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Presseschau vom 01.12.2003

Der Kanton Zürich sagte Nein zur Anerkennung weiterer Religionen nebst den Landeskirchen. Aus Angst vor dem Islam, so der Tenor in der Schweizer Presse.

Und: Zufriedenheit herrscht über das Los der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft für die Europameisterschaften von nächstem Sommer in Portugal.

"Alles gewollt, nichts erreicht." Auf diese Formel bringt die AARGAUER ZEITUNG den Scherbenhaufen nach dem Volks-Nein im Kanton Zürich zur Entflechtung von Kirche und Staat und der Anerkennung weiterer Religionsgemeinschaften wie dem Judentum oder dem Islam.

Die Gegner des Ausländerstimmrechts in kirchlichen Angelegenheiten hätten sich im Abstimmungskampf zwar im Hintergrund gehalten. "Desto mehr schürten die Gegner des Anerkennungsgesetzes Angst vor dem Islam."

Reformfuder überladen

Auch für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG war dies der springende Punkt: "Die Gegner haben irrationale Furcht vor muslimischen Extremisten sehr geschickt auszunutzen gewusst." Weiterer Schwachpunkt der insgesamt drei Vorlagen: Das Paket sei schlicht zu überladen gewesen. "Jeder konnte sich sozusagen das herausgreifen, was ihn störte."

Darin ortet die BASLER ZEITUNG ein "grundlegendes Problem". Der Grund: "In einem politisch derart polarisierten Kanton wie Zürich haben Gesamtreformen fast keine Chancen mehr. Viele Hunde sind dann tatsächlich des Hasen Tod."

Die BAZ findet es zudem "bedenklich", wenn im multikulturellen Kanton Zürich die Gegner der Kirchenvorlagen den Sieg an der Urne "mit falschen Behauptungen und anti-islamistischen Parolen" erringen konnten.

Rolle der FDP unter der Lupe

Die Genfer Zeitung LE TEMPS nimmt die Rolle der Zürcher Sektion der Schweizerischen Volkspartei (SVP) im Abstimmungskampf schon fast mit Gleichmut hin: "Elle a su, une fois de plus, mobiliser avec des slogans emotionnels" - sie hat es einmal mehr verstanden, mit Emotionen schürenden Slogans zu mobilisieren.

Das eigentlich Beunruhigende sei etwas anderes, nämlich die Kehrtwende der Zürcher Freisinnigen von anfänglichen Befürwortern der Vorlagen ins gegnerische Lager "du grand frère" – der SVP. Mit diesem Schwenker seien nicht nur die konservativen Kräfte im Kanton Zürich gestärkt worden, so LE TEMPS. Möglicherweise sei dies der neue Kurs der FDP auf der gesamten Bundesebene.

Positives für den TAGI

Unter dem Titel "Unbekannte Nachbarn" beklagt der Zürcher TAGES-ANZEIGER ebenfalls das Nein, blickt aber nach vorn: "Der Abstimmungs-Ausgang zeigt, wie es weitergehen soll. Verständnis und Vertrauen zwischen Staat und Kirchen und zwischen den Religionsgemeinschaften sind gerade dank dieser Abstimmung stark gewachsen." Verständnis und Vertrauen seien ein Kapital, mit dem sich arbeiten lasse, so der TAGI.

Religion Fussball

Von den Religionen nun zu der Religion, dem Fussball. Europameister Frankreich, England und Kroatien heissen die ausgelosten Gruppengegner der Schweiz an der Europameisterschaft von nächstem Juni in Portugal.

"Schöne Aussichten für die Schweiz", freut sich die AARGAUER ZEITUNG über die starken, aber attraktiven Gegner in der Gruppe B. "Eine EM-Gruppe, mit der die Schweizer gut leben können," titelt die BASLER ZEITUNG. Und LE TEMPS findet: "Lisbonne fait un premier sourire à la Suisse" – Lissabon hält für die Schweiz ein erstes Lächeln bereit.

Chappi gegen Zidane

Lächeln auch beim TAGES-ANZEIGER: "Kroatien, England, Frankreich – ein gutes Los." Auch die BERNER ZEITUNG macht in Vorfreude: "Chappi gegen Zidane und Beckham."

"Nichts ist unmöglich", lautet die Einschätzung der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG. "Eine einfache Gruppe an dieser EM erwarten zu wollen, wäre töricht und nicht im Sinne der Realisten gewesen." Was der Coach der Engländer, Sven-Göran Eriksson, für sein Team gesagt habe, gelte auch für die Schweiz, so die NZZ. "Die Zusammensetzung der Gruppe B verspricht objektiverweise würzige Unterhaltung und Spannung."

Der Berner BUND titelte: "Alles für den Genuss." Denn: "Die Teilnahme an der Europameisterschaft ist für die Schweizer Nationalmannschaft ein wohlverdientes Dessert."

Der unerwartete Gruppensieg in der Qualifikation sei das erfreuliche Resultat von Coach Köbi Kuhns Forderung, dass die Schweizer Kicker über sich hinauswachsen müssten. In Portugal laute nun die Zielvorgabe: "Qualifikation für den Viertelfinal. Das Ziel, nach Papierform unrealistisch hoch, ist aber dennoch anzustreben."

swissinfo, Renat Künzi

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