Navigation

Skiplink navigation

Polizei sucht DNA-Spuren der Tsunami-Opfer

Die Forensiker erwartet eine fast unlösbare Aufgabe. Keystone

Die Schweizer Polizei sammelt DNA-Spuren, um die möglicherweise mehreren hundert beim Seebeben umgekommenen Schweizer identifizieren zu können.

Dieser Inhalt wurde am 04. Januar 2005 - 18:12 publiziert

Derweil haben sich Polizeichefs der ganzen Welt bei Interpol in Lyon getroffen, um die Identifizierung der Opfer besser zu koordinieren.

Das Seebeben und die darauf folgende Flutwelle haben in Südasien bisher mindestens 150'000 Menschenleben gefordert. Und noch immer fehlt von tausenden Touristen in Thailand und Sri Lanka jede Spur.

"Grösste Katastrophe"

"Einige hundert Schweizerinnen und Schweizer" hätten ihr Leben verloren, sagte ein sichtlich betroffener Bundespräsident Samuel Schmid am Dienstag in Bern. Damit ist das Seebeben vom 26. Dezember für die Schweiz die grösste Katastrophe in den letzten 200 Jahren.

"Zu viele der noch Vermissten werden mit grosser Sicherheit nicht mehr nach Hause zurückkommen", sagte Schmid.

Laut Peter Sutter, dem Chef des Krisenstabs im Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten, ist von etwa 100 der rund 500 Vermissten anzunehmen, dass sie nicht mehr am Leben sind.

Zu den übrigen 400 fehle jeglicher Kontakt. Identifiziert werden konnten bisher erst 23 Leichen. Insgesamt machten in der Katastrophenregion rund 2200 Personen aus der Schweiz Ferien.

Polizeiliste

Bereits wurde eine Liste von 105 mutmasslich Verstorbenen an die Kantonspolizeien verschickt, sagte Arnold Bolliger, Krisenmanager des Bundesamtes für Polizei (fedpol), gegenüber swissinfo. In den nächsten Tagen dürften es noch einige hundert Namen mehr werden.

"Wir haben eine Liste mit ungefähr 420 Personen, die immer noch vermisst sind. Doch wir warten noch ein, zwei Tage, denn wir sind sicher, dass sich diese Zahl etwas verringern wird", so Bolliger.

Polizisten würden nun Daten zur Identifikation sammeln. Falls solche Gegenstände wie Zahnbürsten, die meistens DNA enthielten, nicht gefunden würden, könnten auch Blutproben von Verwandten benutzt werden.

Laut Bolliger wird der Prozess, DNA-Profile sowohl in der Schweiz wie auch in Thailand zu erstellen und in einer zentralen Datenbank abzulegen "Wochen, wenn nicht Monate" dauern.

DNA-Datenbank

Die Polizeichefs, die sich am Mittwoch im französischen Lyon am Hauptsitz der Interpol getroffen haben, verlangten, dass die Organisation eine wesentlich stärkere Rolle bei der Koordination der Identifizierung der Leichen übernehme.

Interpol solle dabei als Informationsdrehscheibe dienen. "In Lyon wären all die benötigten Spezialcomputer vorhanden. Doch der Entscheid wird schliesslich durch die Regierung von Thailand gefällt", so Bolliger, der am Treffen dabei war.

24 Schweizer Spezialisten sind seit Ende letzter Woche im thailändischen Krabi. Das so genannte DVI-Team (Disaster Victim Identification) hat unter der Leitung der thailändischen Regierung mit der Identifizierung der Leichen begonnen.

Rund 400 Forensiker aus etwa 20 Ländern sind derzeit vor Ort. Sie sammeln DNA-Proben von den tausenden von Leichen. Sie arbeiten nach Interpol-Standards.

Schwierige Aufgabe

Viele der bereits verwesenden Leichen können nicht mehr nach äusseren Merkmalen identifiziert werden. Daher muss auf Gebissabdrücke und DNA-Proben zurückgegriffen werden. Das heisst: Zähne ziehen und Knochenfasern entfernen.

Laut Professor Timothy Harding, Leiter des gerichtsmedizinischen Instituts in Genf, kompliziert der Zustand der Verwesung der Leichen die schon schwierige Aufgaben der Identifizierung zusätzlich.

"Das schwierigste Problem zu dieser Zeit ist nun, die Leichen von Touristen und Einheimischen unterscheiden zu können. Denn die äusseren Unterschiede wie beispielsweise die Hautfarbe sind unterdessen vollständig verschwunden", sagte er gegenüber swissinfo.

"Falls also keine anderen Besonderheiten da sind wie etwa spezielle Kleider, wird es ein Problem werden, welche Leichen nun forensisch untersucht werden sollen und welche nicht."

Viele kehren nie zurück

Für Harding, der bei der Identifizierung der 229 Opfer des Swissair-Flugzeugabsturzes vor Halifax dabei war, bedeutet der Unfang der Katastrophe auch, dass nie alle Opfer identifiziert werden können.

Einige seien wohl schon beerdigt oder kremiert worden. Andere würden im Schlamm der Fluten vermutlich nie mehr gefunden.

"Alle möchten natürlich die Leichen möglichst bald identifizieren, damit die Familien Sicherheit über den Tod einer geliebten Person haben, sich verabschieden und damit abschliessen können", so Harding.

"Doch bei einer Katastrophe dieser Grössenordnung kann man nie alle Ziele erreichen."

swissinfo, Adam Beaumont
(Übertragen aus dem Englischen: Christian Raaflaub)

In Kürze

Eine erste Liste mit 105 Namen wurde an die Kantonspolizeien verschickt.

Sie werden nun damit beginnen, DNA-Proben zu sammeln. Man hofft, dass diese mit Proben aus Thailand verglichen werden können.

Laut der Polizei dürfte der gesamte Prozess Wochen, wenn nicht Monate in Anspruch nehmen.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen