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Rich und das Mafia-Netzwerk

Marc Rich - der Milliardär, der sein Geld im Rohstoffhandel verdiente.

(swissinfo.ch)

Italienische Ermittlungsbehörden zeigen eine Verwicklung von Marc Rich mit der russischen Mafia auf. Er soll in die jüngst aufgedeckte Geldwäscherei-Affäre involviert sein.

In die Operation "Spinnennetz", die Anfang Woche von der italienischen Anti-Mafia-Polizei lanciert wurde, scheint sich eine weitere illustre Persönlichkeit verfangen zu haben: Marc Rich, Rohstoffhändler mit Niederlassung in Zug, belgischem Pass und bis vor einem Jahr mit dem Status eines US-Steuerflüchtlings.

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft von Bologna, die swissinfo vorliegt, deckt Verbindungen auf zwischen Marc Rich und dem Geschäftsmann Gregory Loutchanski, der verdächtigt wird, der "Padrino" eines russischen Mafia-Clans zu sein.

Nicht angeklagt, aber erwähnt

Marc Rich figuriert in der Anklageschrift von Bologna zwar nicht selbst unter den 150 angeklagten Namen. Doch kommt sein Name in der Schrift mehrere Male vor.

Seit 1997 untersucht die italienische Justiz ein wachsendes Netz von Geldwäscherei-Aktivitäten, in dem Gelder aus illegalen russischen Geschäften gesäubert wird. Ausläufer dieses Netzes reichen auch in die Schweiz.

Die Gelder wurden dabei aus den Republiken der ehemaligen Sowjetunion mittels gefälschten Rechnungen auf Banken nach Osteuropa überwiesen. Nachher erfolgte eine "Wiederaufbereitung" des Geldes über Dutzende von Unternehmen, die in ganz Europa verstreut lagen.

Sitz im Steuerparadies Zug

Milliardär Rich (68), Belgier mit Niederlassung in der Schweiz, betrieb bis Mitte der neunziger Jahre seinen schwunghaften Rohstoff-Handel vom Steuerparadies Zug in der Zentralschweiz aus. Von dort aus baute er ein Imperium auf.

Anfang dieser Woche legte die italienische Polizei in einem 600-seitigen Rapport die verschlungenen Wege der russischen Geldwäscherei-Affäre dar. Gegenüber swissinfo bestätigte die italienische Polizei, dass Rich Mitbegründer der Firma Nordex sei. Dieses Unternehmen soll mit der russischen Mafia liiert sein, Loutchanski ziehe dort die Fäden.

Rich-Sprecher Thomas Frutig widerspricht den Äusserungen der italienischen Polizei:"Marc Rich ist weder Mitbegründer noch beteiligt an der Firma Nordex." Frutig verweist auch auf deren Handelsregisterauszug.

Nordex als Transferfirma der KP

In der gesamteuropäischen Polizeiaktion wurden auch Spuren in England verfolgt: Englische Investigatoren stellten fest, dass die Firma Nordex von Rich mitbegründet worden sei, als das Sowjetimperium zusammenstürzte. Sie diente damals dazu, die Fonds der Kommunistischen Partei ins Ausland zu transferieren, inklusive gestohlenen Vermögenswerten.

Frutig hält dazu fest:"Die Marc Rich Holding und deren Töchter waren nie daran beteiligt, Fonds oder gestohlene Vermögenswerte aus der Sowjetunion ins Ausland zu transferieren."

Der in der Schweiz niedergelassene Belgier Rich soll mit weiteren russischen Gesellschaften wie der Trans World Group der Gebrüder Chernoy oder der Alfa Group Kontakte aufgenommen haben. Bei letzterer figuriert der gegenwärtige russische Premier Vladimir Putin in der Liste der Hauptförderer.

Glencore distanziert sich

Die italienischen Behörden zeigen auf, dass Rich auch die Glencore International dirigiere. Diese multinationale Holding mit Basis in England und Sitz in der Schweiz sei verbunden mit der Benex. Auch über die Benex flossen anscheinend Gelder in die Vereinigten Staaten. Frutig hält dazu fest, dass Rich an Benex "weder Mitbegründer noch beteiligt ist".

Auch Lotti Grenacher, Informations-Beauftragte von Glencore, wurde von swissinfo auf diese Zusammenhänge hin befragt: Die Glencore weist eine Verbindung zu Marc Rich von sich.

Grenacher erklärt, dass das Unternehmen "Marc Rich", 1974 gegründet, von Rich 1994 seinen Mitarbeitern verkauft worden ist. "Seither heissen wir Glencore", so Grenacher, "und haben nichts mehr mit Marc Rich zu tun. Deshalb sind wir auch in keiner Weise in diese Geldwäscherei-Affäre verwickelt."

Rich: Minderheitsaktionär oder nicht?

Die Glencore unterhalte weder zur Benex noch zur Nordex geschäftliche Beziehungen. "Es liegt sicher nicht an uns, mögliche Beziehungen von Marc Rich zu diesen beiden Firmen zu kommentieren", so Grenacher. Jedoch ist Rich gemäss Polizeinformationen Minderheitsaktionär von Glencore. Die italienische Polizei behauptet auch zu wissen, dass Rich hinter Benex und Nordex steht.

Dem widerspricht Thomas Frutig, Direktor der March Rich Holding GmbH:"Marc Rich hat weder eine Beziehung zu Nordex noch zu Benex. Rich ist auch nicht Minoritätsaktionär bei Glencore." Frutig erklärt darüber hinaus, keine offizielle Information der italienischen Behörden erhalten zu haben.

Er hält fest, dass weder die Marc Rich Holding noch Rich selber Einfluss auf die Glencore International ausüben:"Die Holding hat sich von ihrer damaligen Beteiligung von 25% 1994 getrennt".

Firmennetzwerk und Steuerflucht

Die Polizei beschäftigt sich nicht zum ersten Mal mit Marc Rich. Er figurierte bis vor einem Jahr in der Liste der vom FBI gesuchten Personen: Er schuldete dem US-Fiskus 48 Mio. Dollar (75 Mio. Franken). Eine der Anklagen gegen Rich geht aufs Jahr 1983 zurück, als der damalige Staatsanwalt Rudolph Giuliani (der spätere New Yorker Bürgermeister) gegen ihn einen Suchbefehl ausschrieb. Doch hatte Bushs Vorgänger Bill Clinton in einer seiner letzten Amtshandlungen Rich nicht nur fiskalisch begnadigt, sondern - wie Frutig festhält - "sämtliche Anklagepunkte von 1982 und 1983" annulliert.

Dank Israellobby

Clinton kam gegenüber den Medien auf seinen Entscheid zurück. Doch stand er damals unter einem starken Druck. Die ex-Ehefrau des jüdischstämmigen Rich hatte sich als Freundin von Hillary Clinton ins Zeug gelegt und Clintons Demokratische Partei finanziell unterstützt.

Frutig präzisiert auch hier seine Position:"Inhaltlich hat der ehemalige US-Präsident das Pardon nochmals bestätigt. Hingegen bedauert er die Auswirkungen des Pardons auf seine eigene Person."

Zudem machten sich auch zahlreiche israelische Supporter für eine Steueramnestie des Rohstoffhändlers stark, wie der heutige Aussenminister Shimon Peres, der damalige Premier Ehud Barak, der ex-Mossad-Chef Shabotai Shavit und sogar der Nobelpreisträger Elie Wiesel.

swissinfo, Luigino Canal und Redaktion

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