Presseschau vom 29.09.2003

Blackout: Der totale Stromausfall in Italien – und die Frage nach der Verantwortung für das Debakel prägen die Schweizer Presse vom Montag.

Dieser Inhalt wurde am 29. September 2003 - 09:31 publiziert

Am Ursprung des Blackouts, den am Sonntag ganz Italien spürte, scheint eine Panne in der Schweiz zu liegen, die als Drehscheibe im europäischen Stromhandel gilt.

"Strom-Blackout: Schweizer Baum knipste Italiens Lichter aus", titelt das Boulevard-Blatt BLICK, "Schweiz löscht Roms Lichter" heisst es in der BERNER ZEITUNG, während der Zürcher TAGES-ANZEIGER mit etwas mehr Zurückhaltung fragt: "Atel mitschuldig an Italiens Blackout?"

Eines scheint klar: Eine Kettenreaktion von Störfällen legte die Stromversorgung in ganz Italien lahm. Und am Anfang stand eine Panne in der Schweiz. Warum der Blackout ganz Italien erfasste, steht noch nicht fest, doch zeigte die Panne die Verletzlichkeit der italienischen Stromversorgung, die in weiten Teilen von Importen abhängt.

Italien hängt von Importen ab



"Ein Land im Dauer-Notzustand", schreibt die NEU LUZERNER ZEITUNG.

Und weiter: "Eines war für die italienischen Behörden gestern schon wenige Stunden nach dem spektakulären Stromausfall klar: 'Der Fehler liegt nicht in Italien.' Die Schuld sollen Frankreich oder die Schweiz oder beide zusammen tragen."

Mit solchen Erklärungen mache es sich Rom zu leicht, schreibt der Kommentator. Denn selbst wenn das Problem teilweise im Ausland zu orten wäre, "änderte dies nichts an der Tatsache, dass in Italiens Stromversorgung der permanente Notzustand herrscht".

Seit Italien nach der Katastrophe von Tschernobyl aus der Atomenergie ausstieg, habe es eine Regierung nach der andern versäumt, eine neue Energiepolitik zu verfolgen und habe stattdessen einfach auf Strom-Importe gesetzt. Heute zahlten die Italiener die höchsten Strompreise Europas.

Schwachstellen im Markt

Für die Westschweizer Zeitung LE TEMPS zeigt die Strompanne die Schwachstellen des europäischen Elektrizitäts-Marktes auf: "La nuit noire italienne met en lumière les failles du marché de l'electricité."

Der Vorfall werfe zahlreiche Fragen zum Funktionieren des europäischen Strommarktes auf, schreibt das Blatt. Und skizziert die wichtige Rolle der Schweiz als Drehscheibe im europäischen Strommarkt.

Auch der TAGES-ANZEIGER befasst sich mit der Strompanne und der möglichen Mitverantwortung der Schweiz und Frankreichs, die beide Strom an Italien liefern, und setzt über den Artikel den Titel: "Ein Baum, ein Blitz – und schliesslich ein Blackout"

Einer der Strom-Operateure ist die Atel mit Sitz in Olten. Es war eine Leitung der Atel am Lukmanier, die am Sonntagmorgen um drei Uhr ausgestiegen war – was die totale Panne in Italien mitverursacht haben soll. Bis am Montag blieb unklar, ob die Netzbetreiber in Italien das totale Chaos hätten verhindern können, wie von Schweizer Seite stipuliert wird.

Schwarz-Peter-Spiele

Beim Tessiner "Corriere del Ticino" ist man mit Schuldzuweisungen noch vorsichtig und schreibt:

"Incerte le cause del blackout che ha colpito tutto il Paese – Die Gründe des Blackouts, die das ganze Land betrafen, sind noch offen."

Die AARGAUER ZEITUNG sieht nach dem Vorfall vom Sonntag und den Schuldzuweisungen ein Schwarz-Peter-Spiel der Stromer.

"Trifft die Schweizer Stromlieferanten eine Schuld am Blackout in Italien? Die Frage interessiert umso mehr, als nach dem Debakel an der US-Ostküste und in Kanada just diese Stromlieferanten betont hatten, wie anfällig das US-System sei und dass so etwas in der Schweiz nicht denkbar wäre."

Nach den ersten Stunden sei eines klar: "Wie in den USA schieben alle die Verantwortung ab."

Besonders aufgefallen sei am Sonntag eine wenig kongruente Kommunikation, schreibt die AARGAUER ZEITUNG weiter:

"Die Energielieferanten, die immer wieder betonen, wie gut sie vernetzt seien, lassen derlei vermissen, wenn es um eine Erklärung von solchen Pannen geht."

swissinfo, Rita Emch

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