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Reaktionen zum Blatter-Sieg

Inländische Pressestimmen zu Blatters 'Triumph'.

(swissinfo.ch)

Die internationale Presse hat die Wiederwahl Blatters zum Fifa-Präsidenten als nachhaltigen Triumph mit ungewissen Folgen für den Weltfussball-Verband begrüsst.

Die amerikanische Zeitung INTERNATIONAL HERALD TRIBUNE und der britische GUARDIAN sprechen von einem überwältigenden Resultat. Für die Londoner TIMES sitzt Sepp Blatter wieder fester im Sattel.
Der niederländische konservative TELEGRAAF fordert eine grosse Säuberung innerhalb der Fifa, wie sie derzeit in der olympischen Bewegung stattfindet. Mit Blatter an der Spitze sei aber von einer solchen Operation wenig zu erwarten.

Schweizer Stimmen

"Wie kann jemand nach derart vielen, zum Teil belegten Vorwürfen an einem Fifa-Kongress 139 von 195 gültigen Stimmen holen und souverän zum Fifa-Präsidenten wiedergewählt werden ?"

fragt die BERNER ZEITUNG, BZ. Es gebe keinen Zweifel: Blatter habe von der Normalität des seit Jahrzehnten praktizierten Fifa-Systems profitiert. Die Schlammschlacht der letzten Wochen habe einmal mehr gezeigt, wie dieses Fifa-System funktioniere:

"Lockerer Umgang mit Geld, Günstlingswirtschaft, fehlende Kontrollen, Demokratiedefizite, Männerfreundschaften, Oligarchie."

Remedur, so die BZ, könnte geschaffen werden, indem die Fifa mit ihren Milliardenumsätzen wie ein moderner Grosskonzern geführt würde -

"und nicht von ehrenamtlichen Funktionären."

Der mit härtesten Bandagen geführte Wahlkampf im Vorfeld des Fifa-Kongresses in Seoul habe für zahlreiche Spekulationen gesorgt, schreibt der Berner BUND. Würde Blatter dem eisigen Winde, der ihm entgegenblies, standhalten können ?

"Er konnte - und wie",

meint das Blatt. Das Wahlergebnis sei eine

"Ohrfeige für die Gegner."

Der Kameruner Issa Hayatou habe nicht über das Profil verfügt, um dem Weltfussball eine sorgenfreie Zukunft in Aussicht zu stellen.

"Am Freitag schmeiss ich Zen-Ruffinen raus!"

titelt der BLICK in grossen Lettern zum geplanten Antrag Blatters, seinen grossen Kritiker, den Fifa-Generalsekretär noch vor dem WM-Start zu entlassen oder freizustellen. Blatter bleibe der Fürst der Fussball-Welt, und alle Kritik gegen ihn habe ihn bei seinem Wahlvolk nur stärker gemacht, ist das Boulevardblatt überzeugt:

"Blatter hält sich an das einzige universale Prinzip, das imWeltfussball durchführbar ist - jenes der Solidarität. Er zwingt die grossen und reichen Verbände, mit den kleinen und armen zu teilen."

Das ST. GALLER TAGBLATT stellt die Frage, ob mit der Wiederwahl Blatters das 'üble Spiel' nun vorüber sei ?

"Er darf auf keinen Fall glauben, er habe alles richtig gemacht. So muss er zum Beispiel seinen Führungsstil überdenken. Ein demokratischeres Auftreten und Denken stünden Blatter gut an."

Das meint auch der Kommentator des Zürcher TAGES-ANZEIGERS unter der Headline:

"Beweise gefordert."

Es wäre Blatters grösster Erfolg seiner Zeit als Würdenträger, schreibt der TAGI, wenn er dafür sorgte, dass die Fifa doch noch irgendwann eine Institution mit ungeteiltem öffentlichen Ansehen werden könnte. Aber:

"Bis dahin ist ein langer Weg. Blatter hat nicht nur viel zu tun, er hat viel zu beweisen."

Blatter sei ein Herrscher aus einer anderen Epoche, der mit seinen 'Vasallen' umspringe, wie es ihm passe, schreibt die Genfer Zeitung LE TEMPS:

"Blatter, en vrai suzerain d'une époque révolue, entretient ses vassaux de la manière que lui semble bonne."

Er gedeihe durch Beziehungen, Unterwürfigkeit und die Privilegien, die für verdienstvolle Apparatschiks drin lägen. Ob die Fifa den Wahltriumph Blatters überleben werde, stehe auf einem anderen Blatt. Von einer 'zweiten Chance' spricht die BASLER ZEITUNG:

"Also doch,Sepp Blatter hats wieder einmal geschafft."

Der Schweizer habe in der Fifa-Führungsriege jetzt eine Mehrheit hinter sich und damit eine bessere Chance vor sich, um zu zeigen, dass er ein guter Präsident des Weltfussballs sein könne:

"Dies hat er in seiner ersten Amtsperiode nicht nur wegen hausinterner Widerstände verpasst."

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG fragt:

"Wie geht Sepp Blatter mit dem demonstrativen Vertrauensbeweis der Basis um ? Nimmt er ihn zum Anlass, eigenmächtige und anrüchige Praktiken endlich zu überdenken und einen neuen, offenen Führungsstil zu entwickeln ? Nimmt er seinen potenziellen Kritikern endlich den Wind aus den Segeln und pflegt Transparenz und Demokratie nicht nur als Worthülsen ?"

Denn es gebe auch für ihn keinen Anlass, einfach zur Tagesordnung überzugehen; dazu hätten Anschuldigungen und Enthüllungen der letzten Woche zu viel Aufsehen erregt. Aber, folgert die NZZ:

"Dem Walliser, der mit seinem engsten Betreuerstab innerhalb der letzten 12 Monate Krisen instinktiv und rasch bewältigte, ist zu wünschen, dass er nun wenigstens auf die zweite Amtsperiode hin vom Generalsekretär mit Attitüden seines Vorgängers Havelange zum wirklichen Präsidenten mutiert und an Statur gewinnt."

Monika Lüthi


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