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Presseschau vom 07.09.2002

Einmal mehr beschäftigen sich die Zeitungen vom Samstag mit dem Pro und Kontra eines Angriffskriegs gegen Irak.

Dieser Inhalt wurde am 07. September 2002 - 08:55 publiziert

Auch die allgemeine Wirtschaftslage, der neuerliche Chefwechsel bei ABB und die Heftigkeit der Marthaler-Debatte werden kommentiert.

"Bush wird noch viel Geduld brauchen", meint die BERNER ZEITUNG, BZ, zu den intensiven amerikanischen Bemühungen, das In- und Ausland von der Notwendigkeit eines Militärschlags zu überzeugen:

"Sowohl die innenpolitische Absicherung einer Militäraktion wie die Bildung einer internationalen Allianz dürften nicht einige Wochen, sondern mehrere Monate brauchen," schreibt die BZ. Die meisten aussen- und sicherheitspolitischen Abgeordneten im Kongress seien nämlich trotz neuer Geheimdienstinformationen nicht überzeugt, dass Saddam Hussein eine akute Gefahr darstelle. Die Folge:

"Zusehends zeichnet sich ein Konflikt zwischen dem Fahrplan des Kongresses und dem des Weissen Hauses ab." Präsident Bush habe zwar versprochen, vor einem Schlag gegen Saddam die Zustimmung des Parlaments einzuholen, möchte das Okay aber gerne vor den Wahlen im November auf sicher haben.

Irak als Prüfstein

Von einer "unipolaren Welt" und einer "monomanen USA", spricht der Berner BUND in seinem Leitartikel. Das heisse aber nicht, dass sich alle Welt dem amerikanischen Machtpol unterordnen müsse. Irak sei ein Prüfstein. Atomare, biologische oder chemische Waffen gehörten zwar nicht in die Hand eines Mannes, der seine absolute Skrupellosigkeit so klar bewiesen habe wie Saddam Hussein, aber:

"Es fragt sich nur, wie man ihn am besten daran hindert, noch grösseren Schaden zu stiften. Indem man ihn militärisch von der Macht beseitigt, wie das Bushs rechte Hände unverblümt androhen? Oder indem man nochmals mit Inspektionen und Sanktionen nachhakt, wie es europäische Stimmen ohne viel Überzeugungskraft fordern?"

Es brauche wahrscheinlich beides, folgert der BUND. Möglichst genaue Ermittlung, was Saddam wo verstecke, und militärische Schläge gegen solche Einrichtungen, die er noch nicht freiwillig aufgebe.

Kritik am politischen Pazifismus in Sachen Irak übt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG auf der Titelseite. Er sei ein schlechter Ratgeber. Vor zwölf Jahren sei er dafür mitverantwortlich gewesen, "dass der Sieg im Golfkrieg verschenkt wurde." Die Kampfhandlungen seien zu früh abgebrochen worden:

"Ein 'Marsch auf Bagdad' wurde nicht erwogen. Festklammern an politischer Stabilität in der arabischen Welt hatte Vorrang. Aus diesem Status quo aber kamen die Attentäter des 11. September", betont die NZZ.

Den Nachwehen dieses zum Symbol gewordenen Datums räumt die BASLER ZEITUNG breiten Raum ein. Die US-Wirtschaft sei von den Terroranschlägen nur vorübergehend tangiert worden. Abgesehen von den Airlines seien die Folgen weit weniger gravierend ausgefallen als befürchtet. Andere Töne punkto Wirtschaft hier zu Lande schlägt da der BLICK an:

"Gopferteli! - Was ist mit unserer Wirtschaft los? Jetzt fliegen auch die Kader". Es sei jetzt Schluss mit Top-Salären und fetten Boni. Auch vor Kaderpositionen mache der Rotstift nicht Halt: "Immer mehr Top-Leute von Banken und Versicherungen reichen sich im Arbeitsamt die Klinke."

Belastete Beziehungen

Die negativen Reaktionen von Gewerkschaften und Börse auf den Abgang des ABB-Chefs Jörgen Centerman und die Machtübernahme durch Jürgen Dormann werden in mehreren Zeitungen thematisiert. Den wahren Grund für den überraschenden Rücktritt bringt der Zürcher TAGES-ANZEIGER auf den Punkt:

"Jörgen geht wegen Jürgen." Es habe Meinungsverschiedenheiten gegeben, und Centerman habe die Konsequenzen aus seiner belasteten Beziehung mit Dormann gezogen.

Um belastete Beziehungen im Zürcher Schauspielhaus und den entlassenen Direktor Christoph Marthaler geht es im Meinungs-Teil des TAGI. Die Heftigkeit der Marthaler-Debatte signalisiere den Umbruch unserer Zeit:

"Warum isst du das?", fragt der Kleine seine Tischnachbarin und blickt irritiert auf deren Teller mit dem Gratin. Achselzucken. Worauf er sich ziemlich genervt an seinen jüngeren Tischnachbarn auf der andern Seite wendet:

"Warum hast du das gern?" Die Antwort schiesst aus einem Mund voller Kartoffeln: "Einfach."

Es sei wie im Theater, schreibt der TAGES-ANZEIGER. Was die einen geniessen, würden die anderen verabscheuen. Schlimmer noch: Der arme eine verstehe die blöden andern nicht mehr, weil ihm diese nicht erklären könnten, worauf ihr Wohlbefinden gründe:

"Wie kann man nur Kartoffelgratin gerne haben? Und was fasziniert euch bloss an Christoph Marthaler?"

Monika Lüthi

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