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Zum Tod von Margaret Thatcher "Maggie" ist tot, der Thatcherismus lebt weiter



Margaret Thatcher, 1925-2013.

Margaret Thatcher, 1925-2013.

(Keystone)

Der Tod der ersten und bislang einzigen Premierministerin Grossbritanniens hat weltweit Reaktionen ausgelöst. Auch die Schweizer Presse würdigt die "Eiserne Lady" und analysiert ihre neoliberale Politik, die Grossbritannien umgekrempelt hat.

Um das Erbe Margaret Thatchers komme bis heute kein britischer Regierungschef herum, schreibt die Neue Zürcher Zeitung. "Ihre Person und Leistung sind bereits zu Lebzeiten zum Mythos geworden, der die politische Kultur des Königreichs prägt. Die Erinnerung an jene Krämerstochter mit der Handtasche und der hochgeföhnten Frisur gilt allen nachfolgenden Politikern als Leuchtturm und Inspiration oder auch als lästiges Monument, an dem man sich messen lassen muss – zumeist von den politischen Gegnern und selten mit schmeichelhaftem Ergebnis", so die NZZ.

Nur wenigen Menschen sei es vergönnt, dass eine politische Ideologie nach ihnen benannt werde. "Thatcherismus" stehe für Deregulierung, Privatisierung und die Zerstörung des Sozialstaats sowie des gesellschaftlichen Gemeinschaftsgefühls, heisst es in der Südostschweiz.

"Niemand hat die britische Gesellschaft stärker gespalten als die verstorbene ehemalige Premierministerin Margaret Thatcher. Sie ist verantwortlich für die Zerschlagung der Gewerkschaften und den Ruin des öffentlichen Sektors, vor allem des Nationalen Gesundheitsdienstes."

Margaret Thatcher

Die Tochter eines Kolonialwarenhändlers und Laienpredigers heiratete 1951 den Unternehmer Denis Thatcher. 1953 wurden die Zwillinge Carol und Mark geboren.

Mit 33 Jahren zog Thatcher ins britische Unterhaus ein.

1979 wurde sie die erste Frau an der Spitze einer westlichen Grossmacht und zog in die Downing Street 10 ein.

Mit ihrer sozialen "Kahlschlag-Politik" polarisierte Thatcher wie kein anderer Premierminister. Sie kürzte Sozialleistungen und privatisierte viele Firmen. Als Folge stieg die Arbeitslosigkeit stark an.

Die "Eiserne Lady" verstand sich bestens mit US-Präsident Ronald Reagan. Wie er setzte sie auf eine Politik der Deregulierung, Privatisierung und einen Abbau des Sozialstaates.

Der Krieg gegen Argentinien um die Falkland-Inseln machte sie 1982 zur Heldin.

Auf einem Gipfel der Europäischen Gemeinschaft 1984 setzte sie mit den Worten "Ich will mein Geld zurück" durch, dass der Inselstaat einen Rabatt auf EU-Beiträge bekam.

Nach mehreren leichten Schlaganfällen und dem Tod ihres Mannes Denis 2003 zog sich Thatcher immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Am 8. April ist sie 87-jährig in London gestorben.

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Mit harter Hand

Auch die Hoffnung, dass sie als erste Frau an der Spitze der grossen Nation feministischen Wind in die Politik bringen würde, habe sich nicht erfüllt. Laut der Südostschweiz hat der damalige US-Präsident Ronald Reagan Thatcher als 'Englands besten Mann' bezeichnet.

Zusammen mit dem "Cowboy Reagan" habe die selbstsichere Margaret Thatcher das neoliberale Gespann gebildet, das den Triumph der angelsächsischen Welt demonstrierte, heisst es in der Tribune de Genève. "Unflexibel gegenüber Minenarbeitern, den Hungerstreikenden der IRA oder gegenüber dem Kreml fürchtete 'Battling Maggie' keine Konfrontationen."

Die Freiburger Zeitung La Liberté spricht von tausend Leiden, die das Königreich unter Thatchers "Schock-Therapie" habe durchmachen müssen: Massive Kürzungen im öffentlichen Sektor, Senkung der Steuern, Privatisierungen, Deregulierungen, Machtverlust der Gewerkschaften. "Zusammen mit Ronald Reagan in den USA war sie die beste Schülerin der Milton Friedman-Schule in Chicago im Dienste der 'konservativen Revolution'".

Thatcher und die Schweiz

Am 20. September 1990 reiste Margaret Thatcher, als erster britischer Premierminister überhaupt, zum offiziellen Staatsbesuch in die Schweiz.

Die ausgebildete Chemikerin Thatcher interessierte sich für die Schweizer Pharmaindustrie und besuchte auf eigenen Wunsch die Ciba-Geigy in Basel, die später mit Sandoz zur Novartis fusionierte.

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"Jahrhundertfigur"

Die City von London sei unter ihrem puren und harten Neoliberalismus zum Finanzplatz Nummer 1 in Europa aufgestiegen. "Aber zu welchem Preis!", schreibt La Liberté. Unter Thatcher sei die Zahl der Familien, die unter der Armutsgrenze lebten, von 8 auf 22% angestiegen.

"Es hat mich nie beunruhigt, unbeliebt zu sein, solange ich wusste, dass ich das Richtige tat", zitiert Der Bund die "Jahrhundertfigur", die den "Linken, Gewerkschaftern und Sozialpolitikern ein steter Dorn im Fleisch" war.

Was sie unternahm, sei jedoch nicht immer "das Richtige" gewesen. Einen Fehler etwa nennt Der Bund die Einführung einer Kopfsteuer, die jeder Einwohner in derselben Höhe entrichten musste, ungeachtet seiner finanziellen Verhältnisse.

"Trotz sozialpolitischer Verirrungen hat Margaret Thatcher die wirtschaftlichen Veränderungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorangetrieben und vorausgesehen wie kaum ein anderer", meint der Bund-Kommentator.

So umstritten Thatcher während ihrer Amtszeit war: An ihrem Todestag wurde sie von Politikern jeglicher Couleur für ihre Leistungen gewürdigt. Und das liege keineswegs nur am schönen Grundsatz, dass man über Verstorbene nur Gutes sagen solle, heisst es in der Aargauer Zeitung.

"Tatsächlich ist es nämlich so, dass ihre Politik weiterlebt. Thatchers Nachfolger setzten ihren Kurs in weiten Teilen fort. Und das gilt keineswegs nur für die Tories. Auch die Premiers von Labour, Tony Blair und Gordon Brown, machten kaum eine wirtschaftspolitische Entscheidung Thatchers rückgängig."

swissinfo.ch


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