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Robuster Winter, fragiler Sommer

Die Schweizer Hotellerie hofft auf möglichst ausgebuchte Betten.

(Keystone Archive)

Der Tourismus und die Hotellerie stehen vor einer Sommersaison, die schon sehr gut wäre, wenn sie sich gegenüber früher nicht verschlechtert.

Letzten Herbst hatte die Schweizer Hotellerie einen Rückgang der Logiernächte von 11% für die Wintersaison 2001/2 erwartet. Gemäss dem Schweizer Hotelier-Verein (SHV) fiel der Rückgang mit einem Minus von 7,7% dann etwas gelinder aus. In Franken ausgedrückt entspricht das einem Ertragsausfall von rund 170 Millionen.

Verglichen mit den Resultaten in den Nachbarländern ist die touristische Schweiz also noch einmal gut weggekommen.

Teure Hotels am meisten betroffen

Vor den Medien legten die Hoteliers am Mittwoch in Bern die neuesten Hochrechnungen vor: Am besten weggekommen ist demnach die Mittelklass-Hotellerie (2- und 3-Stern-Häuser). Sie verzeichnete nur knapp 6% weniger Logiernächte als im Vorjahr.

Der 5-Stern-Hotellerie mit ihrem hohen Anteil an ausländischen Gästen ging es wesentlich schlechter (-9.8%). Auch regional ergaben sich grosse Unterschiede, wie die Berechnungen des Schweizer Hotelier-Vereins (SHV) zeigen.

Die Stadt Zürich verlor (wohl wegen dem Swissair-Grounding im nahen Kloten) rund 25% an Logiernächten, während Genf vom Sicherheitsbonus profitierte (nur -13%). Das Berner Oberland mit seinem starken Japaner-Anteil verlor mehr als 10%, die Zentralschweiz nur 5%.

Umsätze gaben weniger nach

Dass die Hoteliers sich dennoch irgendwie aus der Affäre zogen, zeigen die Umsatz-Schätzungen. Diese werden sich wohl nur um 1,5% reduzieren. Das heisst, die Hotels haben ihre fallenden Zimmer- und Bettenerträge mit Zusatz-Dienstleistungen "aufmöbeln" können: Mit Wellness, Seminaren und Kongressen lassen sich also Ausfälle in der Auslastung teilweise kompensieren.

"Nur", so relativiert SHV-Direktor Christoph Juen auch diese Zahlen, "bleibt die Marge in der Branche dennoch tief, weil auch die Kosten gestiegen sind."

(Zweck-)Pessimismus für die Sommersaison

Eher bewölkt sehen die Hoteliers die Aussichten für den Sommer. Die Expo.02 dürfte gerade im "Expo-geschädigten" deutschen Gästemarkt kaum grosse Wellen werfen - das Debakel der Weltausstellung in Hannover 2001 ist noch zu frisch in Erinnerung.

Schwer zu schaffen machen der Beherbergung weniger die unsichere Gästenachfrage als die sich sicher verteuernde Kostenseite zu Hause. "Die Schweizer Hotellerie hat innerhalb von vier Jahren ihre Minimallohnhöhe um 22% gehoben", meint SHV-Präsident Christian Rey. "Seit Jahren wirft man uns vor, dass wir unser Personal schlecht zahlen. Anderseits zeigen die Statistiken, dass die Schweizer Hoteliers ihre Mitarbeiter dreimal besser entlöhnen als ihre italienischen Kollegen, und zweimal besser als die französischen oder österreichischen Hoteliers."

Mehr Personenfreizügigkeit ab 1. Juni

Auf die Öffnung ihrer Arbeitsmärkte bereitet sich die Hotellerie seit langem vor. Bei dem hohen Ausländeranteil wird sich die Personenfreizügigkeit, wie sie die bilateralen Verträge mit sich bringen, in der Beherbergung stark auswirken. Da die Schweizer Arbeitgeber trotz allen Vorwürfen eben immer noch viel besser zahlten als viele europäische Hoteliers, glaubt man beim SHV, mit den ausländischen Arbeitskonditionen gut konkurrieren zu können.

Probleme könnten sich mit den Kontingenten innerhalb der Schweizer Regionen ergeben (früher "Saisonnier-Kontingente"). Sechs Jahre nach Inkrafttreten der Bilateralen werden diese Kontingente, welche die Berggebiete stark bevorzugen, wegfallen. Dann kann jeder (Ausländer) selbst aussuchen, ob er in den städtischen Zentren oder in den ärmeren Randgebieten (sprich: Alpengebieten) einen Job sucht. Bisher kam es jeweils zu Zwangseinteilungen, damit auch die Randgebiete genügend Personal erhielten.

Alexander P. Künzle


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