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Presseschau vom 25.03.2003

Der Irak-Krieg und die Haltung der offiziellen Schweiz ist wiederum ein Haupt-Thema in der Schweizer Presse. Bringen Sanktionen den erhofften Erfolg?

Dieser Inhalt wurde am 25. März 2003 - 09:21 publiziert

Einhellig begrüsst wird der Eclat, den Michael Moore mit seiner Rücktrittsforderung an US-Präsident George W. Bush anlässlich der Oscar-Verleihung verursacht hat.

Boykotte gegen die Kriegsparteien sind für die AARGAUER ZEITUNG ein zweischneidiges Schwert: "Unter den seit 1991 über den Irak verhängten Restriktionen haben nur die Iraker sehr gelitten, Gewaltherrscher Saddam überstand sie unbeschadet. Und was haben die USA mit dem Boykott gegen Kuba erreicht? Castro ist noch da und die Kubaner sind völlig verarmt."

Kann man dem Weltgeschehen denn einfach so zuschauen? Die AZ ist nicht dieser Ansicht: "Es bleibt, mit Demonstrationen, mit der starken Macht der Worte und der Bilder, unermüdlich Überzeugungsarbeit gegen diesen Krieg zu leisten."

Der BUND fragt sich, warum es für die Schweiz so hart sei, pro-amerikanisch zu bleiben und die Völkerrechtsverletzung in diesem Krieg zu verurteilen. Seine Antwort: "In Riesenschritten kehren wir zurück in die Achtzigerjahre und davor. Zurück in jene Neutralität, die von der klaren Sprache und der konsequenten Tat entband."

Der BUND-Kommentator ist der Ansicht, dass niemand der Schweiz übel nehmen würde, wenn sie deutlich festhielte, wo Recht verletzt und wo es hochgehalten werde. Aber: "Sie tut es nicht und druckst herum. Allem Geschwätz über 'Image' und 'Logo' zum Trotz ist sie dabei, eine grosse aussenpolitische Chance zu verbaseln. (...) Es besteht kein Widerspruch zwischen der Kritik an der US-Kriegspolitik und den amerikanischen Werten. Sie und das Völkerrecht haben dieselben Wurzeln."

Mut zum Widerspruch

Sehr positiv hingegen wird von der Schweizer Presse das Engagement von US-Kulturschaffenden gegen den Irak-Feldzug aufgenommen.

"Ein absurder Abend in Hollywood", titelt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG die Oscar-Verleihung, die ganz im Zeichen des Irak-Krieges stand.

"Michael Moore, dessen gekonntes Anti-Schusswaffen-Pamphlet 'Bowling for Columbine' den Oskar für den besten Dokumentarfilm erhielt, nutzte seinen Bühnenauftritt für eine leidenschaftliche Rede gegen den Krieg und Präsident Bush."

Die BASLER ZEITUNG meint: "Michael Moore störte in Los Angeles die Feierstimmung." Diese Störung kam ihr aber recht gelegen, damit der Anlass keine beschwingte Jubiläumsfeier für Hollywoods selbstverliebte Filmszene wurde.

"Dass sich die Oscar-Akademie halbherzig zum Steigbügelhalter der pointierten politischen Stellungnahme machte, gereicht ihr wenigstens zur halben Ehre", findet die NEUE LUZERNER ZEITUNG.

Voll des Lobes für Michael Moore ist auch der TAGES ANZEIGER, weil "sein Protest in Los Angeles mutig und notwendig genannt werden darf."

Moores Filme seien eben nicht erst seit dem 11. September 2001 politisch, schreibt der TAGI weiter: "Das macht den populistischen Linken Moore zur glaubwürdigen Ausnahme."

Kultur stelle Fragen und verschärfe die Realität und mache sie dadurch verständlich. Das sei das Politische an der Kultur - vor jeder konkret politischen Aussage. Der TAGI zieht folgendes Fazit: "Während Politiker scheinbar kulturell argumentieren, versuchen sich Künstler in Realpolitik. Und merken dabei nicht, dass sie den politischen Kulturbegriff den Schlächtern auf beiden Seiten überlassen."

swissinfo, Etienne Strebel

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