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Provokative Forderung deckt Unbehagen auf

Soll der Kanton Wallis in zwei Halbkantone aufgeteilt werden? Zwei Unterwalliser Parlamentarier fordern mit einem provokativen Postulat, dass diese Frage zumindest geprüft wird.

Dieser Inhalt wurde am 13. Januar 2005 - 09:48 publiziert

Im Oberwallis freut man sich über den "Steilpass".

"In der Politik gibt es keine Tabus", sagt Gabriel Bender, Grossrat der Sozialdemokratischen Partei (SP) und Soziologe. Zusammen mit einem freisinnigen Ratskollegen aus dem Bezirk Martigny verlangt Bender, dass die Vor- und Nachteile einer Aufteilung des Wallis in zwei Halbkantone Ober- und Unterwallis analysiert werden.

Für Bender geht es darum, "die Verfassung den heutigen Realitäten anzupassen". Der Kanton Wallis sei nie wirklich geeint gewesen. In der Realität funktioniere bereits heute vieles doppelspurig, etwa in den politischen Institutionen. "Die Anpassung der Kantonsstruktur kann auch ein Trumpf sein."

Frust wegen Machtdemonstration

Die Diskussion rund um die Abspaltung des Oberwallis ist nicht neu. Erstmals bringen aber Unterwalliser Politiker die Frage aufs Tapet. Das nimmt man im Oberwallis erfreut zur Kenntnis. "Wir nehmen diesen Steilpass gerne auf", sagt Beat Abgottspon, Fraktionschef der Oberwalliser Christdemokraten (CVP).

Bislang seien entsprechende Vorschläge aus dem Oberwallis immer "unter den Tisch gewischt" worden. Eine "saubere Auslegeordnung" würde eine hilfreiche Diskussionsbasis schaffen, auch für den Umgang miteinander. "Zwei Kulturen sind bereichernd, aber sie müssen sich respektieren", sagt Abgottspon.

Zu Spannungen kam es jüngst, als die welsche Parlamentsmehrheit im Dezember die Finanzhilfe an sanierungsbedürftige Oberwalliser Gemeinden mit der Verpflichtung zu Fusionsverhandlungen derselben verknüpfte. Diese Machtdemonstration stiess vielen Oberwallisern sauer auf.

"Untrennbare Einheit"

Josef-Anton Kuonen, Sekretär der Wirtschaftsregion Brig/Aletsch, wäre "sofort bereit", zwei Halbkantone zu schaffen. "Wir haben ausser dem Bischof, der Rhone und der Geschichte nicht viel gemeinsam", sagt Kuonen, der sich von einer Teilung wirtschaftliche Impulse verspricht.

Dies sieht Grossratspräsident Patrice Clivaz (CVP) anders. Eine "folie" - eine Verrücktheit - sei das Postulat in einer Zeit, in der Europa näher zusammenrücke und Gemeinden fusioniert würden. "Der Kanton Wallis ist eine untrennbare Einheit", beschwört der oberste Walliser.

Clivaz räumt ein, dass es in letzter Zeit im Parlament ein paar "ethnische" Abstimmungen gegeben hat, als die Vertreter des Unterwallis geschlossen gegen das Oberwallis stimmten. Aber daraus dürfe man keine allgemeine Stimmung ableiten, sagt Clivaz, der davon ausgeht, dass der Vorstoss bachab geschickt werden wird.

Näher zusammenrücken

Als "überzeugter Verfechter der kantonalen Einheit" zeigte sich Staatsrat Wilhelm Schnyder gegenüber dem "Walliser Boten". Doch auch Schnyder nimmt "Trennungsfäden" wahr, die diesseits und jenseits der Raspille - dem Walliser "Röstigraben" - gesponnen würden.

Damit die Einheit nicht unterspült werde, "müssen wir in Kultur, Bildung und Wirtschaft ein engeres Netz bilden", fordert Schnyder. Der Kanton brauche beides: das Unterwallis mit seiner Wirtschaftskraft und das Oberwallis als "Scharnier zur deutschsprachigen Mehrheit in der Schweiz".

swissinfo und Theodora Peter (sda)

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