Presseschau vom 06.12.2002

Schwerpunktthema in der Schweizer Presse vom Freitag ist das gespannte Verhältnis der Schweiz zu Europa nach dem EWR-Nein vor zehn Jahren. Der Alleingang habe sich kaum gelohnt.

Dieser Inhalt wurde am 06. Dezember 2002 - 08:53 publiziert

Kommentiert werden auch neue Richtlinien der Schweizer Bischöfe gegen sexuelle Übergriffe in der Seelsorge.

Als "Anfang einer europapolitischen Irrfahrt" umschreibt der Zürcher TAGES-ANZEIGER das Schweizer Nein zum Europäischen Wirtschaftsraum EWR vor zehn Jahren. Der Entscheid habe zu einer bilateralen Sackgasse geführt, denn:

"Brüssel kann und will die Schweiz nicht besser stellen als die EWR-Teilnehmer."

Also werde die bilaterale Annäherung zunehmend beschwerlicher, der grosse Moloch EU mache Druck auf die kleine Schweiz.

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG unterstreicht zwar die Bedeutung des Erreichten, findet aber, dass die Beziehungen der Schweiz mit dem mittlerweile so gut wie völlig intergrierten Europa unbedingt geklärt werden müssten.

Dekade der Stagnation

Für die BASLER ZEITUNG ist die Europa-Frage zum Tabu geworden, das EWR-Nein habe zu einer mentalen Distanzierung der Schweiz von Europa geführt. Im übrigen weise die Schweiz das tiefste jährliche Wachstum aller Industriestaaten auf:

"Ein Ja zum EWR hätte zweifellos den Reformdruck auf die einheimische Wirtschaft erhöht."

Die Zeitungen sind sich einig, dass vom Volksentscheid vor allem die Schweizerische Volkspartei SVP profitiert hat; denn der Urnengang habe ihren Höhenflug eingeleitet.

Die Genfer Zeitung LE TEMPS erhitzt sich in einem geharnischten Kommentar über das agitatorische Vorgehen Christoph Blochers in Sachen Europa, und über die "Resignation der politischen Führung". Zehn Jahre nach dem EWR-Nein sei die Schweiz am Boden - "Dix ans après l'EEE, la Suisse est éteinte."

Sieger und Verlierer hatten Unrecht

Dem widerspricht die NEUE LUZERNER ZEITUNG in ihrem Bericht zum Tagesthema:

"La Suisse existe", betont das Blatt. Weder sei die Schweiz untergegangen nach dem 6. Dezember 1992, noch erstrahle sie in frischem Glanz. Sowohl die Sieger als auch die Verlierer hätten sich schlicht verrechnet.

Auch die AARGAUER ZEITUNG zieht den gleichen Schluss: "Es kam nicht so schlimm, wie die EWR-Befürworter befürchtet - und nicht so gut, wie die Gegner gehofft hatten."

Sexualkunde für Priester

Die neuen Richtlinien zum Umgang mit sexuellen Übergriffen in der Seelsorge werden überall grundsätzlich begrüsst: "Bischöfe wollen die Augen nicht mehr verschliessen", schreibt etwa die BERNER ZEITUNG; und unter der Überschrift: "Tabus brechen" lobt der Berner BUND:

"Das von Fachleuten von innerhalb und ausserhalb der katholischen Kirche ausgearbeitete Papier geht in die richtige Richtung." Tatsache sei aber, dass Priester, die angehalten werden, erotische Ansprüche konsequent zurück zu stellen, unter einem enormen Druck stünden:

"Viele von ihnen können gut damit umgehen. Andere geben irgendwann nach."

swissinfo, Monika Lüthi

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