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Russen im Januar ein Segen für Skiorte

Russinnen in St. Moritz: Sehen und gesehen werden.

(Keystone)

St. Moritz, Zermatt, Verbier und Crans Montana profitieren von begüterten russischen Touristen, die im Januar-Loch die Hotels belegen.

Obwohl die Touristen aus dem Osten nur einen kleinen Prozentsatz ausmachen, werden sie für den Schweizer Tourismus immer wichtiger.

In den Schweizer Nobel-Skiorten haben die Gäste aus Russland in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Beliebt sind sie vor allem auch wegen ihrer Vorliebe für Luxus-Produkte. Geschätzt wird die Schweiz vor allem wegen ihrer hohen Lebensqualität und den hohen Preisen, die in den Augen der Russen mit Qualität gleichgesetzt werden.

Obwohl sie übers Jahr verteilt nur einen kleinen Teil der Gäste ausmachten, sei ihre Präsenz in den Januarwochen wichtig, betonen diverse Hoteliers. In diese traditionell schlecht belegte Zeit fällt die Weihnachtszeit der orthodoxen Christen.

Direkt ansprechen

Der russische Markt soll nun noch besser bearbeitet werden. In diesem Winter hat der Dachverband Schweiz Tourismus erstmals eine Werbekampagne in Russland gestartet.

"Wir haben 150'000 Exemplare einer Winterbroschüre drucken lassen und diese einerseits in Zeitschriften und Magazinen in Russland beigelegt", sagt Daniela Bär von Schweiz Tourismus. Ausserdem habe man diese auch über Reisebüros und Veranstalter verteilt.

Die Kampagne wurde aber auch mit modernsten Mitteln flankiert. "Wir haben bei den vier wichtigsten russischen Internet-Portalen Banner-Werbung geschaltet", so Bär. Weiter gehörten Plakate, Videos und eine Medienkonferenz dazu, konzentriert auf Moskau, St. Petersburg und deren Umgebung.

Erneut mehr Russen

Nach dem sprunghaften Anstieg der Gäste aus Russland um zehn Prozent im Jahr 2002 wurde von Januar bis November vergangenen Jahres entgegen dem allgemeinen Trend erneut eine Zunahme von 3,2 Prozent verzeichnet, wie Bär bestätigt.

Die russische Kundschaft macht bereits 1,3 Prozent der ausländischen Gäste in der Schweiz aus, was 2003 ungefähr 240'000 Übernachtungen entspricht, so Bär.

Die Rangliste der bei den Russen beliebtesten Ski-Destinationen führen St. Moritz und Zermatt an. Dahinter folgen Crans Montana und Verbier.

Die russischen Gäste logieren vor allem in den Vier- oder Fünf-Stern-Häusern, wie der Zermatter Tourismusdirektor Roland Imboden erläuterte.

Shopping-Fans

Im Gegensatz zu den japanischen Gästen, die Pantoffeln und Bademantel in den Zimmern schätzten, seien für Russen Luxuswarengeschäfte in der Umgebung des Hotels wichtig, führt Madeleine Savioz, Marketingdirektorin in Verbier aus. "Die Ladenbesitzer haben immer Freude, wenn die Russen kommen."

Russen würden die Luxus-Boutiquen oft "regelrecht plündern", wie Cedric Noujaim, Chef des auf Russland spezialisierten Reisebüros Inexco, sagt. "Wenn die Russen reisen, wollen sie sich amüsieren", erklärt er.

"Die Russen reisen immer in einer Gruppe, meistens sechs Personen oder mehr", bestätigt Claudio Duschletta, PR-Verantwortlicher von St. Moritz, gegenüber swissinfo. "Sie kommen hauptsächlich aus Moskau und St. Petersburg. Im letzten Januar hat sich die Zahl der russischen Gäste bei uns gegenüber dem Vorjahr gleich verdoppelt."

Prestige ist alles

"Das Statussymbol ist für die russischen Gäste entscheidend", weiss Daniela Bär. Daher zögen die Russen die "weltberühmten Destinationen" vor. "Es hat aber auch einen soziokulturellen Hintergrund, weil die russischen Gäste, die Reichen, gerne dorthin gehen, wo sie andere reiche Gäste vorfinden."

Die Russen gehen meist mit einem Skilehrer auf die Piste. In Zermatt und St. Moritz sind deshalb auch Skilehrer aus Oststaaten angestellt worden.

In Crans Montana frönen die Russen dem Skisport laut dem Kommunikations-Verantwortlichen Jörg Romang auch bei schlechtem Wetter. "Das sind keine empfindlichen Naturen", bestätigt Roland Imboden aus Zermatt.

Fondue mit Wodka

Die meisten Hotels haben kaum Anstrengungen unternommen, ihrem Personal Russisch beizubringen, da die Gäste aus dem Osten immer besser Englisch sprechen. Im Hotel Ambassador in Crans-Montana arbeiten trotzdem rund sieben Angestellte, welche die russische Sprache beherrschen, wie Direktor Patrick Berod sagt. In seinem Fünf-Sterne-Betrieb waren zwischen dem 2. und dem 10. Januar gegen 40 Prozent der Gäste Russen.

Die Russen hätten viel gelernt bezüglich Urlaub und Umgangsformen, erklärt Imboden. Man sehe heute kaum mehr Russen, die in Pantoffeln und Trainer im Restaurant eines Luxushotels auftauchten. Manchmal überraschen russische Gäste aber immer noch und trinken zum Fondue Wodka, wie Christian Besse, Wirt im "la Channe valaisanne" in Verbier, erzählt.

swissinfo und Agenturen

Fakten

2002 stieg die Anzahl russischer Touristen um 10%, 2003 um 3,2%
2003 waren 1,3% aller ausländischer Touristen Russen
Schweiz Tourismus hat diesen Winter erstmals eine Kampagne in Russland lanciert

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In Kürze

Für die Schweizer Nobel-Skiorte werden die Gäste aus Russland immer wichtiger.

Die russische Kundschaft besteht hauptsächlich aus Geschäftsleuten, Industriellen, Ärzten und Juristen.

Sie kommen hauptsächlich im Januar in die Schweiz, denn in diese traditionell schlecht belegte Zeit fällt die Weihnachtszeit der orthodoxen Christen.

Die Russen logieren hauptsächlich in Vier- oder Fünf-Stern-Häusern. Sie schätzen die Schweiz für ihre Sicherheit, die Lebensqualität und die hohen Preise, die sie mit Qualität gleichsetzen.

Die Russen lieben das Skifahren. Ausserdem suchen sie gerne die Luxusboutiquen heim. In Moskau muss auf Luxusgütern eine Mehrwertsteuer von 30% bezahlt werden.

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