Radon verursacht mehr Tote als AIDS

Karte der Radon-Risiken von Gebäuden, Stand Dezember 2004. Rot = hohes Radonrisiko. BAG / OFS

In der Schweiz sterben jährlich 200 bis 300 Personen an Lungenkrebs, der vom radioaktiven Erdgas Radon verursacht wird.

Dieser Inhalt wurde am 01. Juli 2005 - 21:19 publiziert

Die ersten Messungen, die die Konzentration von Radon in Gebäuden feststellen, gehen auf den Beginn der 80er-Jahre zurück.

Die Weltgesundheits-Organisation (WHO) hat kürzlich ein Projekt gegen die Risiken des Edelgases Radon lanciert. Auf drei Jahre angelegt, soll die Aktion die betroffenen Länder in ihren Bemühungen unterstützen, die Gefahren dieses Gases auf die Gesundheit zu verringern.

Dieses Erdgas kommt im Boden vor und ist radioaktiv. Es entsteht bei der Auflösung von Uranium. Es hat keinen Geruch, ist farblos und ohne Geschmack. Radon kommt auf der ganzen Welt vor, mehr oder weniger je nach der entsprechenden Menge von Uranium im Boden.

Krebsursache Nr. 2 – nach dem Tabak

Laut WHO ist Radon die Ursache Nr. 2 für Lungenkrebs, gleich nach dem Tabak. 6 bis 15% der Krebsfälle werden auf das Erdgas zurückgeführt. Bei Rauchern selbst erhöht ein Radonvorkommen das Risiko um das 25-fache.

In der Schweiz liegt der durch Radon verursachte Krebs-Prozentsatz bei 8,4%: "Fast 240 Opfer von durch Radon verursachtem Lungenkrebs wurden für 2004 gezählt", sagt Georges Piller, Physiker und Radon-Verantwortlicher im Bundesamt für Gesundheit (BAG). "Diese Zahl ist höher als jene, die auf AIDS als Ursache entfällt."

Das Edelgas lässt sich vor allem in den Kantonen des Jura-Bogens, im Tessin und in Graubünden nachweisen. Es hat eine Vorliebe für poröse Felsen wie sie in Karstgegenden vorkommen. Diese Gesteins-Durchlässigkeit erlaubt es dem Gas, an die Oberfläche aufzusteigen.

Einmal in der Luft, setzen sich die Alpha-Teilchen des Gases, das ionisierende Strahlungselement, an Aerosolen, Staubteilchen oder Partikeln fest. Beim Einatmen lagern sie sich in die Zellen des Lungengewebes ein, und strahlen.

Es können Jahrzehnte vergehen, bevor sich Lungenkrebs-Symptome sichtbar werden.

Höhlen, Grotten, Wohnhäuser-Keller

Unter freiem Himmel ist Radon von sehr schwachen Konzentration. Dennoch kann das Gas konzentriert auftreten, wie in Höhlen, Grotten oder in Wohnhäusern, die sich in den Risikoregionen befinden.

Es nützt undichte Zonen wie Risse und Mauerspalten aus, sammelt sich in Kellern an und gelangt übers Kamin in die höheren Etagen der Gebäude.

Die normale Radon-Belastung beträgt rund 400 Becquerel pro Kubikmeter (bq/m3). Gemäss europäischen Normen, erhöht sich das Risiko auf Lungenkrebs massgeblich, wenn 1000 bq/m3 überschritten werden.

Kürzlich kam man aufgrund einer Studie in den höheren Region des Kantons Neuchâtel zur Erkenntnis, dass ein Drittel der Gemeinden auf einer Oberfläche liegt, in der sich Radon verbirgt.

Rund 80 der 1500 vermessenen Gebäude wiesen einen Belastungsgrad von über 1000 bq/m3 aus.

Weitere Messkampagnen, aber nur in Neuenburg

"Wir werden ab kommendem Winter weitere Mess-Kampagnen im Kanton Neuenburg und im Tessin lancieren", sagt Piller. "Sie werden sich wohl über ein Jahrzehnt ziehen. Verschiedene Risiko-Gemeinden werden genauer inspiziert."

Und der Jura und Graubünden? "Leider verfügen wir nicht über die Mittel, um Aktionen im Umfang jener einzuleiten, die sich gegen das Rauchen wenden oder vor dem AIDS-Risiko warnen", bedauert Piller vom BAG.

1994 wurde die Verordnung über den Strahlenschutz in Kraft gesetzt und die Öffentlichkeit informiert. Doch diese hat Mühe mit dem Umstand, dass sie von der Radonproblematik eigentlich betroffen ist.

"Nur wenige wissen, was auf dem Spiel steht", sagt Piller. "Denn im Gegensatz zu anderen Krebs erregenden Ursachen wie den Antennen von Mobiltelefonen ist das Radon etwas natürliches."

Da gebe es keinen Schuldigen. Deshalb, so Piller, sei die öffentliche Wahrnehmung anders. "Was unserem Abwehrkampf nicht gerade entgegen kommt."

Die Bauindustrie sensibilisieren

Es kann jedoch keine verlorene Abwehr sein, Wohnhäuser auf ihre Radon-Anfälligkeit zu untersuchen. Es gibt mehrere Messungsarten, die entweder auf Prävention oder auf Sanierung beruhen.

So lassen sich die Belüftung unter dem Fussboden erhöhen oder Risse und Mauern versiegeln. Solche einfachen Modifikationen genügten oft bereits, meint die WHO.

Eine Gebäude-Sanierung wird obligatorisch, sobald die Mess-Limite von 1000 bq/m3 überschritten ist. Sie geht laut Verordnung zu Lasten des Hausbesitzers.

Vorbeugemassnahmen während des Bau sind eine weitere Lösung: Kellergebäude mit Beton-Platten, Luft-Zirkulation unter dem Haus oder Belüftung unter dem Gebäude-Fundament.

"Da wir die breite Öffentlichkeit nicht sensibilisieren können, versuchen wir, die Braubranche auf die verschiedenen Methoden aufmerksam zu machen, mit denen sich Radon-Vorkommen bekämpfen lassen."

swissinfo, Raphael Donzel
(Übertragung aus dem Französischen: Alexander Künzle)

In Kürze

Die Radon-Konzentration kann einfach und günstig mit einem Messgerät festgestellt werden, das 60 Franken kostet.

Im Falle eines Einfamilienhauses wird empfohlen, zwei oder drei Geräte in verschiedenen, bewohnten Räumen des Hauses zu platzieren. Dabei sollen Orte, wo viel Luft zirkuliert, vermieden werden.

Vorzuziehen sind die Messungen in den tieferen Etagen des Hauses, denn die Radon-Konzentration nimmt ab, je höher hinauf ins Haus man gelangt.

Vorzuziehen sind Messungen während des Winters. In dieser Jahreszeit ergibt sich in den Keller-Räumen mehr Atmung, da die Heizungen laufen.

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Fakten

Die Bevölkerung in der Schweiz umfasst rund 7 Mio. Personen.
Davon sterben jährlich 70'000, 17'000 davon an den Folgen einer Krebs-Krankheit.
Allein auf Lungenkrebs entfallen jährlich 2'700 Todesfälle.
Davon wiederum sind 200 bis 300 auf Radoneinfluss zurückzuführen.

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