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Presseschau vom 14.01.2003

Aussenministerin Micheline Calmy-Rey will nur ans WEF, wenn sie dort ihrem US-Amtskollegen Colin Powell die schweizerische Haltung zum Irak erklären kann. Das kommt in der Presse unterschiedlich an.

Dieser Inhalt wurde am 14. Januar 2003 - 10:05 publiziert

Auch die Entmachtung von AOL Time Warner-Boss Steve Case ist ein Thema.

"Calmy-Rey sticht in ein Wespennest", titelt die NEUE LUZERNER ZEITUNG. Dass sie nur ans Davoser Weltwirtschaftsforum gehen wolle, wenn sie den USA die Haltung der Schweiz zum drohenden Irak-Krieg klarmachen kann, trage ihr Applaus von links und Schelte von rechts ein.

Dafür, dass Calmy-Rey "Klartext reden will", wie es das ST. GALLER TAGBLATT ausdrückt, muss sie - so der BLICK - "erste Prügel einstecken". Die BERNER ZEITUNG spricht von Calmy-Reys "Anfängerfehler".

Ein Anfängerfehler, der die bürgerlichen Parteien bereits irritiere, schreibt die Westschweizer Zeitung LE TEMPS in ihrer Schlagzeile: "Micheline Calmy-Rey irrite déjà les partis bourgeois."

Viel Kritik, wenig Lob

"Calmy-Rey steht im Regen", titelt die AARGAUER ZEITUNG und meint, die Aussenministerin habe "sich selber eine Chance verbaut". Auch die AZ spricht von einem "klassischen Anfängerfehler". Dass Calmy-Rey das Bedürfnis zu einer Aussprache mit Colin Powell habe, sei zwar verständlich. Nur sollte man dies nicht "auf dem Markt der Öffentlichkeit tun".

"Die erste Dosis Calmy-Rey" ist die WEF-Sache für den Berner BUND. "Politik ist das schon. Aber Innenpolitik: Die bürgerlichen Parteien jucken auf, die Linke feiert einen ersten Triumph, und später im Jahr sind Wahlen."

Hart ins Gericht mit der Aussenministerin geht die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. Zu Recht hätten die bürgerlichen Parteien die Haltung Calmy-Reys "als nicht im Sinne einer aktiven schweizerischen Aussenpolitik liegend" kritisiert.

Die Aussage sei, was die USA betreffe, auch völlig unnötig gewesen. Denn wenn Powell tatsächlich nach Davos komme, werde er sicher der Aussenministerin des Gastlandes "die gewünschte Viertelstunde" gewähren. "Das Gegenteil wäre ein Affront."

Aber gerade diesen Affront begehe Calmy-Rey den nichtamerikanischen Politikern gegenüber, wenn sie öffentlich verkünde, dass diese ihr nicht wichtig genug seien, um den Weg nach Davos unter die Mercedes-Räder zu nehmen. "Das WEF ist nicht die Finanzdirektorenkonferenz, welche die Finanzdirektorin in Genf brüskieren konnte, weil sie andere Termine vorzog."

Und ganz abgesehen vom "diplomatischen Anstand": Die in Davos frei ins Haus gelieferten Politiker könne selbst eine Powerfrau kaum am nächsten Tag auch irgendwo anders treffen, schreibt die NZZ.

Einzig die BASLER ZEITUNG zollt der Aussenministerin Lob. "Bundesräte mit Mut, Profil und klaren Prioritäten" brauche die Schweiz, und nicht "Leisetreter, die auf internationalen Konferenzen vor den Mächtigen den Bückling machen".

Da habe eine Bundesrätin endlich einmal unverblümt gesagt, was wache Leute längst gemerkt hätten. "Dass Calmy-Rey es den für die Kriegstreiberei mitverantwortlichen Machthabern bei günstiger Gelegenheit am WEF auch noch direkt sagen will, ist nur konsequent", meint die BAZ.

Vom Wunderkind zum Buhmann

"Er wollte ein globales Medium schaffen, das für die Menschen so wichtig sein würde wie das Telefon oder der Fernseher." Damit meint die BASLER ZEITUNG Steve Case, der dies mit America Online (AOL) zwar geschafft habe. Doch die Fusion mit Time Warner sei für ihn der Anfang vom Ende. "Und jetzt ist er als Vorsitzender von AOL Time Warner zurückgetreten."

Für die NZZ ist klar, dass Case "dem Aktionärsdruck weicht". Konfrontiert mit steigendem Unmut in Aktionärskreisen, habe sich der Gründer von America Online entschlossen, als Chairman des weltgrössten Medienkonzerns zurückzutreten.

"AOL Time Warner kehrt zurück zu den Wurzeln", schreibt der Zürcher TAGES-ANZEIGER, und zwar "zurück auf Feld eins". Im Rückblick erscheine die Megafusion von Time Warner und AOL "als einer der grossen Fehlentscheide der Wirtschaftsgeschichte". Das Fazit für den TAGI: "Das Scheitern von AOL Time Warner ist ein Lehrstück für viele Unternehmen, nicht nur im Mediengeschäft."

swissinfo, Jean-Michel Berthoud

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