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BONN (awp international) - Die Postbank hat trotz eines höheren Gewinns in den ersten sechs Monaten die Erwartungen für das zweite Halbjahr gedämpft. Vorstandschef Stefan Jütte sieht das Bonner Institut zwar in diesem Jahr nach wie vor schwarze Zahlen schreiben. "Allerdings gehen wir nach derzeitiger vorsichtiger Einschätzung nicht davon aus, dass sich das Ergebnisniveau des ersten Halbjahres auch im zweiten Halbjahr fortschreiben lässt", sagte er am Mittwoch laut Mitteilung und verwies auf die andauernden Unsicherheiten an den internationalen Kapital- und Immobilienmärkten.
Die im MDax notierte Aktie reduzierte im Laufe des Vormittags ihre Verluste. Börsianer bemängelten den vorsichtigen Ausblick und die hohe Risikovorsorge. Ausserdem will Postbank-Chef Jütte erst wieder eine Zielvorgabe für die Eigenkapitalrendite geben, wenn Fragen wie die Einführung der Bankenabgabe, die Reform der Einlagensicherung und die neuen Regeln für die Eigenkapitalanforderungen (Basel III) geklärt sind.
EIGENKAPITALRENDITE SOLL STEIGEN
Bislang war die Postbank im Jahr 2012 von 13 Prozent operativer Eigenkapitalrendite nach Steuern ausgegangen. LBBW-Analyst Olaf Kayser überrascht die Rücknahme des Ziels nicht, niemand habe wirklich an das Renditeziel der Postbank geglaubt. Im ersten Halbjahr belief sich die Eigenkapitalrendite nach Steuern auf 5,6 Prozent, vor Steuern auf 8,3 Prozent. Finanzvorstand Marc Hess betonte aber, geplant sei nach wie vor eine Steigerung.
Im laufenden Jahr rechnet die Postbank, an der die Deutsche Bank derzeit knapp 30 Prozent hält, mit einem leichten Plus beim Zinsüberschuss und geringeren Belastungen aus der Finanzkrise. Der Provisionsüberschuss dürfte wegen rückläufiger Erträge aus Postgeschäften und dem Abwicklungsgeschäft aber leicht zurückgehen. Das angestossene Sparprogramm läuft weiter, wegen der jüngsten Übernahme von rund 300 Postfilialen rechnet das Bonner Institut aber mit 60 bis 70 Millionen Euro zusätzlichen Kosten in diesem Jahr. Sollte in Deutschland die Bankenabgabe eingeführt werden, erwartet Hess ausserdem mit einer zusätzlichen Belastung von 40 Millionen Euro pro Jahr.
STRUKTURIERTE KREDITPRODUKTE BELASTEN WEITER
Im zweiten Quartal konnte die Postbank dank höherer Erträge aus dem Privatkundengeschäft und niedrigerer Belastungen aus Spekulationen den Gewinn steigern. Vor Steuern belief sich der Gewinn auf 94 Millionen Euro nach einem Verlust von 29 Millionen Euro im Vorjahr. Unterm Strich ergab sich ein Überschuss von 57 Millionen Euro nach 15 Millionen Euro im Vorjahr für das zweite Quartal und von 153 Millionen Euro im ersten Halbjahr (Vorjahr: 113 Mio Euro).
Der Zinsüberschuss stieg im zweiten Quartal um knapp 100 Millionen Euro auf 671 Millionen Euro. Neue Konditionen und höhere Margen im Privatkundengeschäft hätten im Wesentlichen zu dem Anstieg beigetragen, sagte Hess. Das Minus im Handelsergebnis verringerte sich auf 40 Millionen Euro (Vorjahr: -103 Mio Euro). Die Postbank hat nach wie vor an Belastungen aus strukturierten Kreditprodukten zu knabbern. Diese waren im zweiten Quartal aber noch einmal deutlich zurückgegangen.
Die Risikovorsorge für faule Kredite stieg allerdings vor allem wegen der Vorsorge für Gewerbeimmobilien in Grossbritannien noch einmal an. Sie betrug im zweiten Quartal 175 Millionen Euro (Vorjahr 120 Mio Euro) und im ersten Halbjahr 315 Millionen Euro (Vorjahr 228 Mio Euro). In der zweiten Jahreshälfte dürften die Risikokosten aber nicht weiter steigen, erwartet Hess.
KERNKAPITALQUOTE SOLL 2011 DEUTLICH STEIGEN
Die Kernkapitalquote der Postbank lag Ende Juni wie im März bei 7,3 Prozent. 2011 soll die Kernkapitalquote dank Neubewertungen von Risikopositionen deutlich steigen. Bis Ende 2012 will die Postbank ihren Aktionären keine Dividende zahlen, sondern Gewinne einbehalten und so auf eine Kernkapitalquote von rund 9,5 Prozent kommen.
Den europäischen Stresstest hatte das Bonner Institut nur knapp bestanden. Mit einer Kernkapitalquote (Tier 1) von 6,6 Prozent lag die Quote nur 0,6 Prozentpunkte über dem Mindestwert. Eine der sensibelsten Komponenten sei aber überhaupt nicht untersucht worden, betonte Hess. Das sei die Liquidität der Institute und in dieser Kategorie - wäre sie getestet worden - hätte die Postbank nach Meinung ihres Finanzvorstands gut abgeschnitten./ang/stk/zb

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