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S&P rechnet mit langsamer Erholung bei Chemie - Überkapazitäten bleiben

Dieser Inhalt wurde am 09. Dezember 2009 - 16:40 publiziert

FRANKFURT (awp international) - Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) rechnet für die europäische Chemieindustrie nach dem stärksten Nachfrageeinbruch seit der Ölkrise vor 35 Jahren wieder mit besseren Zeiten. "Wir glauben, dass wir das Schlimmste gesehen haben", sagte Chemiespezialist Tobias Mock am Mittwoch in Frankfurt. Für das kommende Jahr erwartet die Ratingagentur wieder einen Zuwachs. Anders als bei früheren Abschwüngen werde sich die Industrie aber nur langsam vom tiefen Tal erholen. Es dürfte Jahre dauern, bis das hohe Niveau von 2007/08 wieder erreicht werde. Eine ähnliche Einschätzungen äusserte am Dienstag der Verband der Deutschen Chemieindustrie (VCI).
Die meisten Chemieunternehmen in Europa hatten auf die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise bereits früh mit Sparprogrammen reagiert. So will der weltweit grösste Chemiekonzern BASF mit seinem Programm Next von 2012 an jährlich mehr als eine Milliarde Euro einsparen, ein Grossteil davon soll in den Jahren 2009 und 2010 erreicht werden. Der Gasehersteller Linde will mit seinem Sparprogramm in den kommenden vier Jahren insgesamt 650 bis 800 Millionen Euro Kosten reduzieren. "Es werden aber noch mehr Programme kommen", sagte Mock.
NEUE CRACKER SORGEN FÜR ZUSÄTZLICHE KAPAZITÄTEN
Auch im nächsten Jahr werden die Chemieunternehmen weiterhin mit Überkapazitäten bei Basischemikalien zu kämpfen haben. "Es gibt ein zu grosses Angebot", sagte Mock. Die Nachfrage sei aber seit zwei Jahren rückläufig. Und bis 2013 kämen jährlich etwa sieben neue Anlagen (Cracker) mit einer Kapazität von jeweils rund einer Millionen Tonnen hinzu. Etwas mehr als die Hälfte der neuen Anlagen seien im Mittleren Osten und 40 Prozent im restlichen Asien in Planung. Zur Zeit liege die weltweite Kapazität von Ethylen bei gut 120 Millionen Tonnen.
Mit den neuen Crackern dürfte der Konkurrenzdruck bei vielen Chemieunternehmen steigen. Da die Nachfrage nach Basischemikalien mit der Kapazitätsausweitung nicht Schritt halten dürfte, hält Mock die Schliessung von Anlagen für wahrscheinlicher. Von dem Wettbewerbsdruck sollten europäische Chemiefirmen wie etwa BASF, Rhodia und Lanxess stärker betroffen sein als US-Unternehmen. Während die Cracker in Europa die Basischemikalien aus Rohbenzin (Nafta) erzeugen, verwenden die US-Chemiefirmen das für sie kostengünstigere Gas.
ne/nl/das

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