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Presseschau vom 24.11.2003

Georgien dominiert in den Montags-Zeitungen.

(swissinfo.ch)

Die Zeitungen begrüssen das unblutige Ende der Staatskrise in Georgien. Es sei zwar auch von der neuen Politik – so der Tenor – nicht viel zu erwarten.

Georgien bleibe ein Spielball der Macht zwischen Russland und dem Westen.

Mit seinem Rücktritt habe Eduard Schewardnadse seinem Land wohl einen blutigen Machtkampf erspart, schreibt der Berner BUND. Doch ob das vom Klima gesegnete Land aus Korruption und Chaos herausfinde sei auch dann nicht sicher, wenn die bevorstehenden Neuwahlen friedlich und ohne Betrug ablaufen würden:

"Selbst Russlands Vermittlung ist nicht unbedingt der uneigennützige Versuch, dem Nachbarn zu Wohlergehen zu verhelfen: Moskau hat bisher georgische Wirren immer dazu benutzt, seinen Einfluss zu stärken."

Zu sanft um wahr zu sein sei dieser unblutige Machtwechsel, findet die Genfer Zeitung LE TEMPS:

"Les apparences de la 'révolution' géorgienne sont trompeuses" – der Schein trüge – die Kapitulation des alternden Patriarchen sei offensichtlich zwischen Moskau und Washington vereinbart worden. Die russischen Militärbasen in Georgien und das kostbare Öl spielten schliesslich eine zu wichtige Rolle.

Drohenden Zerfall verhindern



Es sei zu lange falsch kalkuliert worden, kommentiert die BASLER ZEITUNG die überraschende Wende in Tiflis. Wie der politische Neuanfang nach der Ära Schewardnadse aussehen solle, sei reichlich ungewiss.

"Kaukasusfuchs Schewardnadse verlor Machtpoker",

titelt der BLICK und betont, dass die neuen starken Leute Georgiens westlich orientiert seien. Oppositionsführer Michail Saakaschwili wolle das Land für Nato-Truppen öffnen und die Kommunistische Partei verbieten.

Die Gefahr sei gross, dass Georgiens Bevölkerung erneut enttäuscht werde, prophezeit der Zürcher TAGES-ANZEIGER; denn an der grundlegenden strategischen Schwäche des Landes ändere der Machtwechsel nichts:

"Langfristig kann die Lage nur stabilisiert werden, wenn sich Russland und die USA, zusammen mit georgischen Parteien und unter UNO-Aufsicht, auf einen Ausgleich ihrer Interessen einigen."

Der drohende Zerfall Georgiens, so der TAGI, müsse unbedingt verhindert werden.

Belgrad lässt grüssen



Alles andere als klar seien die Aussichten für die tanzenden Triumphatoren von Tiflis, schreibt die BERNER ZEITUNG. Ihre Zweckallianz müsse sich nun auf gemeinsame Ziele einigen. Zudem drohe Georgien – nach Abchasien und Südossetien – eine weitere Sezession:

"Die Schwarzmeerprovinz stand auf Schewardnadses Seite. Auch im territorialen Zerfall erinnert Georgien an Jugoslawien."

Mit seinem vorzeitigen Rücktritt habe Präsident Schewardnadse immerhin ein Abgleiten des Konflikts in mögliche bürgerkriegsähnliche Konfrontationen verhindert, lobt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, aber:

"hätte der weltbekannte Georgier die demokratischen Spielregeln bei der Parlamentswahl vor drei Wochen besser respektiert, hätte er ein ehrenhafteres Ende seiner schillernden Karriere erleben können."

Georgien sei ein künftiger Transitstaat für die in den USA so dringend benötigte Energie, und darum brauche Amerika eine georgische Regierung, die fest im Sattel sitze, folgert nüchtern die NEUE LUZERNER ZEITUNG:

"Passenderweise hat der neue Mann nicht nur Charisma und populistische Parolen im Angebot. Nein, Saakaschwili spricht auch fliessend Englisch, hat in den USA Recht studiert und überdies einen hervorragenden Draht zu Washington."

swissinfo, Monika Lüthi

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