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Presseschau vom 24.01.2003

Sieht Europa wirklich "alt" aus? Hat Novartis zuviel Appetit auf ihre Konkurrentin Roche? Und: Verdient Novartis-Chef Vasella zuviel?

Dieser Inhalt wurde am 24. Januar 2003 - 09:58 publiziert

In der Schweizer Presse wird auch der Frage nachgegangen, ob die Tür zum ewigen Leben aufgestossen wurde.

Das Novartis-Spitzenergebnis, Millionensaläre und Übernahmegelüste lösen bei den Zeitungen gemischte Gefühle aus. Novartis strebt offen eine Fusion mit der attraktiven Konkurrentin Roche an.

Die BERNER ZEITUNG betont die beiden Seiten der Medaille: "Für Basel ist die Aussicht auf eine Novartis-Monokultur und einen massiven Stellenabbau beängstigend. Aus der Optik eines globalen Pharmaunternehmens sieht die Sache aber möglicherweise anders aus."

Skeptisch äussert sich der Berner BUND: "Das aktuelle Beispiel der zwei Grossbanken - die eine in der Krise - die andere relativ stabil - deutet an, dass für eine Volkswirtschaft das Gleiche gilt wie für einen Privatanleger: Diversifikation (sprich: Vielfalt) kann Schlimmeres verhüten."

Die BASLER ZEITUNG beschäftigt sich mit der Rechtfertigung des 20-Millionen-Salärs von Novartis-Chef Vasella: "Die Mitarbeitenden haben auch heuer wieder eine Lohnaufbesserung und einen Bonus erhalten. (...) Die Aktionäre erhalten eine höhere Dividende, und an Steuern wurden 1,5 Mrd. Franken bezahlt. Auch aus dieser Perspektive ist Vasellas Gehalt zu würdigen: Seine 20 Millionen können zu viel und zu wenig sein."

Weise Politik?

Die Worte von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, Deutschland und Frankreich gehörten eben zum "alten" Europa, weil sie die amerikanische Irak-Politik nicht vorbehaltlos unterstützen, werden in der "Alten Welt" nicht unbedingt geschätzt.

Der TAGES ANZEIGER stellt fest: "So ist das also: Wer, weiser geworden durch das Trauma entsetzlicher Kriege, dieser Form der 'Konfliktlösung' eine Absage erteilt, ist 'alt'."

Der TAGI scheint ganz froh über die "konservative" deutsch-französische Haltung zu sein: "Mit Deutschland und Frankreich, die den Tanz nach der US-Geige verweigern, sieht Europa nicht alt aus."

Die NEUE LUZERNER ZEITUNG vertritt dieselbe Ansicht: "Heute hätte die EU die Gelegenheit, den USA zu zeigen, dass die Stimme des 'alten Europa' durchaus Gewicht hat."

Vertrauen als rares Gut

Die NLZ wünscht sich zunehmenden öffentlichen Druck, damit Kriegs-Mitläufer wie Tony Blair gebremst werden. Sie hofft:

"Die Arroganz Rumsfelds und Co. Europa gegenüber könnte sich letztlich als Bumerang erweisen."

Die AARGAUER ZEITUNG verbindet das WEF-Thema "Vertrauen schaffen" mit der internationalen Lage:

"Merke: das Vertrauen in die Politik der Weltmacht USA ist verblichen, die Business-Leaders haben es ohnehin verspielt."

Das ist fatal, denn:

"Ohne Vertrauen keine funktionierende Wirtschaft, ohne Wirtschaft kein Wohlstand. Vertrauen ist derzeit ein rares Gut",

meint die AARGAUER ZEITUNG.

"Sensationelle Entdeckung!"

Der BLICK vertraut der Zukunft. In riesigen Lettern verkündet er: "Entdeckt! Der Schlüssel zum ewigen Leben"

Damit reitet das Boulevard-Blatt nicht auf einer neuen religiösen Welle. Gemeint sind US-Gentechniker, welche eine auf Menschenjahre umgerechnete 180-jährige Maus präsentieren: "Ihre 'Waffen' im Kampf für ein hohes Alter: Unsterblichkeits-Enzyme, Methusalem-Gene - und hungern oder schlank bleiben."

So ganz ausgereift scheint jedoch die Technik, Zellen unsterblich zu machen, noch nicht. Der BLICK zitiert einen US-Gen-Forscher: "Es ist aber heikel, einer Zelle künstlich zum ewigen Leben verhelfen zu wollen. Denn die bisher einzigen unsterblichen Zellen sind Krebszellen - und die führen paradoxerweise zum Tod eines Lebewesens."

swissinfo, Etienne Strebel

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