ist nun bald ganz Südeuropa unter dem Rettungsschirm?", titelt das Boulevard-Blatt Blick. Und der Genfer Le Temps spricht von einem Brand von Madrid bis Athen, der gelöscht werden müsse. Dieses "bittere Eingeständnis", dass die spanischen Banken gerettet werden müssten, komme nicht überraschend. "Die wachsende Lähmung des iberischen Bankensystems und das Risiko eines Untergangs der Einheitswährung sind katastrophale Szenarien, welche die EU unbedingt verhindern muss", so Le Temps.

Keine Garantie

"Die Politik vertraut auf die balsamische Wirkung der Entscheidung Spaniens, sich nun doch bei der Rekapitalisierung heimischer Banken vom Euro-Schirm helfen zu lassen", schreibt die Basler Zeitung. Auch wenn die halbe Welt Spanien nun lobe, sei das noch keine Garantie dafür, dass die Zinsen tatsächlich sinken würden. "Herabstufungen durch Ratingagenturen könnten rasch wieder die Stimmung drücken. Und schliesslich gibt es noch Unbekanntes – etwa die Frage, ob die geplanten Hilfen vom vorläufigen oder dauerhaften Euro-Schirm kommen sollen", so die BaZ.

"Zweifellos ist es eine beruhigende Nachricht, dass das unterkapitalisierte spanische Bankensystem mit frischen Eigenmitteln von bis zu 100 Milliarden Euro versorgt werden soll", heisst es im Zürcher Tages-Anzeiger und im Berner Bund." Dank dieser Kapitalspritze könnten die Banken des Landes wieder geneigt sein, Kredite zu vergeben. Daneben könnte eine bessere Kapitalausstattung der Banken die Ängste der Sparkunden besänftigen. "Die Nothilfe kommt also mitnichten zu früh."

Die Märke werden es zeigen

Ob heute an den Finanzmärkten Erleichterung zu verspüren sein werde über Spaniens Bereitschaft, Finanzhilfe aus dem Euro-Rettungsfonds zuzulassen, darauf möchte der Tagi-Kommentator jedoch keine Wette wagen.

Auch der Corriere del Ticino bleibt vorsichtig. "Heute und in den nächsten Tagen wird sich zeigen, ob die Märkte im Zusammenhang mit Spanien das Glas halb voll oder halb leer sehen, will heissen, ob sie in der europäischen Hilfe einen Schritt in Richtung langsamen Ausweg aus der Krise in der Eurozone sehen oder eher einen unnötigen Versuch.

"Verspätete Offensivstrategie"

Den Vertretern der Euro-Zone sitze wohl wirklich die Angst im Nacken – wegen der bevorstehenden Wahlen in Griechenland und deren unabsehbaren Folgen, schreibt die Neue Zürcher Zeitung. Und in Spanien hätten sich Anleger in beschleunigtem Masse von den Banken abgewendet. "Anders ist es nicht zu erklären, dass sich die spanischen Behörden nun plötzlich dazu durchgerungen haben, um internationale Hilfe zu ersuchen.

Die NZZ spricht von einer "verspäteten Offensivstrategie. Wann werden Regierungen einsehen, dass sie mit dem Verschleppen von Problemen die Situation nur verschlimmern und verteuern". Die Wirtschafts- und Kapitalschwäche Spaniens sei seit Monaten bekannt. Doch aus politischem Kalkül und fehlgeleitetem Nationalstolz heraus hätten die Behörden wochenlang laviert und den Anlegern viel Zeit gegeben, ihr Scherflein ins (vorerst) Trockene zu bringen.

"Die Salamitaktik ist fehlgeschlagen. Immer nur gerade das zuzugeben, was sich nicht mehr verbergen lässt, ist in einer nach Transparenz süchtigen Zeit nicht mehr möglich." Es sei unbequem und aufwändig, aber durchdachtere Strategien müssten heute aus der Schublade gezogen werden können, so die NZZ.

100 Milliarden für Spanien

Spanien wird als viertes Euro-Land unter den europäischen Rettungsschirm schlüpfen und kann auf Notkredite bis zu 100 Milliarden Euro für seine Banken bauen. Das beschlossen die Finanzminister der Euro-Zone am Samstag in einer dreistündigen Telefonkonferenz.

Anders als in den Fällen Griechenland, Portugal und Irland wird es dabei erstmals um spezielle Notkredite zur Stabilisierung des wankenden Bankensystems in Spanien gehen. Damit entgeht die viertgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone den in Madrid befürchteten strengen Auflagen und Kontrollen seines Staatsbudgets.

Aber Spanien muss seinen Bankensektor reformieren und für marode Banken Sanierungspläne vorlegen. Das könnte im Extremfall auch die Schliessung einzelner Institute bedeuten. Die Auflagen werden sich an den EU-Beihilferegeln orientieren.

Die Notkredite werden an den spanischen Bankenrettungsfonds Frob fliessen, der es an notleidende Banken weitergebe. Verantwortlich für die Rückzahlung werde die spanische Regierung sein.

Der spanische Bankensektor benötigt nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) einen akuten Krisenpuffer von mindestens 40 Milliarden Euro. Das frische Kapital würde gebraucht, wenn die düstersten Konjunkturvorhersagen für das Euro-Land eintreten würden.

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swissinfo.ch


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