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Presseschau vom 03.01.2003

Bundespräsident Pascal Couchepins Neujahrsansprache steht im Mittelpunkt des Medieninteresses. Dann sind da noch einige Ausblicke aufs neue und Rückblicke aufs alte Jahr zu lesen.

Dieser Inhalt wurde am 03. Januar 2003 - 09:44 publiziert

Und auch die Departements-Rochade im Bundesrat kommt noch zur Sprache.

"Wir brauchen den Mut zum Risiko." Das ist die Schlagzeile in der BERNER ZEITUNG und gleichzeitig ein Zitat aus der Neujahrsansprache des neuen Bundespräsidenten Pascal Couchepin.

"Vertrauen und Mut zum Risiko", das hebt auch die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG als die wichtigste Botschaft Couchepins hervor. Und die NZZ weist auf die Aussage des Bundespräsidenten hin, man solle sich darüber freuen, "dass die Schweiz immer wieder zu Überraschungen fähig ist".

Ein Beispiel gefällig? Der Herr Bundespräsident hat es auf der Hand, oder besser im Mund: "Der grosse Erfolg der Alinghi-Segeljacht", die in der Südsee die Schweizer Fahne hochhalte.

"Pascal Couchepin will zupacken", titelt die NEUE LUZERNER ZEITUNG und kommentiert dessen Neujahrsrede so: "Handeln statt zaudern und kritisieren: Der energische Bundespräsident plädierte für eine Vorwärtsstrategie."

Und für eine Öffnung des Landes, fügt die Westschweizer Zeitung LE TEMPS hinzu: "Pascal Couchepin appelle les Suisses à choisir l'ouverture."

Für die AARGAUER ZEITUNG gehörte die Neujahrsansprache Couchepins "zu den positiven Eindrücken des neuen Jahres". Der Bundespräsident habe die aktuellen Probleme nicht verschwiegen, aber davor gewarnt, "einem goldenen helvetischen Zeitalter" nachzutrauern, und er habe "den eher besitzstandwahrend orientierten Landsleuten" ein bisschen "Mut zum Risiko" gewünscht.

Weniger zufrieden mit Couchepins Rede ist der CORRIERE DEL TICINO. Nicht wegen des Inhalts, sondern wegen der vielen Akzent- und sonstigen Fehlern, die der Bundespräsident auf Italienisch im Tessiner Fernsehen und Radio gemacht habe.

Couchepin hätte sich und seine Rede besser verkauft, wenn er Französisch gesprochen hätte, schreibt das Blatt und meint: "Die Tessiner, notgedrungenermassen und nicht zufälligerweise mehrsprachig, hätten ihm nicht mal einen Vorwurf gemacht" - ihm, dem Pascal Couchepin, "poliglotta per caso".

Kritik an der SVP

Der Zürcher TAGES-ANZEIGER hebt die kritischen Worte Couchepins gegenüber der Schweizerischen Volkspartei (SVP) hervor. Diese äusserte er in einem Interview mit der Zeitung, wo er sagte: "Die SVP betreibt Bodybuilding-Politik."

Eine Ansicht, welcher der TAGI nicht nachsteht. Die sogenannte "Standortbestimmung", welche SVP-Boss Christoph Blocher zum Auftakt des Wahljahres in der Schweiz in alle Briefkästen stecken liess, spricht für das Blatt Bände.

Nichts unterlasse der Milliardär von der Goldküste, "um möglichst tiefe Gräben zwischen der 'Herrschaftsklasse' und dem Volk auszuheben. Die Landesregierung stellt er als eine Bande unehrlicher Strolche dar, die nichts anderes im Schilde führen, als die Schweiz in den Abgrund zu stürzen."

Das Rezept Blochers, diesen Strolchen das Handwerk zu legen, sei eindeutig: "Ein scharfer Rutsch nach rechts, hin zum SVP-Staat."

Aussichten und Rückblicke

"Die Chefs zeigen Flagge." So lautet die Schlagzeile in der HANDELSZEITUNG. Zu den (wirtschaftlichen) Aussichten der Schweiz heisst es da optimistisch: "Die Hoffnungsträger der Wirtschaft sind voller Tatendrang."

Und überhaupt: "Die Schweizer sind ein Volk von Optimisten", schreibt die Zeitung und stützt sich dabei auf eine Erhebung des GfS-Forschungsinstituts.

Ganz anders tönt es in der BASLER ZEITUNG, die ein "kleines Requiem auf das neue Jahr" wagt. Die BAZ schreibt nämlich: "Selten war so viel Zukunftslosigkeit in den eingezogenen Köpfen, so viel Verzagtheit in den öffentlichen Reden, so viel Kleinmut in den privaten Geschäften. Das liege an der lahmenden Wirtschaft, heisst es, an der unsicheren Weltlage. Aber es hat auch mit unserer Kultur zu tun."

Und wie sieht die aus? Die BAZ sagt es uns gleich: "Kultur heute, das ist der mehrheitsfähige Anspruch, Routine als Ereignis verkauft zu bekommen."

Die NZZ ihrerseits hat dem Rückblick aufs "Finanzjahr 2002" gleich eine dicke Sonderbeilage gewidmet. Eine dem Ausblick vorausgehende Rückschau auf das Geschehen an den Finanzmärkten im Jahr 2002 sei nicht sonderlich angenehm, meint die NZZ:

"Selbst abgebrühte Anlageprofis schaudern zuweilen beim Gedanken, nochmals durch den verminten Zickzackkurs an die Abgründe des vergangenen Jahrs zurückzukehren." Deshalb wohl der mahnende Titel der NZZ-Beilage: "Bittere Wahrheiten statt süsse Versprechungen."

Departementsrochade

"Neue Chefs, wacklige Stühle", titelt der Berner BUND und erinnert daran, dass gleich drei von sieben Bundesdepartementen auf Jahresbeginn neue Chefs erhalten haben. "Für Mitarbeitende in der Entourage der neuen und abtretenden Regierungsmitglieder kann das bedeuten: Einen neuen Job suchen."

A propos Departementswechsel: "Alle sieben haben Schlüssel samt Büros", beruhigt uns die BASLER ZEITUNG. In Sachen Bundesrat Samuel Schmid fragt sich die BAZ indessen besorgt:

"Stimmt es, was die Bergdohlen von den Viertausendern krächzen, dass nämlich der Büroschlüssel des SVP-Kriegsherrn in der Schreibtischschublade von Christoph Blocher verwahrt werde? Und falls ja: Was hat Blocher vor? Will er Samuel S. vom Bundeshaus Ost aus oder gar daselbst für den Rest seiner Tage einschliessen?"

swissinfo, Jean-Michel Berthoud

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