Presseschau vom 26.08.2003

Hats genügend Lehrstellen, und behandelt Bundesbern das Tessin im Streit um den Flughafen Lugano-Agno korrekt? – Bei beiden Fragen sind die Schweizer Zeitungen uneins.

Dieser Inhalt wurde am 26. August 2003 - 08:50 publiziert

Mit dem Wirtschaftsminister gehen die Kommentatoren hart ins Gericht.

Der Schweizer Wirtschaftsminister hatte am Montag vor den Medien verkündet, das Lehrstellen-Angebot sei stabil. Es gebe auch jetzt noch für dieses Jahr 5000 offene Lehrstellen.

Nüchtern konstatiert die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG: "Angebot und Nachfrage decken sich qualitativ schlecht."

Der Berner BUND kritisiert: "Wirtschaftsminister Joseph Deiss spricht über die Lehrstellensituation, als liesse sich eine Lehrstelle wie eine Karte für ein Fussballspiel ergattern. Solange noch Plätze frei sind, können noch Karten gekauft werden."

Die Massnahmen, die Deiss getroffen habe, seien zwar gut, aber sie reichten nicht aus, so das Blatt weiter:

"Der Bund kann zwar die Betriebe nicht zwingen, Lehrlinge auszubilden, doch er kann jene belohnen, die Lehrstellen anbieten. Dazu müssen neue Anreize geschaffen werden, vor allem in jungen, innovativen Branchen."

Die NEUE LUZERNER ZEITUNG titelt: "Joseph Deiss steht wieder im Ruf, die Lage schönzureden." In ihrem Kommentar fragt die Zeitung rhetorisch:

"Weshalb nur (...) hat Bundesrat Deiss bis zum heutigen Tag darauf verzichtet, zum Beispiel ein Programm mit steuerlichen Anreizen für Firmen zu skizzieren, welche verstärkt Lehrlings- und Nachwuchspflege betreiben? Auch das wäre im Übrigen – konkrete – Familienpolitik, wie sie der zuständige CVP-Bundesrat für sich in Anspruch nimmt."

Auch für den TAGES-ANZEIGER ist klar, dass die bisherigen Appelle der Regierung wenig gebracht haben, die Einsicht der Arbeitgeber fehle offensichtlich:

"Sie werden dann wieder Forderungen an den Staat richten, wenn sich die Konjunktur erholt hat, wenn die Wirtschaft dereinst zu wenig Fachkräfte hat – wenn also genau jene fehlen, die sie heute nicht ausbilden will."

Das Boulevardblatt BLICK ist seit Tagen am Thema dran. Am Samstag hatte der Direktor des Arbeitgeberverbandes, Peter Hasler, gepoltert:

"Unsere Jungen: Kein Anstand. Kein Ehrgeiz. Keine Disziplin."

Nun lässt das Blatt junge Lehrstellensuchende zu Wort kommen. Und stellt beinahe überrascht fest: "Die Mädchen und Buben wirken überhaupt nicht faul, frech oder unanständig."

Offene Kritik am Chef des "Luftamts"

Der Chef des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl) hatte am Montag das neue Landeregime für den Flughafen Lugano-Agno verteidigt. Für den BUND ist klar: "Bazl-Chef André Auer steht unter Druck."

Auch die AARGAUER ZEITUNG sieht den "Bazl-Chef in der Defensive". Das Amt habe nach jahrelangem Schlendrian "eine geradezu groteske Dynamik entwickelt".

Der Elan zeige aber bloss, dass der Mann unter Druck sei: "Man möchte ihm in dieser Situation raten, die Öffentlichkeit und seinen Chef Moritz Leuenberger nicht für dumm zu verkaufen. Der Aktivismus täuscht nicht über Missstände hinweg – er macht sie höchstens deutlich."

Die BERNER ZEITUNG lässt im Titel Auer selber zu Wort kommen: "Ich will Lugano nicht killen." Auf der Frontseite bereits aber die Bewertung: "André Auers Erklärung genügt noch nicht."

Auch für die BASLER ZEITUNG steht das "Bundesamt für Zivilluftfahrt erneut im Zwielicht".

Dass man im Tessin wenig von den einschneidenden Massnahmen hält, erstaunt nicht. Doch der CORRIERE DEL TICINO zieht das Hickhack nicht weiter, sondern verweist knapp und klar auf ein anstehendes Treffen auf oberster Ebene: Der Tessiner Staatsrat Borradori beim zuständigen Bundesrat Moritz Leuenberger.

swissinfo, Eva Herrmann

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