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MÜNCHEN (awp international) - Der Lastwagen- und Motorenhersteller MAN verlangt von seinem Ende 2009 wegen einer Schmiergeldaffäre zurückgetretenen Ex-Chef Håkan Samuelsson Schadenersatz in Millionenhöhe. Der frühere Vorstandsvorsitzende soll einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Montag) zufolge rund 237 Millionen an das Unternehmen zahlen. Das habe der Aufsichtsrat unter Vorsitz von VW-Patriarch Ferdinand Piëch bereits im Sommer eingefordert, betroffen seien auch weitere Ex- Manager des Dax-Konzerns . Das Unternehmen wollte sich zu dem Bericht nicht äussern, das Thema falle in die Kompetenz des Aufsichtsrates.
Samuelssons Anwalt wies in der "SZ" die Forderungen zurück. "Der Anspruch ist nicht begründet", zitiert das Blatt den Juristen. MAN war im Mai 2009 ins Visier der Münchner Korruptionsermittler geraten. Am Jahresende zwang der Skandal fast die gesamte Führungsriege zur Aufgabe, der Dax-Konzern akzeptierte ein Bussgeld von rund 150 Millionen Euro. Etwa im Lastwagengeschäft sollen Verkäufer Bestechungsgelder an Mitarbeiter von MAN-Kunden gezahlt haben, um den Verkauf anzukurbeln. Nach einem ersten Prozess im Sommer 2010 ermittelt die Staatsanwaltschaft München weiterhin gegen ehemalige Top-Manager wegen des Verdachts der Bestechlichkeit.
MAN hatte sich stets Schadenersatzforderungen offen gehalten und auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr auch die Entlastung der früheren Vorstände vertagt. Betroffen sind davon neben Samuelsson auch Ex-Finanzvorstand Karlheinz Hornung und der ehemalige Leiter der Nutzfahrzeugsparte, Anton Weinmann. Alle drei Manager hatten im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre im November binnen einer Woche den Konzern verlassen. Auch Hornung und Weinmann sollen der "SZ" zufolge Schadenersatzforderungen von MAN erhalten haben, ebenfalls über grosse Summen von 100 oder gar 200 Millionen Euro.
In der Höhe sind diese Forderungen bisher beispiellos. Ob das Geld am Ende fliessen wird, ist offen. Die Anwälte des Schweden halten die Forderung für "absurd". Offen ist auch, inwieweit die von MAN für die Vorstände abgeschlossene Haftpflichtversicherung die Forderungen abdeckt. Laut "SZ" soll die Police eine Summe von 200 Millionen Euro beinhalten. MAN macht zu den Einzelheiten der sogenannten D&O- Versicherung ("Directors-and-Officers-Versicherung", zu deutsch Organ- oder Manager-Haftpflichtversicherung) keine Angaben.
Laut "SZ" gehen die Anwälte Samuelssons davon aus, dass die Forderungen auch Gespräche über eine gütliche Einigung erschweren werden. Bei Siemens beispielsweise einigten sich der frühere Vorstands- und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer und der Konzern auf die Zahlung von fünf Millionen Euro, wobei von Pierer eine persönliche Schuld nie eingeräumt hat./sbr/DP/he

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