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Presseschau vom 05.11.2003

Nach dem Rösti-Graben jetzt auch ein Raclette-Graben: Der Wirbel um die Traditionsspeise aus dem Wallis wird sarkastisch beleuchtet in den Zeitungen vom Mittwoch.

Ein weiteres Thema ist Europas Kritik an Israel, die Brüssel in Verlegenheit bringt.

Käse darf nur dann "Raclette" heissen, wenn er aus dem Wallis stammt. Das hat der Bund entschieden, aber niemand sei glücklich darüber, kommentiert etwa die BERNER ZEITUNG, BZ:

"Bei Licht betrachtet, gibt es nur Verlierer: die Konsumenten, die Bauern – ja sogar die Walliser",

ist die BZ überzeugt. Denn wegen des Walliser Monopols könnten die "Üsserschwizer" Bauern jetzt weniger Milch in die Raclette-Produktion liefern, was ihre Lage weiter verschärfe. Schlimmer noch:

"Die Staatsverdrossenheit unter Bauern dürfte zunehmen: Am Beispiel Raclette wäre demonstriert, zu was für unvernünftigen Lösungen Bern Hand bietet."

Weltfremder Käse

Für die NEUE LUZERNER ZEITUNG könnte die Eskalation nicht saisongerechter sein:

"Die Köpfe der Beteiligten glühen im Streit um den echten und den besten Raclette-Käse beinahe so heiss wie die gelben Käsescheiben, die derzeit wieder landauf, landab vor sich hinbrutzeln. Am heissen Schmelzkäse wird sich womöglich auch noch das Bundesgericht juristisch eine Scheibe abstreichen."

Glücklich das Land, das sich über solche Probleme ereifern könne, falle einem zwischen zwei Bissen und einem Schluck unwillkürlich ein...

Das Verbot für die Hersteller von Raclette ausserhalb des Wallis, ihre Produkte unter diesem Namen zu verkaufen, habe die Fronten gewaltig verhärtet, schreibt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. Noch kaum je habe im Bestreben landwirtschaftlicher Produktionszonen um Registrierung ihrer Spezialitäten ein entsprechender Entscheid bei betroffenen Konkurrenten einen derartigen Aufschrei der Empörung ausgelöst wie dieser.

Bundesamtliche Heiligsprechung



Der offiziell verliehene Adelstitel für die jahrhundertealte Traditionsspeise hätte fast etwas Rührendes an sich, wenn nicht "vollfette Wirtschaftsinteressen" dahinter stünden, ironisiert die BASLER ZEITUNG. Eine Beruhigung werde nach diesem Entscheid jedenfalls sicher nicht stattfinden. Es werde Rekurse hageln, und es werde –zig Verfahren auslösen, in welchen die Nicht-Walliser Markeninhaber versuchen würden, ihr Recht zu erstreiten.

"Etwas viel Lärm um einen Käs",

folgert die BAZ.

Umstrittene Nahostpolitik der EU



Europas Kritik an Israel bringe Brüssel in Verlegenheit, aber sie sei gar nichts Neues, schreibt der Zürcher TAGES-ANZEIGER nach der Veröffentlichung der jüngsten Eurobarometer-Umfrage. Mit dem Sechstage-Krieg 1967 habe Europa vom pro-israelischen ins pro-arabische Lager gewechselt und den USA das Feld überlassen.

Das Umfrage-Ergebnis, wonach eine Mehrheit der EU-Bürgerinnen und Bürger Israel für jenen Staat hält, der den Weltfrieden am meisten gefährdet, sorge erwartungsgemäss für weitere Zwietracht in den Beziehungen zwischen Jerusalem und Europa, schreibt die Genfer Zeitung LE TEMPS unter dem Titel

"Sondage de la discorde entre l'Europe et Israel".

Von unüberlegten Reflexen spricht der Berner BUND. Die israelische Besetzungspolitik in den palästinensischen Gebieten habe vielen Europäern die Gelegenheit gegeben, das Schuldgefühl gegenüber den Juden abzulegen und hämisch darauf hinzuweisen, die einstigen Opfer seien zu Tätern geworden, die nun gar den Weltfrieden bedrohten:

"Dies beruhigt das Gewissen, stellt aber einen ebenso falschen und unüberlegten Reflex dar wie die ewig gleiche Behauptung der israelischen Regierung, Kritik am jüdischen Staat sei stets als Antisemitismus zu verstehen."

Auch Leuenberger unter der Haube

Dass Bundesrat Moritz Leuenberger ganz klammheimlich seine langjährige Lebenspartnerin geheiratet hat, ist für den BLICK die absolute Topstory des Tages. Kommentar:

"Die Schweiz im Streit, Bundesrat Moritz Leuenberger im Eheglück. Verschmitzt nennt er seine Heirat einen 'Akt des Konsenses in einer konfliktreichen Zeit' ".

swissinfo, Monika Lüthi

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