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Rote Karte für Kulturdiebstähle in Peru

Das vom Zoll beschlagnahmte Objekt: Balsero Chancay, 10. bis 15. Jh. nach Chr.

Das Bundesamt für Kultur und der Internationale Museumsrat haben zum Kampf gegen Diebe, Hehler und dubiose Händler peruanischer Kulturschätze aufgerufen.

Eine "rote Liste" mit schützenswerten Objekten soll den Polizei- und Zollbehörden bei der Identifikation gefährdeter Objekte helfen.

Der Internationale Museumsrat (ICOM) und das Bundesamt für Kultur (BAK) haben am Freitag in Basel die erste so genannte Rote Liste der gefährdeten Antiken Perus vorgestellt.

In diesem Zusammenhang übergab BAK-Direktor Jean-Frederic Jauslin der peruanischen Botschafterin ein kürzlich vom Schweizer Zoll sichergestelltes Tongefäss aus der vorkolumbianischen Zeit.

Die Rote Liste ist ein Aufruf an Museen, Auktionshäuser, Kunsthändler und Sammler, alle notwendigen Garantien einzuholen, bevor sie Objekte peruanischer Herkunft kaufen.

Schweiz "mit schlechtem Ruf"

"Die Schweiz hat einen schlechten Ruf wegen des illegalen Handels mit schützenswerten Kulturgütern", sagt Jauslin gegenüber swissinfo. "Die Schweiz kann ihr Image ändern, wenn sie mit Interpol und den peruanischen Behörden zusammen arbeitet und den Handel mit solchen Kulturgütern aus Peru unterbindet."

"Die Liste ist ein unumgängliches Informationsinstrument, um die Risiken bewusst zu machen, die sich beim Handel von gewissen Kunstgegenständen ergeben", sagt Yves Fischer vom BAK gegenüber swissinfo.

Sie soll zudem den Polizei- und Zolldiensten bei der Identifikation von Objekten verdächtiger Herkunft behilflich sein. Auf der Liste sind 18 Kategorien von peruanischen Kulturgütern verzeichnet, die bei Schwarzhändlern besonders begehrt sind.

Verlust des kulturellen Erbes



Peru hat eine reiche Vergangenheit und ein grosses kulturelles Erbe, das Tausende von Jahren zurück reicht. Zahlreiche peruanische Kulturobjekte aber sind verschwunden.

Seit Jahren sei Peru vom Verlust seines kulturellen Erbes bedroht, schreibt das BAK, dies trotz einschlägiger nationaler Gesetzgebung, internationaler Übereinkommen und bilateraler Abkommen.

"Die Situation in Peru ist schlecht", sagt Fischer. "Täglich gehen dem peruanischen Zoll illegale Kunstobjekte ins Netz, die für den Export bestimmt sind."

Nach den Grabstätten neu auch Kultur- und Religionsstätten



Während lange Zeit vor allem archäologische Fundstätten geplündert worden seien, würden heute auch andere historische, kulturelle und religiöse Stätten zerstört, um die wachsende Nachfrage nach antiken und exotischen Objekten auf dem Kunstmarkt zu befriedigen.

Die Roten Listen werden von internationalen Expertengruppen zusammengestellt. Neben Peru existieren solche Listen bisher auch für Afghanistan, den Irak, Lateinamerika und Afrika.

Schweiz als bekannte Kunst-Drehscheibe

Die Schweiz gehört zu den weltgrössten Umschlagplätzen für Kunstobjekte. Sie war auch als Transit für gestohlene Ware im Gespräch, bevor ein Gesetz 2005 für Übereinstimmung mit den Konventionen der Unesco sorgte.

Im Dezember 2006 unterzeichnete die Schweiz einen Vertrag mit Peru, der den Handel mit Kulturgütern regelt und die Rückgabe gestohlener Objekte vorsieht.

"Die rote Kulturgüterliste ist für Peru wichtig, weil Peru damit seine reiche Vergangenheit schützen kann", sagt Elizabeth Astete, Perus Botschafterin in der Schweiz. "Sie ist das Instrument, das die peruanisch-schweizerische Kulturgütervereinbarung umsetzt."

Laut Fischer ist auch der Einsatz der Schweiz für die Rote Liste ein Zeichen, dass das Land seine Verpflichtungen gegenüber Peru und die Zusammenarbeit ernst nimmt.

Im Oktober 2006 war ein ähnliches Abkommen mit Italien geschlossen worden.

swissinfo und Agenturen

SCHWEIZ-PERU

Bern und Lima haben bisher lediglich ein paar Vereinbarungen unterzeichnet (Handelsvertrag 1953, Vertrag über die Förderung und den Schutz der Investitionen 1991).

2005 haben die peruanischen Exporte in die Schweiz um 179% zugenommen. An dieser Zunahme massgeblich beteiligt sind die Goldverkäufe, welche 98,7% ausmachen, während der Kaffeeanteil lediglich 0,25% beträgt.

Auch Maschinen, Kleider und Landwirtschaftsprodukte aus Peru werden importiert. 2005 erreichte deren Wert 23,2 Mio. Fr. (+2,4%).

Die Exporte nach Peru (Maschinen, chemische und pharmazeutische Produkte, Uhren) erreichten 2005 einen Wert von 97,4 Mio. Fr. (+48,7%).

Mit 340 Mio. Fr. ist die Schweiz der achtgrösste Investor in Peru.

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