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Run auf Kamelmilch

Zakaria Farah, der somalische Kamelforscher von der ETH Zürich, verspricht sich viel von der Kamelmilch.

(swissinfo.ch)

Mitten in Afrika, am Mount Kenya, gibt es eine Molkerei – für Kamelmilch. In der Schweiz ist man sich der Bedeutung dieser exotischen Milchgewinnung bewusst.

Schweizer Wissenschafter erforschen, wie Kamelmilch länger haltbar gemacht werden kann.

Mitten in Kenia betreibt der Deutsche Holger Marbach sein exotisches Gewerbe. In seiner Molkerei verarbeitet er Kamelmilch.

Auf Velos karren die Kleinbauern ihre Milchkannen heran, aus denen der 42-jährige Deutsche Köstlichkeiten wie Kardamom-Zimt-Glace, Honig-Dattel-Glace oder Ananas-Joghurt zaubert.

"Das Kamel ist die Zukunft der Leute hier", sagt der studierte Tropenlandwirt.

Dabei wird er täglich mit demselben Problem konfrontiert: Seine Produkte sind zu wenig lange haltbar.

Schweizer Zutat

Bei der Lösung dieser Knacknuss engagieren sich Schweizer Wissenschafter. Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH) und die Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP) erforschen, wie man Kamelmilch länger haltbar machen könnte.

An vorderster Front dabei ist der ETH-Wissenschafter Zakaria Farah, der Verfasser von "Milk and Meat from the Camel". Das Handbuch über die Produktion von Kamelmilch und -fleisch fasst die aktuellen Erkenntnisse zusammen. Der ETH-Wissenschafter und gebürtige Somali ist einer der weltweit führenden Kamelforscher.

Im gemeinsamen Projekt von ETH und ALP wurde Milch von kenianischen Kamelfarmen gesammelt, sofort gekühlt und innert 48 Stunden mit Hilfe von zwei verschiedenen Verfahren in der ALP-Versuchsmolkerei ultrahocherhitzt.

Schonendes UHT-Verfahren

Nur mit dem schonenden UHT-Verfahren, wobei Dampf die Milch für zwei Sekunden auf 150 Grad erhitzt, resultierte ein gut schmeckendes Produkt. Mit dem anderen, dem direkten UHT-Verfahren, wird die Milch wie in einer Pfanne erhitzt und leider vom Geschmack her ungeniessbar.

Während UHT-Kuhmilch ungekühlt über Monate stabil bleiben kann, muss die UHT-Kamelmilch kühl gelagert werden, damit sie während fünf Wochen stabil bleibt. Bei einer Raumtemperatur von 25 Grad trat rasch eine Sedimentierung auf, sie wurde sauer.

Eine stabile UHT-Kamelmilch kann deshalb nur mit Hilfe von Stabilisatoren hergestellt werden, wie die Erfahrungen von ETH und ALP zeigen. Weiter sollte das schonende UHT-Verfahren angewendet werden, um auch geschmacklich eine gute Qualität zu erreichen.

Wichtiges Kleinbauern-Einkommen

Obwohl die Kamelmilch noch nicht so lange haltbar ist, läuft Holger Marbachs Geschäft. Rund um Nanyuki, einem Ort direkt am Äquator, weiden die Kamele, umgeben von Zebras und Gazellen. In einem improvisierten Gehege mühen sich die Hüter mit dem Melken der Kamelkühe ab. Einer bindet ihnen die Beine zusammen, zwei befreien das Euter vom Staub, während ein vierter den Kessel hält.

Kamelmilch zu gewinnen, ist keine einfache Angelegenheit, und teuer noch dazu. "Wir haben 294'000 Euro (rund 460'000 Franken) investiert, um die Züchter auszubilden und am Ende echte Qualitätsmilch zu bekommen", sagt Marbach. "Transport, Hygienemassnahmen und die Pasteurisierung - das kostet."

Dafür kann der Milchwirt auch mit Top-Produkten aufwarten. "Dieser Joghurt ist einfach köstlich", schwärmt Kishan Barot, der in seinem Bioladen in der kenianischen Hauptstadt Nairobi Marbachs Joghurtbecher und Milchpackungen mit dem Kamel-Logo vertreibt.

Wachsende Kundschaft

Das bekommen allmählich auch seine Kunden mit. "Am Anfang haben wir vielleicht zwei Produkte in der Woche verkauft, inzwischen sind wir schon bei dreissig", sagt Barot. Das Problem sei vor allem eine Imagefrage: "Bei Kamelen denkt doch jeder erst mal: Pfui Teufel, dreckige Tiere!"

Dass Kamelmilch gesund ist, bestätigt Anthony Bennett von der UNO-Welternährungs-Organisation (FAO). "Kamelmilch hat dreimal so viel Vitamin C wie Kuhmilch, und sie enthält viel Eisen und Vitamin B", sagt Bennett.

Bisher setzt Marbach seine Glaces und Joghurts ausschliesslich in Kenia ab. Im Gespräch ist er allerdings schon mit einigen Luftfahrtgesellschaften, die seine Produkte in die arabische Welt bringen könnten.

Gewinn für die Bauern

Für die Bauern rund um Nanyuki ist die Molkerei des Deutschen schon jetzt ein Gewinn. "Wir waren schon so weit, dass wir unsere Kamele verkaufen wollten", sagt Lance Tomlinson, der mit 200 Tieren zu den Grossbauern der Umgebung gehört.

"Es hat einfach nichts eingebracht. Jetzt, mit der Molkerei, werden wir unsere Herde noch vergrössern." Seit dem Start von Marbachs Vital Camel Milk stellte er bereits vier neue Hüter ein.

Weiteres Wachstum ist programmiert, das Absatzpotenzial ist riesig. Anthony Bennett von der FAO schätzt den Absatzmarkt weltweit auf 10 Mrd. Dollar. Für die Menschen in Kenia liegt in der Kamelmilch eine grosse Chance.

swissinfo, Etienne Strebel und Agenturen

Fakten

Das Kamel hat in Afrika eine sehr wichtige Bedeutung: Es ist Transportmittel, Milch- und Fleischlieferant.

Die FAO schätzt, dass weltweit rund 19 Mio. Kamele leben.

Davon sind mehr als drei Viertel in Afrika angesiedelt, vor allem in Somalia, Sudan, Äthiopien und Kenia.

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Kamelmilch

Kamelmilch unterscheidet sich von Kuhmilch ganz wesentlich.

Sie entspricht in etwa der Zusammensetzung von Humanmilch.

Kamelmilch ist als Ersatz für Muttermilch wahrscheinlich besser geeignet als Kuhmilch.

So wurde sie schon als Milch für Kuhmilch-Allergiker, als Muntermacher für Krebskranke oder als Diabetikergetränk angepriesen.

Während Kamelmilch vor allem in den USA als Wundermittel gilt, darf sie in der Europäischen Union (EU) und der Schweiz nicht frei verkauft werden. Trotzdem ist sie in einzelnen Läden erhältlich.

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