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Prellt jeder 20. Arzt die Krankenkassen?

Die Ärzte wurden im ganzen Land nach denselben Kriterien beurteilt.

(Keystone)

Jeder 20. Arzt soll gemäss einer Studie des Krankenkassen-Verbandes santésuisse im Jahr 2004 von den Krankenkassen zu viel Honorar bezogen haben.

Die Ärzteschaft weist die Vorwürfe als undefiniert zurück und kritisiert die santésuisse-Statistik.

Insgesamt 12% der Ärzte haben laut santésuisse Rechnungen verschickt, die 30% teurer waren, als jene ihrer Fachkollegen im selben Kanton. Bei einem Drittel davon stellte sich heraus, dass diese Rechnungen ungerechtfertigt waren, wie Verbandssprecher Peter Marbet eine Meldung des SonntagsBlick
bestätigte.

In einem ersten Schritt würden jene Ärzte als "auffällig" eingestuft, deren Rechnungen 30% teurer ausfielen, als die der Konkurrenz im gleichen Kanton, sagte Marbet. Diese erhielten dann einen Warnbrief, dass sie ihre Patienten vielleicht überverarzten, häufiger kontrollieren, länger behandeln oder dergleichen.

Im Jahr 2004 seien 1991 Ärzte als "auffällig" eingestuft worden, 2003 seien es 1265 gewesen. Bei zwei Dritteln dieser "Auffälligen" gebe es stichhaltige Gründe, warum sie teurer seien. Die Kassen akzeptierten dies und weitere Folgen blieben aus, sagte Marbet. Das letzte Drittel müsse zu viel bezogene Honorare zurück erstatten.

Gute Gründe

Die Ärzte weisen die Vorwürfe zurück und kritisieren die santésuisse-Statistik. Die Methode sei zu undifferenziert, sagte der Präsident der Ärztevereinigung FMH, Jacques de Haller, gegenüber der "Tagesschau" vom Schweizer Fernsehen.

Die Zahlen trügen der Realität in keiner Weise Rechnung, ergänzte er gegenüber dem Westschweizer Fernsehen TSR. Haller warf santésuisse vor, die Behandlung schwerer Krankheiten nicht zu berücksichtigen.

Wenn ein Arzt sehr viel koste, gebe es dafür gute Gründe. So sei ein Arzt, der viele HIV-Patienten oder Diabetiker betreue, aus guten Gründen teurer als andere. Schwarze Schafe gäbe es unter den Ärzten sehr selten.

Auch die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM) lehnt "die von den Krankenkassen definierte, rein umsatzbedingte Grenze, wann ein Arzt zu teuer ist", ab. Das damit gezeichnete Bild eines abzockenden und betrügerischen Arztes entspreche nicht der Realität, schreibt die SGAM in einer Mitteilung vom Montag.

Studie bereinigt

Die Erhebung sei geschlechts- und altersbereinigt, konterte Marbet diese bereits früher von der Ärzteschaft gegen die Statistik geäusserte Vorwürfe. Ein Arzt, der viele ältere Patienten und Frauen betreue, komme auf höhere Umsätze. Das werde berücksichtigt.

Auch würden alle Ärzte flächendeckend nach den selben Kriterien kontrolliert.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Helsana, die grösste Krankenkasse der Schweiz, hat 2005 insgesamt 95'000 Mal (3,8%) von Ärzten mit eigener Praxis gestellten Rechnungen widersprochen.

Hauptgründe: falsche Abrechungspositionen, Medikamenten-Verschreibungen für die keine Leistungspflicht bestand.

Rund 30 Miio. Franken holte sie von den frei praktizierenden Ärzten zurück.

Das Gesetz gibt den Krankenkassen das Recht, zu Unrecht fakturierte Beträge von den Ärzten zurückzufordern.

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