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Presseschau vom 16.09.2003

Das Scheitern der WTO-Ministerkonferenz in Cancún wird in den Zeitungen vom Dienstag generell als Rückschlag gewertet.

Dieser Inhalt wurde am 16. September 2003 - 09:31 publiziert

Ein weiteres Thema ist die Drohung Israels, Palästinenserpräsident Arafat auszuweisen oder gar umzubringen.

"Ende des WTO-Gipfels im Hader – Herber Rückschlag für die laufende Freihandelsrunde". So titelt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, für die der Abbruch der Konferenz "kein Grund zum Jubeln" ist.

Nach Ansicht der NZZ gibt es vorerst nur Verlierer. Die grössten Verlierer seien die Entwicklungsländer, "und hier besonders die ärmsten unter ihnen". Verlierer seien aber auf verschiedenste Weise auch die Industrieländer. Fazit der NZZ: "Verlierer dürfte schliesslich die Weltwirtschaft als Ganzes sein."

Aufstand der Armen

Der Zürcher TAGES ANZEIGER spricht von einem "Aufstand gegen die Mächtigen". Jetzt hätten die Länder des Südens aus den bitteren Erfahrungen der Vergangenheit gelernt – und die Konferenz platzen lassen.

"Afrikaner, Asiaten und Entwicklungshelfer sollten sich indes nicht zu lange in den Armen liegen und überschwänglich einen Sieg gegen die Mächtigen des Nordens feiern", schreibt der TAGI. Gewonnen habe nämlich niemand. Die Zeit dränge, den Welthandel fairer zu gestalten. Mit der neu gewonnenen Macht habe der Süden dafür auch Mitverantwortung zu tragen.

Von einem "Warnschuss des Südens" spricht der Berner BUND. Spätestens seit Seattle sei klar, dass der Freihandel in seiner derzeitigen, asymmetrischen Konzeption Gewinner und Verlierer hervorbringe und dass die Verlierer nicht mehr gewillt seien, dies länger hinzunehmen. DER BUND: "In Cancún knallten die Entwicklungsländer den Grossen aus dem Norden einen Warnschuss vor den Bug."

Psychologische Fehler

Die Supermächte des Welthandels – und in ihrem Schatten auch die Schweiz – hätten einen psychologischen Fehler gemacht, schreibt die AARGAUER ZEITUNG. "Aus der Sicht der Entwicklungsländer konnte dieses Insistieren auf dem Investitionsabkommen nur als Provokation wahrgenommen werden."

Die WTO-Runde müsse eine Entwicklungsrunde werden. Und an die Adresse Berns gerichtet schliesst die AZ: "Besonders die Schweiz muss daran interessiert sein, dass die WTO den Test von Cancún besteht."

Die BERNER ZEITUNG spricht von Schadensbegrenzung, aber auch Jubel, von dem der Tag nach dem WTO-Scherbenhaufen von Cancún kennzeichnet gewesen sei.

Von einem Sieg der Kleinen kann für die Westschweizer Zeitung LE TEMPS nicht die Rede sein, im Gegenteil, sie sind die Verlierer: "Les perdants sont les petits."

Und für den CORRIERE DEL TICINO ist klar: "Cancún: in scacco la globalizzazione" – "Cancún: die Globalisierung in die Enge getrieben." Die WTO sei an allen Fronten gescheitert, schreibt das Blatt.

Was tun mit Arafat?

Diese Frage stellt sich die NZZ. Für sie ist allerdings klar, dass die Antwort nicht jene des israelischen Ministerpräsidenten Sharon sein kann, der Arafat ausweisen möchte. Für die NZZ ist eine solche Option, oder Arafat gar zu töten, eine "Absage an die Politik".

"Eine effizientere Methode, Arafat nicht nur in der arabischen Welt zum Märtyrerstatus zu verhelfen, kann man sich schwer vorstellen", schreibt die NZZ.

Was Sharon und die seinen konsequent verdrängten, sei die Tatsache, dass der gemässigte Palästinenserführer Abbas nicht nur an Arafat und an den Terroristen von Hamas und dem Islamischen Jihad gescheitert sei, sondern auch an der fehlenden Glaubwürdigkeit der gegenwärtigen israelischen Regierung in der Frage der besetzten Gebiete.

Die BERNER ZEITUNG weist auf den politischen Analysten der liberalen israelischen Tageszeitung "Ha'aretz" hin, der Zweifel an der Fähigkeit der Regierung Sharons hat, "die blutige Krise zu handhaben".

Für die BASLER ZEITUNG hat Israel mit seiner Drohung, Arafat auszuweisen, dem Palästinenserpräsidenten zu neuer Popularität verholfen. Umzingelt von der israelischen Armee lasse er sich in seinem Amtssitz in Ramallah täglich von unzähligen Anhängern feiern.

Die BAZ: "Arafat geniesst die Huldigungen, die er jahrelang hatte vermissen müssen."

swissinfo, Jean-Michel Berthoud

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