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Presseschau vom 09.12.2003

Fast hätte der deutsche Showmaster Harald Schmidt den Schweizer Bundesräten die Frontseiten-Show gestohlen: Dass er bei Sat1 eine "Kunstpause" einlegt, ist einigen Schweizer Zeitungen am Dienstag eine prominente Frontplatzierung wert.

Sonst konzentrieren sich die Frontgeschichten auf den Show Down der Bundesrats-Wahlen von morgen Mittwoch und die Disziplinierung der Wahl-Abweichler.

"Macht und Ohnmacht der Bundesratswahlen", titelt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, und hält noch einmal fest, dass die Stimmabgabe der Parlamentarier zwischen der Macht der Fraktionen und der Ohnmacht der geheimen Wahl pendelt.

Da ein Fraktionszwang verfassungsrechtlich verboten sei, versuchten die Fraktionschefs, ihre Ratsmitglieder "durch Überzeugungsarbeit auf Kurs zu bringen".

Dennoch hätten Abweichler Mühe, "ihrer persönlichen Überzeugungen Ausdruck zu verleihen", kritisiert die NZZ. Zum Beispiel könne man "mit eingezogener Kugelschreibermine das Schreiben eines Namens simulieren, gleichzeitig aber einen leeren Stimmzettel produzieren, der das absolute Mehr hinunterdrückt".

Von "Poker" bis "Blutgeruch"

Die BASLER ZEITUNG titelt zu den Bundesratswahlen auf der Front: "Poker statt Richtungswahl", und wundert sich ob der landesweiten Installation von Grossleinwänden, wie während einem WM-Final. Doch "alles scheint möglich und dass der Begriff 'Chaos' selbst in die Terminologie der politischen Dramaturgen des Spektakels Eingang gefunden hat, sagt eigentlich alles".

Etwas gar dramatisch titelt die Westschweizer LE TEMPS in ihrem Frontkommentar zu den Bundesratswahlen: "L'odeur du sang – Der Geruch des Blutes" – nie vorher seien die Schweizer derart vom Fieber der Politik eingenommen worden - pris par la fièvre politique".

Spektakel-Politik, um die man in der Schweiz bisher oft die Nachbarländer beneidet habe, plötzlich habe sie auch den Weg auf die helvetischen Bildschirme gefunden. "Les enjeux du 10 décembre sont débattus (...) au bistrot, au boulot, dans les journeaux – die Einsätze für den 10. Dezember werden in der Beiz, während der Arbeit und in der Presse debattiert."

Und um aufs Blut zurück zu kommen: Neben dem Protagonisten und dem unsicheren Ausgang gebe es auch eine Blutspur zu wittern, in Form eines Opfers – "une victime expiatoire est désignée dans l'arène fédérale – ein Bussopfer zeichnet sich in der Bundesarena ab". Und dieses müsse ja nicht unbedingt Ruth Metzler heissen...

"Kampf um jede Stimme"...

...titelt der BLICK, und schreibt weiter: "Das Ringen um die Abweichler ist voll entbrannt. Beide Lager kämpften gestern hinter den Kulissen um jede Stimme – oder um jede Enthaltung, die vor allem Bundesrätin Ruth Metzler in Gefahr bringt".

Das Boulevard-Blatt bringt zudem noch eine Seite "Facts" zu den Wahlen: Eine "Junioren"-Version mit Ruth Metzler und Christine Beerli (Durchschnittsalter 54,5 Jahre), eine "Senioren"-Version mit Hans-Rudolf Merz und Christoph Blocher (59,4 Jahre).

Schmidt-Schawinski-Show-Down



"Lästerkönig Harald Schmidt hört völlig überraschend am 23. Dezember auf", schreibt der BLICK auf noch prominenterer Frontposition. Letzte Woche sei Schmid über den neuen SAT 1-Chef Roger Schawinski hergezogen.

Auch die AARGAUER ZEITUNG bringt die Story prominent auf ihrer Front, der TAGES-ANZEIGER stellt in einem Front-Einspalter lakonisch fest, dass die Aktie der SAT 1-Konzernmutter nach dieser Ankündigung vorübergehend um 4% einbrach.

Eingebrochen ist auch die Erb-Gruppe. Die Erb-Pleite ist dem TAGES-ANZEIGER die Frontstory wert, nachdem die Zürcher Bezirksanwaltschaft ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet hat.

An einen unvermeidlichen Privatkonkurs glaubt auch die NZZ. "Die Riesenschulden des Erb-Konzerns (...) dürften neben Schäden noch unbekannten Ausmasses bei zahlreichen Gläubigern auch einen Privatkonkurs der beiden Brüder Erb nach sich ziehen."

Schwarzer Tag für Russland



Nicht gerade einem Konkurs, aber doch einer Suspendierung geht die NEUE LUZERNER ZEITUNG auf ihrer Front nach. Sie thematisiert die russischen Wahlen: "Zar Putins Wahlen im Kreuzfeuer der Kritik."

Der Frontkommentar wertet die Duma-Wahl zwar als "glänzenden Sieg für Präsident Putin, doch als schwarzen Tag für Russlands Demokratie". Sie sei zwar nicht völlig abgeschafft, aber doch suspendiert.

swissinfo, Alexander Künzle

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