Rasanter Aufstieg - und der lange Weg bis zum Rücktritt

Lukas Mühlemann tritt als Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse Group (CSG) ab.

Dieser Inhalt wurde am 19. September 2002 - 09:16 publiziert

Nachdem er im Juli auf die GV 2003 zunächst das Amt des Konzernchefs abgegeben hatte, verlässt Mühlemann auf Ende Jahr das Unternehmen ganz. Das vorläufige Ende einer Karriere.

1977
Lukas Mühlemann (geb. 1950) tritt in die internationale Consulting-Firma McKinsey ein, wo er sich bis 1990 in den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung hoch arbeitet.

1. Sept 1994
Mühlemann wechselt als Chief Executive Officer zur Schweizerischen Rückversicherungs-Gesellschaft AG nach Zürich - mit Unterstützung von Rück-Präsident Urs Bremi und Vizepräsident Rainer E. Gut. Unter seiner Führung stösst die Rück sämtliche Erstversicherungstöchter ab. Diese Konzentration auf das Kerngeschäft macht sie hoch profitabel, ihr Börsenwert steigt massiv. Mühlemann wird Ende 1994 vom Wirtschaftsmagazin "Bilanz"» zum Aufsteiger der Jahres gekürt.

1995/96
Die Rück wird durch Übernahme der niederländischen Alhermij NV und der englischen Prudential-Tochter Mercantile & General Re zum weltweiten Marktführer im Lebens- und Krankenversicherungsmarkt.

1. Jan. 1997
Mühlemann wird Konzernchef der Credit Suisse Group, die im Vorjahr durch einen Konzernumbau der Credit Suisse Holding entstanden war.

August 1997
Die CSG übernimmt durch Aktientausch die Winterthur-Versicherungsgruppe. Damit entsteht eines der grössten Finanzdienstleistungs-Unternehmen der Welt und die erste Allfinanz-Gruppe in der Schweiz.

1998
Trotz Gewinneinbussen wegen des Engagements in Russland kann der Konzern einen Gewinn von 3,07 Mrd. Franken vorweisen.

Anfang 2000
Verwaltungsrats-Präsident Rainer E. Gut übergibt sein Amt an Mühlemann ab, der nun gleichzeitig VR-Präsident und Konzernchef ist. Für 1999 kann er einen neuen Gewinnrekord verbuchen: Steigerung um 70 % auf 5,2 Mrd. Franken. Mühlemann kritisiert in zehn Thesen die schweizerische Konkordanz-Demokratie mit eingebautem Kompromiss, die keine klare, liberale Strategie erlaube.

November 2000
Die CSG erwirbt die US-Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette (DLJ) und integriert sie in die Credit Suisse First Boston (CSFB).

März 2001
Mühlemann muss zusammen mit anderen Verwaltungsräten der SAirGroup das VR-Mandat abgeben. Sie hatten die ruinöse "Hunter- Strategie" des früheren Konzernchefs Philippe Bruggisser mitgetragen. Auch beim Grounding der Fluggesellschaft Anfang Oktober 2001 wird Mühlemann zusammen mit UBS-Chef Marcel Ospel für die Rolle der Banken heftig kritisiert.

1. Juni 2001
Die CSG-GV lehnt einen Antrag der Anlagestiftung Ethos ab, der auf eine Trennung der Ämter von Konzernchef und VR-Präsident abzielte.

Januar 2002
Die US-Tochter Credit Suisse First Boston (CSFB) muss in einem Vergleich vor der US-Börsenaufsicht SEC wegen Unregelmässigkeiten bei der Börsenplatzierung von Internet-Firmen 100 Mio. US-Dollar zahlen.

Februar 2002
Mühlemann und die CSG werden wegen der Verbindungen zur argentinischen Banco General de Negocios (BGN) kritisiert, deren Manager in Geldwäscherei verstrickt sein sollen. Mühlemann muss im April aus dem BGN-Verwaltungsrat austreten.

1. März 2002
Die CSFB bestätigt, zusammen mit der DLJ eine Rolle im Zusammenhang mit den komplexen Firmenkonstruktionen des zusammengebrochenen US-Energiehändlers Enron gespielt zu haben. Der Schaden für die CSG beläuft sich auf über 200 Mio. Dollar.

9. März 2002
Lukas Mühlemann kündigt seinen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der Swiss Re an.

12. März 2002
Die CSG muss für 2001 einen Gewinnrückgang um 73 Prozent auf knapp 1,6 Mrd. Franken bekannt geben.

10. Mai 2002
Die Agentur Standard & Poors (S&P) senkt ihr Rating für die CSG von AA- auf A+.

31. Mai 2002
CSG-Chef Lukas Mühlemann wird an der GV in Zürich von den Aktionären kritisiert, aber im Amt bestätigt. Er räumt in den Medien Fehler ein.

23. Juni 2002
Bei Mühlemann werden im Zuge der Untersuchungen um den Niedergang der SAirGroup Dokumente beschlagnahmt.

3. Juli 2002
Die CS gibt den Rücktritt Mühlemanns als Verwaltungsratspräsident auf die Generalversammlung von 2003 hin bekannt. Oswald J. Grübel wird neuer CEO von Credit Suisse Financial Services.

19. Sept. 2002
Lukas Mühlemann verlässt die CSG auf Ende Jahr. Swiss-Re-Chef Walter B. Kielholz wird neuer Verwaltungsratspräsident. Gleichzeitig werden Oswald Grübel und John Mack auf Anfang 2003 zu Co-Chief-Executive-Officers der Gruppe ernannt.

swissinfo und Agenturen

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