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Presseschau vom 15. September 2003

Schweden behält die Krone. Die Stimmbürger des skandinavischen Landes erteilten am Sonntag dem Euro mit 56 Prozent Nein-Stimmen eine Abfuhr.

Dieser Inhalt wurde am 15. September 2003 - 09:59 publiziert

Das trotz des Sympathie-Effekts, den die Ermordung der Euro-Promoterin Anna Lindh wenige Tage zuvor in den Urnengang gebracht hatte.

"Das zeugt von der politischen Reife der Schwedinnen und Schweden, die sich von ihrer emotionalen Betroffenheit über den Tod der populären Politikerin nicht von ihren politischen Überzeugungen abbringen liessen", schreibt der BUND.

"Malgré sa peine, la Suede a dit 'non' à l'euro - trotz seines Schmerzes hat Schweden Nein zum Euro gesagt", so die Genfer Zeitung LE TEMPS. "Getroffen, aber weitsichtig, haben die Schweden Anna Lindh keine Hommage erweisen wollen. Das Misstrauen gegenüber Europa hat über das Mitgefühl für die im Stockholmer Stadtzentrum ermordete europhile Ministerin gesiegt", so LE TEMPS.

"Mitleideffekt half nur wenig", stellt auch die NEUE LUZERNER ZEITUNG fest. Nach der Ermordung der schwedischen Aussenministerin sei es bei der Frage über die Einführung des Euros nicht allein nur um einen ökonomischen Entscheid gegangen, sondern auch um eine politische Demonstration. Doch nur wenige seien aus innerem Mitgefühl auf die Lindh-Linie umgeschwenkt.

Ohrfeige an Brüssel

"Für Brüssel bedeutet das deutliche Nein aus Stockholm eine schmerzliche Ohrfeige", so die NLZ. "Der Streit um die Einhaltung der Stabilitätskriterien hat dem 'Image' der gemeinsamen europäischen Währung geschadet." Das Euroland erscheine vielen Bürgern nach wie vor nicht als das heiss begehrte Paradies.

"Warnschuss nach Brüssel", findet ebenfalls der TAGES-ANZEIGER. Die Mehrheit der Schweden habe die Geldpolitik nicht aus den Händen der Reichsbank geben wollen. Dies angesichts der hitzigen Debatte um die Schuldenwirtschaft in Frankreich und Deutschland.

"Die grosse Begeisterung in den Kandidatenländern kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den Stammlanden offenbar eine Mehrheit den Akteuren in der fernen Europazentrale nicht traut", so der TAGI.

Der Berner BUND stösst ins gleiche Horn: "Denkzettel für Budgetsünder." In der Euro-Zone gäben Deutschland und Frankreich mit ihren riesigen Schuldenbergen "ein jämmerliches Bild ab." Wichtiger aber sei noch der "diffuse Wunsch nach dem Erhalt eines Rests von Selbstbestimmung in einer zunehmend globalisierten Welt" gewesen.

Parallelen zur Schweiz

Der BUND zieht eine Parallele zwischen der EU-Haltung Schwedens und der Schweiz: "Wie in der Schweiz standen sich in der Europa-Frage auch in Schweden die politische und wirtschaftliche Elite in den Städten als Befürworter und die ländliche Bevölkerung und die Grünen als Gegner gegenüber." Hier wie dort habe nur der kleine David dem mit Millionenaufwand werbenden Goliath einen Denkzettel verpasst, so der BUND.

Neue Schweizer Königin

Nur knapp tippt der BLICK die Euro-Abstimmung in Schweden an. Sorgen macht der Boulevardzeitung vielmehr das Schweizer Formel-1-Team: "Sauber ging es dreckig", lautet das Resumée über die verpassten WM-Punkte am Grand Prix von Italien in Monza.

Doch der BLICK ist auf der Suche nach einem neuen Botschafter oder neuen Botschafterin für das kleine Land fündig geworden - in der 24-jährigen Schweiz-Kanadierin Bianca Sissing:

"Ich will die Schweiz mit Kopf und Herz vertreten", verspricht die frischgekürte Miss Schweiz in ihrer Antrittsrede im Schweizer Boulevard-Königreich.

swissinfo, Renat Künzi

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