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Pro Libertate, ein Kind des Kalten Krieges, wird 50

Protest-Demo vor der russischen Botschaft in Bern. Der Volksaufstand in Ungarn führte zur Gründung von Pro Libertate.(Bild: RDB)

Die Vereinigung Pro Libertate zählte einst den Kampf gegen den Kommunismus zu ihrem Hauptanliegen. Heute setzt sie sich für die "bewährten Werte der Schweiz" und eine starke Armee ein.

Dass die Organisation 50 Jahre lang überlebte, findet ein Experte erstaunlich.

Die Vereinigung wurde 1956 unter dem Eindruck des Ungarn-Aufstandes gegen die sowjetische Vorherrschaft gegründet. Als parteipolitisch und konfessionell neutrale Organisation wollte Pro Libertate für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte eintreten und jede Form des Totalitarismus bekämpfen.

Während des Kalten Krieges sah die Vereinigung die grosse Gefahr im Weltkommunismus, den sie mit Publikationen und Aktionen bekämpfte. Innenpolitisch waren ihre Hauptgegner Kommunisten, 68er-Linke, linke Medien und Armeegegner.

Aber auch "Links-Abweichlern" im eigenen bürgerlichen Lager sagte sie den Kampf an, wie der Publizist Jürg Frischknecht, Mitverfasser von "Die unheimlichen Patrioten" und "Rechte Seilschaften", darlegt.

Gegen UNO- und Schengen-Beitritt

Nach dem Ende des kommunistischen Ostblocks 1998/90 wandte sich Pro Libertate der Neutralitäts-, Asyl- und Drogenpolitik zu. Den Beitritt zur UNO sowie zu den Schengen/Dublin-Vereinbarungen lehnte sie ab, denn sie befürchtete einen Verlust an Souveränität und Unabhängigkeit.

Nein sagte sie auch zur Fristenlösung bei Abtreibungen; weil diese gegen die Menschenwürde verstosse. Sie unterstützte dagegen 1997 die Initiative Jugend ohne Drogen und 2002 die Initiative der Schweizerischen Volkspartei gegen Asylmissbrauch.

Ein Hauptanliegen der Organisation ist nach den Worten von Präsidentin Annemarie Bossard der Erhalt einer starken Armee. Pro Libertate bekämpfte die Armeeabschaffungs-Initiativen 1989 und 2001. Zur Armee XXI sagte sie Ja.

Pro Libertate ist nicht allein

Bei der Diskussion um die Schweiz im Zweiten Weltkrieg Ende der 90er-Jahre verteidigte Pro Libertate die damalige Aktivdienst-Generation gegen ihre Kritiker.

Sie kritisierte ihrerseits die Bergier-Kommission (Untersuchung zur Schweizer Haltung im Zweiten Weltkrieg) und bekämpfte die Solidaritätsstiftung als "Symbol einer Kapitulationspolitik". Die Idee einer solchen Stiftung war 2002 vom Volk verworfen worden.

Ihren Zorn erregte das 1. August-Spektakel an der Expo 2002. Sie startete eine schwarze Liste mit "Schweiz-Gegnern", auf der zuoberst der Schriftsteller Lukas Bärfuss und der Regisseur Samuel Schwarz rangierten.

Pro Libertate arbeitete eng mit Organisationen ähnlicher Weltanschauung zusammen - wie etwa dem SRG-kritischen Hofer-Club oder der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns), die heuer ihr 20-jähriges Bestehen begeht.

Den Gründer überlebt

Für den Publizisten Jürg Frischknecht ist es erstaunlich, dass die Organisation sowohl ihren Gründer Max Mössinger (der die Organisation 30 Jahre lang präsidierte) wie auch den Kalten Krieg überlebte.

Ihr sei es gelungen, Abgänge durch Zulauf von jüngeren Leuten insbesondere vom rechten Rand der Berner SVP auszugleichen. Aktivisten wie der bernische Grossrat Thomas Fuchs verhalfen ihr zu neuem Leben. Seit Jahren hat sie rund 2000 Mitglieder und Sympathisanten.

Pro Libertate versuche auch, durch Einladung von Referenten ausserhalb des rechten Spektrums das Image einer Gruppe "aus der rechten Ecke" zu überwinden. Eine Wirkung ihrer politischen und publizistischen Aktivitäten kann Frischknecht aber nicht erkennen.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Pro Libertate (Für die Freiheit) wurde 1956 gegründet.
Pro Libertate ist keine Partei, sondern eine Vereinigung mit rund 2000 Mitgliedern.
Der Vorstand der Pro Libertate wird alle drei Jahre von der Generalversammlung gewählt.

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In Kürze

Pro Libertate plant 2006 eine Jubiläumsfeier in Bern, eine Jubiläumsschrift sowie Veranstaltungen im Sommer und Herbst.

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