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Presseschau vom 05.03.2004

Alle Zeitungen befassen sich mit dem Rücktritt von FDP-Präsidentin Christiane Langenberger. In manchen Blättern ist gar von "Putsch" die Rede.

Die meisten Kommentatoren reagieren besorgt auf den Rücktritt und befürchten einen weiteren Rechtsrutsch beim Freisinn.

"Ein Putsch und seine Folgen", titelt der TAGES ANZEIGER. Und für die AARGAUER ZEITUNG "dürfte Langenbergers Demission nicht ganz freiwillig erfolgt sein".

Es sei ein Rauswurf in Raten gewesen, präzisiert der TAGI. "Jetzt ist die Präsidentin weg – verheizt, abgedrängt und fallen gelassen."

Der harte Zürcher Wirtschaftsflügel setze die liberale Minderheit immer aggressiver unter Druck. "Der Freisinn mit seiner Tradition der intellektuellen Toleranz entwickelt Symptome einer rüpelhaften Führerpartei, der die Sensibilität für die Kultur und die Kulturen immer mehr abgeht", stellt der Kommentator fest.

Manche Zeitungen sind allerdings der Meinung, dass Langenberger in ihrem Amt von Anfang an überfordert gewesen sei. "Sie deswegen zur Mutter Theresa des Freisinns emporzustilisieren, wäre falsch", so der TAGI. "Ihre Aussagen blieben banal und unscharf, ihre Positionen oft opportunistisch."

Von Anfang an habe Langenberger an der Spitze der FDP einen schweren Stand gehabt, erinnert die NEUE LUZERNER ZEITUNG:

"Sie übernahm die Partei in einer denkbar schwierigen Zeit. (...) Nur ein knappes Jahr vor den Parlamentswahlen machten sich die Männer rar und überliessen die aufwändige Knochenarbeit der Frau aus dem Waadtland."

Und LE TEMPS doppelt nach: "Langenberger hat ein Engagement und eine Präsenz demonstriert wie selten jemand zuvor."

FDP "tief in der Tinte"

Nach Langenbergers Verzicht stehe die FDP jetzt vor einer Richtungswahl und befinde sich "doppelt im Dilemma", schreibt die BASLER ZEITUNG. Im Schulterschluss mit der SVP habe sich der Freisinn bei der Bundesratswahl gegen die liberalen Frauen und für die konservativen Männer entschieden.

"Sollten die FDP-Delegierten am 17. April nun einen Präsidenten vom rechten Flügel bestätigen, wäre das FDP-Dilemma indes längst nicht gelöst. Im Gegenteil: Es würde wohl junge Frauen zusehends in Richtung Grüne und SP scheuchen, konservative Männer hingegen dem rechten Original namens SVP zutreiben."

Die FDP stecke "tief in der Tinte", hebt die BERNER ZEITUNG hervor. "Langenberger die Schuld am beschleunigten Niedergang der FDP zu geben wäre verfehlt. Sie wurde von den Rechtsfreisinnigen, die nun die Macht übernehmen wollen, noch und noch desavouiert."

Mit ihrem Rücktritt kürze Christiane Langenberger die Suche nach Profil, FDP-intern 'avenir radical' genannt, ab. "Die laufende Basisbefragung droht zur Makulatur zu werden, wenn im April ein Präsident gewählt wird, der sein Programm schon fixfertig ausgearbeitet hat."

Für den BUND ist die FDP eine Volkspartei mit kantonal unterschiedlicher Färbung und Klientel. "Bewegt sie sich zu fest nach links oder rechts, verliert sie noch mehr als zuvor."

Und auch der TAGES ANZEIGER warnt: "Welche Politik der neue Mann auch vertreten mag – und es wird ein Mann sein -, wenn er bloss die Differenzen schürt, die er integrierend überwinden müsste, verliert die FDP das, was sie als Partei auszeichnet: Meinungspluralismus, Weitläufigkeit, politischer Anstand. Übrig bliebe eine blasse Kopie: SVP light."

swissinfo, Alina Kunz Popper

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