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Ruhm ist vergänglich

Die WM in St. Moritz holt ehemalige Schweizer Champions zurück ins Rampenlicht: Hier Martin Hangl mit Bundesrätin Ruth Metzler. Keystone

In St. Moritz werden ehemalige Schweizer Skigrössen noch einmal - für kurze Zeit - aus dem Privatleben ins Rampenlicht des Skizirkus zurückgeholt: Als Pausenfüller.

Dieser Inhalt wurde am 12. Februar 2003 - 15:26 publiziert

Einzig Bernhard Russi kann sich seit Jahren als Pistenbauer und Kommentator behaupten.

An den Skiweltmeisterschaften in St. Moritz war es das letzte Mal, dass der Andermatter Bernhard Russi, Weltmeister von 1970 und Olympia-Sieger 1972 in Sapporo, ohne Stöcke, aber mit Handkamera die Abfahrtspiste hinunter raste.

Seit Jahren haben sich Herr und Frau Schweizer, die Skirennen am TV verfolgen, daran gewöhnt, dass Bernhard Russi der Fangemeinde die Abfahrtspisten der Schweiz plus Kommentar frei Haus liefert.

Russi hat es geschafft, seinen Ruhm aus den frühen 70er Jahren bis in die Neuzeit zu erhalten. Der 54-jährige Schweizer ist seit Jahren Co-Kommentator beim Deutschschweizer Fernsehen.

Er erläutert die Beschaffenheit der Piste und klärt auf, wo die Fahrerinnen und Fahrer die entscheidenden Hundertstel-Sekunden liegen gelassen haben. Russi erklärt die Siege und Niederlagen im Skizirkus.

James-Bond-Statist

Daneben ist Bernhard Russi auch der gefragteste Pistenbauer der Welt. Seit 1988 hat er 15 Abfahrten bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften konzipiert. Und es ist kein Ende abzusehen. Bereits jetzt plant Russi im Auftrag der südkoreanischen Stadt Yongpyong, die sich für die Winterspiele 2010 bewirbt.

Auch der "Freie Fall" der Männerabfahrt an der WM in St. Moritz ist eine Russi- Idee.

Und was viele nicht wissen: 1969 jagte er als Statist bei einem James-Bond-Film die Piste hinunter und brach sich dabei Hand und Halswirbel.

Wer ist Martin Hangl?

Als vor dem Super-G der Herren in St. Moritz ein gewisser Martin Hangl aus Samnaun den Zuschauerinnen und Zuschauern als Experte für das Rennen vorgestellt wurde, wussten nur wenige etwas mit diesem anzufangen.

Immerhin war - und ist es immer noch - Martin Hangl der letzte Schweizer Super-G-Weltmeister. 1989 wurde er in Vail Weltmeister.

Heute ist Hangl nur noch bei Serviceleuten bekannt: Der ehemalige Weltmeister ist ein Tüftler. Schon immer pröbelte er am Material herum und tut dies im eigenen Sportgechäft auch heute noch.

So ist die "Hangl-Platte" jenes Wunderding unter der Bindung, das mithilft, schnellere Kurven und damit bessere Zeiten zu fahren. Auf diese Weise ist Marti Hangl mit dem Skifahren in Verbindung geblieben, mit dem Rennsport hingegen hat er abgeschlossen.

Zwar, so sagte er im Zielraum in St. Moritz, wäre er damals gerne noch eine Zeit lang dabei geblieben. Doch Verletzungen hätten zum Ende der Karriere geführt.

Zurbriggen wirbt für Bier

Martin Hangl hat 1989 in Vail die damalige Lichtgestalt im Schweizer Skirennsport, Pirmin Zurbriggen, auf den zweiten Platz verwiesen.

Auch um Zurbriggen ist es ruhig geworden. Zwar kennt man ihn noch, aber mit dem Rennsport ist er nicht mehr verbunden. Allerdings hat er im Vorfeld der WM in St. Moritz seinen guten Ruf als Familienvater, Christ und Vorbild aufs Spiel gesetzt.

In einem Bier-TV-Spot mimt Pirmin Zurbriggen den Pistenrowdy, fährt einen Mann über den Haufen und trinkt anschliessend mit andern Rowdys vor dem Skirestaurant sein Bier.

Das hat ihm Schelte eingetragen und am Saubermann-Image gekratzt. Alle wissen, dass bei vielen Unfällen auf den Skipisten Alkohol im Spiel ist.

Peter Müller fand nicht alles super

Einst setze Peter Müller alles daran, als Flachländer den Berglern im Team zu zeigen, dass man auch aus der Gegend von Zürich ein Spitzenabfahrer werden kann.

Verbissen kämpfte Müller um Anerkennung und krönte seine Karriere 1987 mit dem WM-Titel in Crans Montana im Wallis. Er besiegte dort ausgerechnet Pirmin Zurbriggen. Müller: "Den Wallisern wäre ein Sieg eines Österreichers lieber gewesen, als derjenige von mir."

Nun, elf Jahre nach seinem Rücktritt, zehrt der ehemalige Weltmeister mit den Hobbies Pilzesammeln und Fliegenfischen von den Zinsen seiner Erfolgsjahre.

Als Gast-Kommentator des Schweizer Fernsehens im Zielgebiet fand er kurz zurück ins Rampenlicht, sagte, die Herrenabfahrt sei "super" und liess sich punkto Favoriten nicht aus der Reserve locken. Auch er griff zum Standardsatz: "Es stehen noch einige schnelle Leute oben."

Müller, der als Trainer der Damenmannschaft den Hut nehmen musste, weil er von den Abfahrtsdamen die gleiche Verbissenheit wie von sich selbst verlangte, hatte sich schon am Tag zuvor wieder einmal den Mund verbrannt.

In der "Basler Zeitung" holte der Ex-Weltmeister und Ex-Trainer der Schweizer Abfahrerinnen zu einem Rundumschlag aus: "Meiner Meinung nach gibt es nur eines", sagte Müller, "Rey-Bellet müsste vom Team abgesondert werden, sollte für sich trainieren, dann an die Rennen kommen und dort schnell sein, andernfalls soll sie zu Hause bleiben."

Corinne Rey-Bellet holte am Sonntag bei der Damenabfahrt für die Schweiz die Silbermedaille. Die erste Medaille in ihrer langen Aktivzeit.

Hanni Wenzel aus Liechtenstein

Vor allem den jüngeren Zuschauerinnen und Zuschauern an der Frauen-Abfahrt kam diese Dame, die als Gast über ihre Meinung zur Abfahrt gefragt wurde, fremd vor.

Es handelte sich zwar nicht um eine Schweizerin, aber immerhin gewann die Liechtensteinerin Hanni Wenzel vor 29 Jahren an gleicher Stelle Weltmeister-Gold im Slalom.

Und mit 13 Medaillen an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen ist Wenzel einer der erfolgreichsten Skistars aller Zeiten.

Doch nun, als Pausenfüllerin in St. Moritz, wusste auch sie nicht viel mehr zu sagen, als dass das Rennen spannend bleibe und noch einige starke Fahrerinnen kommen würden. Kaum jemand hörte hin.

Ruhm ist vergänglich!

swissinfo, Urs Maurer

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