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Presseschau vom 06.06.2003

Das böse Wort ist gezwungenermassen salonfähig geworden: Rezession. Und die Schweiz steckt mittendrin.

Dieser Inhalt wurde am 06. Juni 2003 - 09:32 publiziert

Das Staunen ist gross.

Am prägnantesten fasst der welsche LE TEMPS am Freitag die Nachrichten aus dem Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) zusammen: "Erreur d' appréciation: la Suisse découvre qu'elle est en récession depuis six mois - Einschätzungsfehler: die Schweiz entdeckt, dass sie seit sechs Monaten in der Rezession steckt."

"Schönredner Lügen gestraft."

Die AARGAUER ZEITUNG geht scharf ins Gericht mit den Berufs-Ökonomen: "Und es ist wie immer: Die Schönredner der Banken, des seco, der Konjunkturforschungs-Institute sind Lügen gestraft. Das Wort Rezession hatten sie damals verbannt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf."

Die BERNER ZEITUNG geht mit dieser Einschätzung einig: "Was die meisten schon seit längerem gespürt haben, ist jetzt amtlich bestätigt. (...) Die [Rezession] mussten die Ökonomen des Bundes gestern einräumen."

Hiobs-Botschaft von Deiss

"Jetzt merkts auch Deiss", schreibt der BLICK mit Blick auf Bundesrat Joseph Deiss. "Zwei Quartale Negativ-Wachstum, das ist gemäss Lehrbuch eine Rezession. Doch [der] Wirtschaftsminister spricht lieber von 'ausgeprägter Schwäche' oder 'Stagnation'. Auf Nachhaken hin räumt er ein: 'Das ist eine Rezession, wir müssen die Dinge beim Namen nennen'."

Und Bundesrat Deiss dekretiert - auf dem Foto mit dem Zeigefinger drohend - der Schweizer Öffentlichkeit auch gerade die Lösung: "Alle müssen Ärmel hochkrempeln."

Jammern auf hohem Niveau?

Doch überstürztes Handeln ist für die NEUE LUZERNER ZEITUNG der falsche Weg: "Diese Meldung ist brisant, weil sie die Spirale von Skepsis und Pessimismus verstärkt. Umso mehr ist Innehalten sinnvoll, sind nüchterne Fragen angesagt: Geht die Fahrt nun erst recht in den Keller? Oder üben wir uns viel eher in schweizerischem Jammern auf hohem Niveau?"

Keinesfalls vergraulen sollte man die immer noch mässig kauflustige Bevölkerung, meint der TAGES ANZEIGER. Er schreibt: "Nur die Konsumenten halten durch." Aber auch der TAGI stellt die bange Frage: "Wann kommt jetzt der versprochene Aufschwung?"

Aufschung erst 2005?

Der BUND liefert eine - verhaltene - Antwort: "Irgendwann wird der Aufschwung wohl kommen. Irgendwann kommt er immer. Im zweiten Halbjahr 2002 hätte er nach früheren Prognosen schon kommen müssen. (...) Nun veranschlagen die Optimisten des seco die Erholung auf 2004, die Pessimisten sprechen schon von 2005."

swissinfo, Philippe Kropf

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