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Roche übernimmt nach langem Rechtsstreit Igen

Eine Roche-Mitarbeiterin an einem ELC-Gerät zur Immundiagnostik. Keystone Archive

Der Basler Pharmakonzern übernimmt die US-Biotechfirma Igen für 1,4 Mrd. Dollar, gliedert das Kleinunternehmen aber aus.

Dieser Inhalt wurde am 25. Juli 2003 - 10:22 publiziert

Roche sichert sich mit Igen die Rechte an der ECL-Technologie, die vor allem in der Blutanalyse eingesetzt wird.

Roche übernimmt das für die Diagnostik-Division wichtige Unternehmen für 1,4 Mrd. Dollar (rund 1,9 Mrd. Franken). Aufgrund der nun herrschenden Rechtssicherheit rechnet Roche für die von Igen entwickelten Blutanalyse-Geräte mit einem stärkeren Wachstum in den nächsten Jahren.

Mit der am späten Donnerstagabend bekannt gegebenen Transaktion sichert sich der Basler Konzern die Rechte an der ECL-Technologie von Igen, die von Roche im Lauf der Jahre weiter entwickelt wurde. Roche muss in Zukunft an die neue Igen keine Lizenzgebühren mehr zahlen, wie ein Roche-Sprecher sagte.

Roche: "Fairer Deal"

Der Deal wird von Roche als fair beurteilt. Einen Teil des 1,4 Mrd. Dollar teuren Kaufs kann Roche mit jenen 606 Mio. Dollar begleichen, die seit dem erstinstanzlichen Deal auf einem Sperrkonto in den USA liegen. Roche-Verwaltungsrats-Präsident Franz Humer hatte noch am Mittwoch gesagt, Roche lasse sich von Igen nicht erpressen und werde die Firma nicht um jeden Preis übernehmen.

Neue Igen wird Konkurrentin

Zugleich darf auch die neue Igen die in der Blutanalyse verwendete ECL-Technologie mitsamt den Weiterentwicklungen von Roche benützen und am Markt als Konkurrentin des Basler Konzerns auftreten.

Allerdings ist Roche wegen der jahrelangen Präsenz am Markt im Vorteil, gemäss Roche beträgt der Marktanteil 12 Prozent. Zu den künftigen Weiterentwicklungen von Roche an der ECL-Technologie hat Igen keinen Zugang mehr.

Für Analysten ist Igen der Gewinner. In einem Marktkommentar der Zürcher Kantonalbank (ZKB) wurde die Igen-Verhandlungsposition als sehr stark, die Transaktionsbedingungen als ungünstig eingestuft. Roche erhalte nur nicht exklusive Rechte. Igen bleibe frei, Lizenzen an Konkurrenten zu vergeben.

Finanzwelt reagiert eher skeptisch

Eine Privatbank schätzte den Wert von Igen auf rund 900 Mio. Dollar. Entsprechend zahle Roche eine Prämie von etwa 56 Prozent. Die finanziellen Folgen seien aber nicht genau abzuschätzen, da nun die Lizenzzahlungen wegfallen.

Der hohe Preis könnte durchaus gerechtfertigt sein. Jedenfalls sei das Ende des Streits positiv, sagte Caludio Werder von der Bank Vontobel. Roche brauche die Technologie. Sonst hätte Roche verschiedene Produkte vom Markt nehmen müssen. Diese Unsicherheiten seien nun beseitigt.

Strafzahlungen massiv gesenkt


Im Rechtstreit hatte ein US-Berufungsgericht vor zwei Wochen die Strafzahlungen von Roche von 505 Mio. Dollar auf 19 Mio. Dollar gesenkt. Roche legte gegen das laut Konzernchef Humer für Roche finanziell und moralisch erfreuliche Urteil am Mittwoch Berufung ein.

Dies weil das Gericht Igen das Recht einräumte, den vor 12 Jahren abgeschlossenen Lizenzvertrag mit Roche zu künden. Diesen Schritt wollte Igen auch vollziehen.

Roche zahlt nun pro Igen-Aktie 47,25 Dollar. Der Kurs der am Nasdaq kotierten Firma lag am Donnerstagabend bei 37 Dollar. Pro Aktie der alten gibt es zudem eine Aktie der neuen Igen. Weiter stellt Roche dem Unternehmen 150 Mio. Dollar frei zur Verfügung.

Igen International ist eine kleine Biotech-Firma, die im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von 56,5 Mio. Dollar erzielte und einen Nettoverlust von 28 Mio. Dollar verbuchte. Haupteinnahmequelle von Igen sind die Lizenzzahlungen von 36,7 Mio. Dollar. Davon stammen 90 Prozent von Roche, wie aus dem Basler Konzern verlautet. Die Börsenkapitalisierung von Igen beläuft sich auf gut 800 Mio. Dollar.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die Diagnostik-Division machte 2002 mit ECL-Diagnosegeräten einen Umsatz von 560 Mio. Franken.

Mit der Igen-Übernahme soll der Umsatz 2003 auf 700 Mio. Dollar steigen.

Die Wachstumsrate bei den ECL-Diagnostikgeräten belief sich in den letzten 3 Jahren auf durchschnittlich 23%.

Der Gesamtumsatz der Division belief sich 2002 auf 7,2 Mrd. Franken.

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