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Presseschau vom 10.10.2003

Sechs Monate nach dem Fall Saddam Husseins in Irak: Die Schweizer Presse stellt US-Präsident George W. Bush kein gutes Zeugnis aus.

Mit einer Plakat-Aktion will die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus provozieren. Aber kaum eine Schweizer Zeitung geht darauf ein.

Anschläge mit Todesopfern unter US-Soldaten und Zivilisten jeden Tag. Am Donnerstag waren es zwölf Menschen, die bei drei Attacken ums Leben kamen: Auch nach einem halben Jahr hat die Besatzungsmacht von US-Präsident Bush Irak nicht unter Kontrolle.

Unter dem Titel "Sturmwarnung aus Bagdad" erklärt der Zürcher TAGES-ANZEIGER den Begriff des Blowback. Geheimdienste würden dann von einem Blowback sprechen, "wenn eine Operation schief läuft und das Gegenteil von dem eintritt, was die Planer bezweckt haben".

Obwohl ihnen in Irak der Wind voll ins Gesicht blase, sei dies für die Amerikaner noch kein Sturm. Doch die Luft werde immer rauer. "Die drei Attacken zeigen, wie labil die Sicherheit fünf Monate nach dem Ende des Krieges immer noch ist."

Ohne Sicherheit als Grundlage für Aufbau und Fortschritt bleibe das Misstrauen der Iraker gegenüber ihren Befreiern bestehen, so der TAGI. Er beurteilt die Chancen auf eine neue Irak-Resolution der USA im UNO-Sicherheitsrat zudem als gering.

Rumsfeld kaltgestellt?

Die Bildung einer so genannten Iraq Stabilization Group wertet der TAGES-ANZEIGER als Erkenntnis, "dass der Wiederaufbau des Irak allein unter der Fuchtel des Pentagons nicht gedeihen kann." Die Gruppe unterstehe Sicherheitsberaterin Condolezza Rice, "ein Umstand, der den selbstherrlichen Pentagonchef Rumsfeld mächtig ärgert. Erst wird das neue Gremium beweisen müssen, dass es mehr ist als ein cleverer PR-Schachzug."

Die USA müssten aber in erster Linie bereit sein, die Verantwortung für den Wiederaufbau den Vereinten Nationen abzutreten.

Der Berner BUND bemerkt ebenfalls, dass viele Iraker die USA nicht als Befreier, sondern als Besatzer empfinden würden. Zudem weigerten sich die europäischen Kriegsgegner, sich am Wiederaufbau zu beteiligen. Wenn Bush den Krieg gegen Irak immer noch verteidigen müsse, zeige, "wie wackelig seine Position im Weissen Haus geworden ist".

Plötzlich sehe sich der erfolgsgewöhnte Bush "in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit den führenden demokratischren Präsidentschafts-Anwärtern".

Irak hätte die mutigen Visionen Bushs unterstreichen sollen, so der BUND. Jetzt sei es zur "Büchse der Pandora geworden, die nächstes Jahr zu seinem politischen Untergang führen kann".

Verhaltener Wirbel an Schweizer Plakatwänden

"Woher haben Kosovo-Albaner ihre Autoradios?" Diese Frage prangt in grossen Lettern auf Plakaten, welche die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus in der Schweiz anschlagen lässt. Quasi als Kleingedrucktes folgt die Antwort: "Aus dem Fachgeschäft, wie die meisten Schweizer auch."

"Bitte genau hinschauen", fordert die NEUE LUZERNER ZEITUNG, die feststellt, dass es der Stiftung "nicht an Mumm" fehle, auch nicht an guter Absicht. Denn: "Die latente Fremdenfeindlichkeit ist in unserem Land präsent. Oft wird sie unverhohlen geäussert, ohne Konsequenzen."

Mit der Machart der Kampagne bewegten sich die Initianten auf einem "schmalen Grat". Es bestehe das Risiko, dass die Plakate nicht provozierten, sondern Klischees zementierten. "Gut möglich, dass das Kleingedruckte überlesen oder die Ironie gar nicht verstanden wird. Falls das passiert, wird die Kampagne zum Eigengoal", so die NLZ.

Vermutlich hätten die Macher aber genau darauf spekuliert. "Weil sie nicht nur Klischees aufbrechen, sondern auch Rassismus zum Thema machen wollten. Dies zumindest hätten die Initianten bereits erreicht."

swissinfo, Renat Künzi

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