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Riesenkristall erstmals in Uri zu sehen

(Keystone)

Der Riesenkristall, der letztes Jahr in der Göscheneralp gefunden wurde, ist bis Ende 2009 in der alten Kirche Flüelen in Uri zu bewundern.

Was danach mit dem Schweizer Ursymbol geschehen soll, darüber wird heftig debattiert: Soll es im Bundeshaus in Bern ausgestellt oder an einer Auktion versteigert werden?

"Bis vor 200 Jahren verschwanden Kristalle und Riesenkristalle als so genannte Mailänder Ware", sagt Beda Hofmann, Konservator des Naturhistorischen Museums Bern. Mailand war Handelsplatz für solche Güter aus der Schweiz.

Hofmann kennt das Schicksal der grossen Kristalle aus früheren Jahrhunderten: "Kaum gefunden, wurden die Kristalle zerkleinert und geschliffen und in Kirchen und Fürstenhöfen verwendet", sagt er gegenüber swissinfo. Die Kristall-Leuchter in Versailles oder Berlin bestehen zu einem grossen Teil aus Schweizer Kristallen.

Granitstein besonders kristall-geeignet

Kristalle von riesigen Dimensionen seien in den Schweizer Alpen deshalb erst seit dem 19. Jahrhundert als ganze Fundstücke erhalten geblieben. Bei Strahlern gilt das Gotthardgebiet als besonders interessante Fund-Gegend für Mineralien. In den Klüften des Granitgesteins konnten sich die Kristalle gut bilden. Strahler werden die Kristallsucher in der Schweiz deswegen genannt, weil ihre Steine derart hell strahlen.

Die grosse Kluft am Planggenstock in der Göscheneralp hatten die beiden Berufs-Strahler Franz von Arx und Paul von Känel bereits Mitte der 90er-Jahre freigelegt. Seither bergen sie daraus laufend Kristalle und andere Mineralien.

Erst im letzten Sommer jedoch entdeckten sie den Meter langen Rauchquarz-Spitz – ein Jahrhundertfund von rund 250 kg Gewicht, wie Fachleute urteilen.

"In den letzten 200 Jahren gibt es nur eine Handvoll Funde in den Alpen, welche mit dem vergleichbar ist", schätzt Hofmann.

"Bei dieser Kluft ist vor allem die Kombination von Grösse und Qualität bemerkenswert. Sehr schöne transparente Kristalle in Metergrösse zu finden, ist schon ganz selten."

Wohin mit dem Schweizer Ursymbol?

Nun sind die Kristalle der abgedunkelten Alten Kirche in Flüelen im Kanton Uri bis Ende 2009 erstmals ausgestellt. Dabei wird der Raum verdunkelt und die Steine beleuchtet.

Bereits läuft auch die Diskussion, wem die beiden Strahler den Grosskristall verkaufen sollen.

Von der Grundbesitzerin der Fundgegend, der Korporation Uri, wird der Grosskristall auf 10'000 bis 20'000 Franken Wert geschätzt – Liebhaber würden aber noch viel mehr dafür auf den Tisch blättern.

Ausserdem besitzt der Kristall einen touristischen Wert als Markenzeichen: Nahe der Fundstelle baut der ägyptische Investor Samih Sawiri in Andermatt, ebenfalls in Uri, einen grossen Freizeit-Komplex. Eine touristische Vermarktung des Schweizer Ursymbols läge nahe.

Die Symbolkraft des Kristalls wäre schliesslich bundespolitisch nutzbar: Nationalrat Bruno Zuppiger von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) möchte diesen fast 20 Millionen Jahre alten Riesenkristall für das Bundeshaus in Bern erwerben.

Positive Energie oder heilende Strahlung?

Seine Idee machte Zuppiger schon während der letzten Herbstsession in Flims bekannt. Auch die beiden Finder von Arx und von Känel sähen ihren Riesenkristall lieber an einem öffentlichen Ort ausgestellt als in einer privaten Sammlung, wo ihn niemand mehr zu sehen bekommt.

Zur Verwendung im Parlament in Bern meinte Franz von Arx letzten Oktober gegenüber der Zeitung Blick: "Der Kristall sendet positive Energie aus. Das kann unseren Politikern nur gut tun..."

Von der positiv wirkenden Energie ist es dann nicht mehr weit bis zur heilenden Strahlung.

"Seit rund 15 Jahren gesellen sich immer mehr esoterisch Beeinflusste zu den Kristall-Liebhabern. Sie sind überzeugt, dass die Steine wirksame Strahlungen haben," meint der als Geologe ausgebildete Konservator etwas skeptisch.

Von der Schönheit fasziniert sind die traditionellen Kristall-Liebhaber genau so wie die esoterisch Motivierten. An Mineralienbörsen kämen diese beiden Gruppen "aneinander vorbei, ohne dass sie sich allzu sehr schätzen".

swissinfo, Alexander Künzle

Fakten

Riesenkristall-Ausstellung in der Alten Kirche Flüelen, im Kanton Uri.
Geöffnet täglich von 10 bis 20 Uhr, bis Ende 2009.
Zu sehen sind auch andere Kristalle, die aus der Kluft am Planggenstock geborgen wurden.

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Kristalle und Tunnelbau

Kristalle und Mineralien finden nicht nur Berufs- oder Hobby-Strahler, während sie die Gesteinsbeschaffenheit beim Wandern oder Klettern erkunden.

Laut Beda Hoffmann, Konservator des Naturhistorischen Museums Bern, stiessen aber auch Mineure bei Tunnelbohrungen immer wieder auf Mineralien.

Der offizielle Mineralien-Aufseher des Kantons Uri, Peter Ammacher, selbst ein Strahler, hat sich immer wieder an die Tunnel-Baustellen, zuletzt bei der NEAT, begeben, um nach Funden Ausschau zu halten.

Doch da im Tunnel die Mineure immer als erste zur Stelle sind, sei laut Hofmann ein gewisses Risiko vorhanden, dass Fundstücke verschwinden.

Funde, die mit jenen im Planggenstock vergleichbar wären, habe es bisher in Tunnels sicher keine gegeben.

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