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Presseschau vom 04.11.2003

Noch immer sorgt Christoph Blocher für Schlagzeilen. Am Montag präsentierte sich der SVP-Frontmann vor internationalen Medien als Staatsmann.

Die Schweizer Presse bleibt skeptisch ob dem Wandel.

Der Noch-Nationalrat aus Zürich, der Einsitz nehmen will im Bundesrat, lud nach Zürich und die Medien kamen in Scharen. Vom ruppigen Oppositions-Politiker zum kollegialen Mitglied im Bundesrat: So präsentierte sich Christoph Blocher im schicken Zürcher Lokal Kaufleuten nicht zuletzt der internationalen Presse.

Der Zürcher TAGES ANZEIGER titelt: "Nachhilfestunden für Ausländer".

Nach der Veranstaltung sprach der TAGI auch mit ausländischen Journalisten über ihre Einschätzung. Dabei setzte zum Beispiel der ARD-Korrespondent ein grosses Fragezeichen hinter Blocher, der ihn etwas an Franz Josef Strauss erinnere:

"Ein bisschen poltern, sich nicht einfügen, demagogisch."

Blochers Asylpolitik hält der deutsche Journalist für bedenklich und er fragt sich auch, ob die Aussenpolitik des SVP-Politikers Zukunft habe.

Haider oder Le Pen?

Auf die unausweichlichen Fragen, ob er wie Le Pen sei oder eher wie Haider, kommt die Schelte an die Adresse der Schweizer Medien. Seine Partei, die SVP, sei nicht nur die Zielscheibe für die andern Parteien gewesen, sondern eben auch für das Gros der Medien, und zwar von Links bis zur Neuen Zürcher Zeitung.

"Blocher erklärt sich der Welt", titelt die NEUE LUZERNER ZEITUNG, "Blochers Bundesrat: Ein Club strammer Parteisoldaten", heisst es im BLICK.

Ist er nun ein anderer Blocher?

Die AARGAUER ZEITUNG setzt ihren Kommentar unter den Titel "Subtiler Stilwechsel".

Blocher und seine Partei hätten noch viel Überzeugungsarbeit vor sich, um den Zürcher am 10. Dezember in den Bundesrat zu bringen.

"So wechselt Blocher den Stil und gibt sich betont konkordanzkonform. (...) Blocher weiss, dass er mit vielen seiner Anliegen im Bundesrat nicht durchkommen wird."

Doch er vertraue darauf, dass seine Überzeugungsarbeit im Siebner-Gremium ebenso Wirkung zeigen werde, wie er es sich von seiner Partei und seinem Unternehmen gewohnt sei.

"Als Bundesrat wird er manche treuen Gefolgsleute enttäuschen müssen."

Nicht Paulus, aber vielleicht Christophorus

Ob Blocher der Wandel vom Flegel zum Staatsmann gelingen wird, fragt sich mitunter auch der Berner BUND:

"Wir müssen uns an einen neuen Christoph Blocher gewöhnen. Er wandelt sich – vielleicht nicht gerade vom Saulus zum Paulus, aber immerhin vom Christoph zum Christophorus."

Mit Heiligen habe der protestantische Pfarrerssohn möglicherweise nicht viel am Hut. Aber das Bild könnte ihm gefallen.

"Die Schweiz durch den tückischen Strudel der Moderne zu tragen. Christoph Blocher ist beseelt von dieser Mission. Der Schweiz geht es in seinen Augen so schlecht, dass es ihn jetzt braucht. Deshalb hat er seine Strategie geändert."

Jetzt gehe es noch darum, die Skeptiker zu überzeugen. Deshalb trete Blocher nun als Staatsmann vor die Medien, konziliant und kompromissbereit.

"Wie gesagt, der neue Christoph Blocher ist gewöhnungsbedürftig. Aber vielem, was er sagt, dürften viele zustimmen. (...) Interessant wird sein, wie er die Probleme konkret lösen will."

Skepsis gegenüber dem "Staatsmann" bleibt

Skeptisch bleibt auch die Westschweizer Zeitung LE TEMPS:

"Christoph Blocher a laissé la polémique au vestiaire – Christoph Blocher hat die Polemik in der Garderobe gelassen." Noch bleibe zu sehen, ob nicht der andere Christoph Blocher wieder auftauche, wenn er einmal in der Regierung sitze. Die Wahrscheinlichkeit sei etwa 50:50, ebenso gross wie seine jetzigen Chancen, tatsächlich in den Bundesrat gewählt zu werden.

"Blocher gibt es nur als Original"

überschreibt die BASLER ZEITUNG ihren Artikel.

Derzeit weible Blocher in der Rolle der konsensfähigen Bundesrats-Kandidaten durchs Land. Wer den SVP-Volkstribun einbinden wolle, höre das gerne.

"Doch wer Blocher wählt, sollte darauf nicht vertrauen. Blocher ist die Antithese zum Kollegialitätsprinzip."

swissinfo, Rita Emch

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