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Winterthur (awp) - Die Rieter Holding organisiert sich neu: Das Unternehmen soll in die zwei bestehenden Einheiten Textile Systems und Automotive Systems aufgeteilt werden. Beide Teile sollen als separat börsenkotierte Gesellschaften mit selbständigem Aktionariat und Management weitergeführt werden, wie Rieter am Dienstag mitteilte. Die Pläne stehen unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Aktionäre.
Um die Aufteilung durchzuführen, wird Rieter die Aktien der juristischen Einheit, welche heute das Automotive-Geschäft hält, als Sonderdividende an die Aktionäre ausschütten. Die Gesellschaft wird gemäss den Plänen an der SIX Swiss Exchange unter dem Namen Autoneum kotiert.
Nach erfolgtem Abschluss der Transaktion wird Rieter das Geschäft von Textile Systems weiterführen. Dieses soll an der Börse unter dem Namen Rieter kotiert bleiben. Der Verwaltungsrat verfolge das Ziel, für beide Geschäftsbereiche die bestmöglichen Voraussetzungen für die künftige Entwicklung zu schaffen, heisst es.
Finanzchef von Autoneum wird der bisherige CFO von Rieter, Urs Leinhäuser, wie VR-Präsident Erwin Stoller an der Bilanzmedienkonferenz erklärte. Chef von Autoneum wird, wie bereits am Morgen bekanntgegeben, Martin Hirzel. Er folgt auf Wolfgang Drees, welcher auf eigenen Wunsch als Leiter der Division zurücktritt.
KEINE SYNERGIEN MEHR
"In den letzten Jahren haben sich die Märkte für beide Divisionen dramatisch verändert", begründete Stoller den Schritt. Es sei nicht mehr so, dass die beiden verschiedenen Geschäfte gegenseitig die Auswirkungen der konjunkturellen Zyklen dämpfen würden.
Weiter sieht Stoller auch keine Synergien mehr zwischen den Divisionen - auch nicht auf Managementebene. "Nach den tüchtigen Restrukturierungen in beiden Divisionen ist nun der richtige Moment gekommen", so Stoller. Er geht davon aus, dass die Trennung in beiden Divisionen zusätzliche Energie freisetzen wird. Weiter werde sich der Fokus der beiden Geschäfte verstärken und die Flexibilität für Partnerschaften erhöhen. Insgesamt werde sich die strategische Flexibilität für beide Bereiche vergrössern.
Die Zyklizität im Textilgeschäft werde nicht verschwinden, durch das starke Aktionariat sei Rieter aber gut abgesichert, fügte Stoller an. Die margenschwächere Division Automotive befindet sich laut Stoller "in einer guten Position im Vergleich mit den Konkurrenten."
SPUHLER UND PIEPER ZIEHEN MIT
Von den beiden grössten Rieter-Aktionären, Peter Spuhler und Michael Pieper, wird die vorgeschlagene Aufspaltung von Rieter gutgeheissen. Sie würden an der GV entsprechend abstimmen, heisst es in den Unterlagen zur Bilanzmedienkonferenz. Spuhler und Pieper seien ausserdem ein Lock-up-agreement eingegangen, gemäss welchem sie in den ersten sechs Monaten nach der Kotierung des neuen Unternehmens Autoneum auf den Verkauf dieser Titel verzichten werden. Während der darauffolgenden 30 Monate würden beide einen Anteil an Autoneum von mindestens 10% oder mehr halten.
Spuhler und Pieper gewähren Autoneum je eine nachrangige Anleihe über 12,5 Mio CHF und verpflichten sich mindestens bis zur GV 2014 im Verwaltungsrat engagiert zu bleiben.
NEUE FINANZZIELE
Im Zuge der Trennung wurden auch die Finanzziele für beide Bereiche neu definiert. Die neu zu schaffende Autoneum soll jährlich und in Lokalwährungen um 4 bis 5% wachsen, wie den Unterlagen zur Bilanzmedienkonferenz vom Dienstag in Winterthur zu entnehmen ist.
Für die Region Westeuropa werde dabei ein flaches bis moderates Wachstum erwartet. Von einem moderaten Wachstum geht Rieter auch für Nordamerika aus, in Asien wird dagegen ein starkes Wachstum vorhergesagt.
Die EBITDA-Marge von Autoneum in der Region Europa soll mittelfristig auf 7 bis 8% zu liegen kommen. In den Regionen Nordamerika, SAMEA (Südamerika, Mittlerer Osten und Afrika) sowie Asien soll eine nachhaltig zweistellige EBITDA-Marge erzielt werden. Die Investitionskosten sollen jährlich 4 bis 4,5% des Umsatzes betragen. Die Ausschüttungsquote zu Gunsten der Autoneum-Aktionäre soll auf bis zu 30% zu liegen kommen.
Für die Division Textile, welche unter dem Namen Rieter weiterlaufen wird, nennt Rieter Ziele "über die Zyklen". Das Umsatz soll demzufolge jährlich um über 5% wachsen, die EBIT-Marge soll über 9% und in Spitzenjahren über 12% erreichen. Für die Reingewinnmarge gibt Rieter einen Wert von über 6% über die Zyklen sowie von über 8% in Spitzenjahren als Guidance an. Die Investitionen sollen 4 bis 5% des Umsatzes ausmachen, die Ausschüttungsquote rund 30% des Gewinns.
cf/tp

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