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Radikalkur bei Tornos

Arbeiter bei Tornos - sie stehen vor einer unsicheren Zukunft.

(Keystone Archive)

Entlassungen bei Tornos: Ein Drittel der Belegschaft wird abgebaut. Der Automaten-Hersteller will mit neuen Investoren wieder auf Kurs kommen.

Der Drehautomaten-Hersteller Tornos in Moutier (Berner Jura) versucht sich mit drastischen Massnahmen zu retten. Bereits am Donnerstag hatte die Firma die Entlassung von 367 Angestellten angekündigt.

Am Freitag machte Tornos weitere Einzelheiten ihres Sanierungsplanes publik. So sei kein Geld für einen Sozialplan vorhanden, hiess es. Der Umsatz von knapp 373 Mio. Franken soll im laufenden Jahr um mehr als die Hälfte auf 175 Mio. eingeschmolzen werden. Die erst vor kurzem gekaufte Maschinenfabrik Schaublin wird wieder abgestossen, die Produktionsanlagen werden teilweise gestoppt.

Der Generalversammlung vom 28. Juni beantragt der Verwaltungsrat einen Kapital-Schnitt um 90% auf 11,5 Mio. Franken, gefolgt von einer Kapitalerhöhung um nominal höchstens 73 Mio. Franken. Für die Rekapitalisierung lägen bereits Zusagen von Investoren vor, hiess es.

Im nächsten Jahr will Tornos wieder auf Wachstumskurs einschwenken. Der Handel mit der Tornos-Aktie war am Freitag ausgesetzt.

Nachfrageeinbruch und Überkapazitäten

Das Traditionsunternehmen leidet unter dem unerwartet starken Rückgang der Nachfrage in der Maschinenindustrie. Dies führte zu grossen Überkapazitäten in der Produktion von Tornos.

Die finanzielle Situation des Unternehmens verschlechterte sich in den ersten Monaten des laufenden Jahres drastisch. Bis Ende April resultierte ein Verlust von 28,4 Mio. Franken. Der Betriebsverlust betrug 18,7 Mio. Franken. Der konsolidierte Umsatz erreichte 54,8 Mio. Franken.

2001: Verlust von 30 Mio. Franken

Letztes Jahr fuhr die Tornos Gruppe einen konsolidierten Verlust von 29,9 Mio. Franken ein. Im Jahr 2000 war noch ein Reingewinn von 9,5 Mio. Franken erwirtschaftet worden.

Die Nettoverschuldung ging 2001 um 37,4% auf 113,7 Mio. Franken zurück. Die liquiden Mittel nahmen um 54,9% auf 6 Mio. Franken ab.

Bereits im letzten Herbst hatte der Tornos-Verwaltungsrat erste Sanierungsschritte eingeleitet. Dazu gehörten ein Personalabbau und die Einführung von Kurzarbeit für einen Teil der Belegschaft.

In Moutier im Berner Jura gibt es kaum eine Familie, die nicht irgendwie von der Firma Tornos abhängt.

Politiker sind schockiert

Der Stadtpräsident von Moutier, Maxime Zuber, zeigte sich schockiert. Er mache sich grosse Sorgen um die betroffenen Angestellten, sagte Zuber. Gleichzeitig äusserte er sich zuversichtlich, da das Schlimmste - der Konkurs - vermieden worden sei. Das Überleben der Gesellschaft in Moutier sei gesichert.

Der Regierungsrat des Kantons Bern nahm von den angekündigten Entlassungen bei der Tornos mit Sorge Kenntnis. In einer ersten Reaktion begrüsste er indes die neue Strategie zur Rettung des Unternehmens. Man werde für die Entlassenen eine Stellenbörse einrichten.

Gewerkschaft fordert Massnahmen

Die Gewerkschaft SMUV zeigte sich konsterniert: "Es handelt sich um die zweite Entlassungswelle, nachdem im letzten Oktober schon 180 Stellen gestrichen wurden", sagte Fabienne Blanc-Kühn, Geschäftsleitungs-Mitglied der SMUV. Auch wenn die Sparmassnahmen das Unternehmen retten würden, bleibe der vom Personal bezahlte Preis zu hoch.

Die Krise sei nicht hausgemacht und nicht allein dem Management anzulasten, sagte Blanc-Kühn. Die Krise betreffe die gesamte Schweizer Maschinenindustrie, welche seit Juni 2001 rund 4000 Stellen abgebaut habe.

swissinfo und Agenturen


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