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Pro Patria: "Erhaltung von Kulturgütern nicht Priorität"

Ein Geschenk vom Bund: Die vom 100-jährigen Künstler Hans Erni gestaltete Sondermünze.

Die Schweizer Stiftung Pro Patria feiert ihren 100. Geburtstag. Doch die Erhaltung von Kulturgütern hat heute einen schweren Stand. In Krisen könne der kulturelle Aspekt in den Hintergrund geraten, sagt der Pro-Patria-Generalsekretär Roman G. Schönauer.

Dieser Inhalt wurde am 07. April 2009 - 12:04 publiziert

Die Schweizerische Stiftung Pro Patria geht auf ein patriotisches Ereignis zurück: 1891 wurde der Schweizer Bundesfeiertag eingeführt. Pro Patria ging aus dem 1909 gegründeten Schweizerischen Bundesfeierkomitee hervor.

Mit einer alljährlichen Sammlung sollte die Solidarität im Lande gefördert werden. Die Idee wurde von Bundesrat und Post unterstützt.

Bei den Sammelaktionen wurden anfänglich Bundesfeierkarten verkauft, 1923 wurde der Verkauf von 1.-August-Abzeichen und 1938 der Verkauf von Briefmarken eingeführt.

"Die Wurzeln von Pro Patria gründen namentlich auf einer Idee Schweiz, einer Identifikation mit diesem Land", sagt Roman G. Schönauer, Generalsekretär von Pro Patria, gegenüber swissinfo.

"Natürlich muss der Mensch im Vordergrund stehen, aber für die Identifikation einer Bevölkerung sind die Landschaft und Bauten wichtig, die in die Vergangenheit zurückführen und die damit Halt geben."

Verlagerung auf kulturelles Erbe

Während bei Pro Patria bis weit in die Nachkriegszeit Sammlungen zugunsten bedürftiger Bevölkerungsgruppen im Vordergrund standen, verlagerte sich das Schwergewicht mit dem Ausbau der sozialen Einrichtungen auf das kulturelle Erbe der Schweiz.

Seit mehreren Jahrzehnten setzt sich Pro Patria als gemeinnützige Organisation vor allem für die Erhaltung und Pflege von Baudenkmälern und Kulturlandschaften ein. Beispiele für das Engagement von Pro Patria sind etwa das Bischofsschloss Leuk, das Schloss Oberhofen oder das Dampfschiff "Montreux".

"Weniger Zeit"

Die Investition in kulturelles Kulturgut, das zwar von unbezahlbarem Wert ist, aber keine Rendite bringt, steht im Kontrast zum heutigen Profitstreben. Die Erhaltung von Baudenkmälern und Kulturgütern scheint in der heutigen Zeit nicht gerade populär zu sein. Sie habe im Moment weniger Priorität, sagt Schönauer.

Gemäss Schönauer sind bei Pro Patria in den letzten zwei Jahren 10 bis 15 Prozent weniger Gesuche zur Erhaltung von Baudenkmälern und Kulturgütern eingegangen. Er sieht den Grund für diese Entwicklung auch darin, "dass sich heute weniger Leute die Zeit und die Freiheit nehmen können, sich idealistisch zu engagieren".

Kultur als Luxus?

Während bis Anfang der 1990er-Jahre eine strenge Denkmalpflege herrschte, gab es danach einen Wechsel zu einer liberaleren Haltung. Dieser Paradigmenwechsel fällt ungefähr mit der Immobilienkrise in den 1990er-Jahren zusammen.

"Wenn existenzielle Fragen in den Vordergrund treten, kann der kulturelle Aspekt etwas in den Hintergrund geraten", sagt der Pro-Patria-Generalsekretär und verweist damit auch auf die aktuelle Finanzkrise.

Doch deshalb das kulturelle Engagement einfach aufzugeben, wäre gemäss Schönauer gefährlich.

Abnehmende Bereitschaft

Der jährliche Erlös der gemeinnützigen Stiftung beläuft sich auf rund 3 Mio. Franken. Er geht hauptsächlich auf den Verkauf von 1.-August-Abzeichen und Pro-Patria-Marken zurück. Spenden machten nur rund 100'000 Franken pro Jahr aus.

An vielen Orten sind die Hausbesuche von Schülerinnen und Schülern, die Briefmarken verkaufen, zwar noch Tradition, doch sie haben in den letzten Jahren stark abgenommen. Wurden Ende der 1960er-Jahre noch jährlich 37 Mio. Marken verkauft, waren es 1987 noch 15,2 Mio. und im Jahr 2007 noch lediglich 3,3 Mio. Stück.

Dies sei namentlich auf die starken Veränderungen in der Kommunikationsgesellschaft, wie etwa die Verlagerung vom Briefverkehr auf E-Mail und SMS, zurückzuführen, so Schönauer.

Pro Patria lebt von der Freiwilligenarbeit. Beim Markenverkauf spielen die Schüler eine wichtige Rolle. Doch die Bereitschaft an den Schulen, sich für solche Verkaufsaktionen einspannen zu lassen, nahm in den letzten Jahren zunehmend ab.

Den Grund für diesen Wandel sieht Schönauer vor allem darin, dass sich heute zahlreiche gemeinnützige Institutionen und Hilfswerke um die Unterstützung der Kinder beim Spendensammeln bemühen.

Neue Sammel-Kanäle?

In Zukunft werde man schauen müssen, ob in Kantonen und Gemeinden, wo sich das Spendennetz verabschiedet habe, neue Kanäle wie etwa Mailings geprüft werden sollten. Sicher ist, dass Pro Patria künftig auch auf Legate setzen will.

Schönauer blickt zuversichtlich in die Zukunft. "Ich glaube, dass Pro Patria innerhalb der Denkmalpflege und Kulturerhaltung eine sehr wichtige Nische gefunden hat."

Pro Patria trage seit 100 Jahren sowohl im sozialen als auch im kulturellen Bereich Solidarität in die Bevölkerung hinein. Um dies wieder in Erinnerung zu rufen, hat Pro Patria im Jubiläumsjahr erstmals eine breit angelegte Image-Kampagne lanciert.

swissinfo, Corinne Buchser

Pro Patria

Die Schweizerische Stiftung Pro Patria ging aus dem 1909 gegründeten Schweizerischen Bundesfeierkomitee hervor.

1991 wurde der Verein in eine öffentliche Stiftung umgewandelt.

1992 liefen die Sammelaktionen erstmals unter dem Namen Pro Patria.

Pro Patria kann auf ein Netz von Tausenden ehrenamtlichen Mitarbeitern zurückgreifen.

Die gemeinnützige Stiftung unterstützt vor allem Projekte im Bereich der Kulturpflege, engagiert sich aber auch für soziale Zwecke.

Die 100-Jahre-Jubiläumsfeier von Pro Patria findet am 1. August 2009 statt.

Die Eidgenössische Münzstätte Swissmint widmet der Stiftung zum 100. Geburtstag eine Sondermünze. Gestaltet wurde sie vom 100-jährigen Schweizer Künstler Hans Erni.

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