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Roy Hodgson: Es braucht mehr Tore

Für Roy Hodgson müssen die Schweizer noch an ihrem Torabschluss arbeiten.

(Keystone)

Der ehemalige Schweizer Fussball-Nationalcoach Roy Hodgson meint im Gespräch mit swissinfo, die Schweiz könne trotz der Eliminierung im Achtelfinal stolz auf ihr Team sein.

Hodgson war beeindruckt vom Schweizer Teamgeist und der defensiven Leistung. Doch seien mehr Tore nötig, um die Chance wahrnehmen zu können, die Euro 2008 im eigenen Land zu gewinnen.

Hodgson lobt zuallererst den derzeitigen Nationaltrainer Köbi Kuhn für die Art und Weise, wie er die Spieler im Turnier eingesetzt hat. Die Schweiz hatte es als Gruppensieger in die Achtelfinals der Fussball-WM geschafft und war am Montag der Ukraine erst im Elfmeterschiessen unterlegen.

Doch Hodgson warnt die Fans auch vor zu hohen Erwartungen an die Euro 2008, die in der Schweiz und Österreich ausgetragen wird. Hodgson hatte das Schweizer Team 1994 an die WM und 1996 an die Euro gebracht.

swissinfo: Wie werten Sie die Schweizer Leistung an der Fussball-WM?

Roy Hodgson: Ich gratuliere der Schweiz. Sie haben sich sehr gut geschlagen und haben allen Grund, stolz zu sein. Sie waren gründlich vorbereitet und haben als Team gut zusammen funktioniert.

In den Spielen gegen Frankreich und vor allem gegen die Ukraine war die Abwehrleistung ausserordentlich. Nicht nur hinten, sondern im ganzen Feld, einschliesslich der Stürmer. Einer der positivsten Aspekte ihres Spiels war die Arbeitslast des ganzen Teams.

Jeder, der behauptet, die Mannschaft sei am Montag eingefroren oder zu ängstlich gewesen, hat keine Ahnung, von was er spricht.

swissinfo: Welche Spieler sind ihnen besonders aufgefallen?

R.H.: Mit Patrick Müller und Ludovic Magnin hat die Schweiz zwei hervorragende Spieler. Müller könnte bis 50 weiterspielen, weil er mit dem Kopf spielt.

Ich war auch beeindruckt von den Mittelfeld-Spielern Johann Vogel, Ricardo Cabanas und Raphael Wicky.

swissinfo: Was hätte die Schweiz besser machen können?

R.H.: Wenn man das ganze Turnier anschaut, sind die Schweizer eine zu wenig grosse Bedrohung vor dem gegnerischen Tor. Sie machten vier Tore in vier Spielen.

swissinfo: Wie werten Sie die Leistung von Köbi Kuhn?

R.H.: Es ist schwierig für mich, hier eine detaillierte Antwort zu geben. Ich war nicht auf der Bank mit ihm und weiss nicht, wie er dachte und was hinter den taktischen Überlegungen stand.

Man könnte sich wegen einiger Auswechslungen fragen, doch generell war das Team gut organisiert und übertraf die Erwartungen. Es war nicht offensichtlich, dass sie sich in ihrer Gruppe qualifizieren würden. Und niemand erwartete, dass sie vor Frankreich sogar Gruppensieger werden.

Als Coach weiss ich, dass die meisten Trainer an ein Turnier als grosse Helden kommen, die das Team auf Jahre hinaus leiten werden. Doch nach der ersten Euphorie beginnt nach einigen schlechten Resultaten die Kritik. Viele Trainer werden zwei Wochen darauf entlassen.

Doch Kuhn arbeitet offensichtlich mit einer intelligenten Leitung zusammen (beim Schweizerischen Fussballverband) und er wird die Unterstützung erhalten, die er verdient hat.

swissinfo: Versprechen Sie sich viel für die Schweiz an der Euro 2008?

R.H.: Ich denke, sie haben jede Chance, sich gut zu schlagen. Denn die meisten der Spieler, die heute dabei waren, werden in zwei Jahren noch spielen.

Ausserdem haben sie einige vielversprechende junge Spieler im Ärmel, die dann für die grosse Bühne bereit sein könnten. Vergessen wir nicht, dass Johan Vonlanthen (der 20-Jährige, der wegen einer Verletzung nicht an der WM teilnehmen konnte) dabei sein könnte, um das Team zu verstärken.

Das Schweizer Team ist eine gut geölte Maschine und es wird zur Euro 2008 noch erfahrener sein.

Die einzige Frage ist: Was heisst, gut sein? Es ist wichtig, dass die Erwartungen nicht dermassen unrealistisch sind, dass sie das Vertrauen ins Team zerstören.

Ich denke, die Schweiz kann überzeugen, doch sie ist nicht England oder Deutschland. Darum sollte die Latte nicht zu hoch angesetzt werden.

swissinfo-Interview: Matt Allen, Bad Bertrich
(Übertragen aus dem Englischen: Christian Raaflaub)

In Kürze

Roy Hodgson war von Januar 1992 bis November 1995 Schweizer Fussball-Nationaltrainer.

Er führte die Schweiz 1994 an die Fussball-WM in den USA, wo sie ebenfalls im Achtelfinal ausschied, mit 0:3 gegen Spanien.

Er begleitete das Team auch durch die Qualifikation für die Europameisterschaft 1996, wo die Schweiz erstmals dabei war.

Vor der Ära Hodgson hatte sich die Schweiz seit der WM 1966 in England für kein grösseres Turnier mehr qualifiziert.

Hodgson hat auch die Schweizer A-Klubs Grasshoppers und Neuenburg Xamax trainiert.

Weitere Klubs waren Malmö, Inter Mailand, die englischen Blackburn Rovers und die Nationalmannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

Hodgson ist Mitglied des technischen Komitees der FIFA für die Fussball-WM.

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Fakten

Die Schweiz war zum achten Mal an einer WM-Endrunde dabei.
Sie ging mit zwei Siegen und einem Unentschieden (gegen Frankreich) als Gruppensieger aus der Vorrunde hervor.
Die Schweiz war das einzige Land, das in der Vorrunde ohne Gegentreffer blieb. Auch im Spiel gegen die Ukraine hielt Zuberbühler das Tor bis zum Elfmeterschiessen sauber.
Die Schweiz und Österreich sind 2008 Gastgeber der nächsten Fussball-Europameisterschaft.

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