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SALZGITTER (awp international) - Der zweitgrösste deutsche Stahlhersteller Salzgitter kommt langsam aus der Krise heraus. Von den alten Traumprofiten aus den Jahren 2005 bis Mitte 2008 aber hat sich der Konzern vorerst verabschiedet. "Diese Zeiten werden so schnell nicht wiederkommen", sagte Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann am Freitag. Er hoffe nach dem "Übergangsjahr" 2010, als Salzgitter sich wieder in die Gewinnzone kämpfte, nun auf eine Rückkehr zur Normalität. Dabei setzt Fuhrmann auf eine weitere Erholung der Weltwirtschaft. Allerdings gebe es weiter Risiken. So seien die Folgen der Katastrophe in Japan und der Unruhen in der arabischen Welt noch nicht absehbar.
Mut macht den Niedersachsen die hohe Stahlnachfrage aus Auto- und Maschinenbau. "Es geht steil nach oben. Wir können zum zweiten Quartal die Preise Flachstahl und Grobblech um mehr als 100 Euro pro Tonne erhöhen", sagte Fuhrmann. Damit gelinge es endlich, die seit dem vergangenen Jahr rasant gestiegenen Kosten für Rohstoffe an die Kunden weiterzugeben. Salzgitter könne damit zumindest an die Margen von Ende 2009 herankommen.
VERTRÄGE ANGEPASST
Auch die Laufzeiten seiner Verträge hat Salzgitter inzwischen an die neuen Bedingungen auf dem Rohstoffmarkt angepasst. Damit hatte sich der Konzern lange schwer getan. Vor zwölf Monaten hatten die Rohstoffkonzerne ein Ende des jahrzehntelang praktizierten Systems mit langfristigen Kontrakten durchgesetzt. Preise für Eisenerz werden nun nur noch quartalsweise und nicht mehr für ein ganzes Jahr festgeschrieben.
Ein Ende des Rohstoffbooms ist laut Fuhrmann nicht in Sicht. Im zweiten Quartal rechnet er mit neuen Rekorden. Danach hofft er auf eine leichte Entspannung. Allerdings werde die Spekulation sich weiter verstärken. "Was früher Immobilien waren, könnten nun die Rohstoffe werden", sagte der Manager. "Darauf werden wir uns einstellen müssen." Von einer in der Politik beabsichtigten Rohstoff-AG, mit der die deutschen Unternehmen ihre Rohstoffbasis sichern könnten, hält der neue Salzgitter-Chef aber wenig. "Da sind Interessenkonflikte programmiert", sagte Fuhrmann. Der langjährige Finanzchef steht seit Anfang Februar an der Spitze des Konzerns.
DIVIDENDE ERHÖHT
In diesem Jahr halten die Niedersachsen ein Umsatzwachstum von 15 bis 20 Prozent für möglich. Der Vorsteuergewinn soll sich von 48,9 Millionen Euro 2010 mehr als verdoppeln. Nach einem Verlust von 384 Millionen Euro im Krisenjahr 2009 erwirtschafteten die Niedersachsen 2010 wieder einen Überschuss von 29,8 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 8,3 Milliarden Euro. Die Dividende soll von 25 auf 32 Cent je Aktie steigen. Das ist noch weit von den alten Glanzzeiten entfernt. Für das Jahr 2008 gab es noch 1,40 Euro je Aktie, für 2007 sogar inklusive einer Bonusdividende 3 Euro. An der Börse sank der Aktienkurs am Nachmittag in einem kaum veränderten Gesamtmarkt um gut 1,2 Prozent. Anleger hatten auf eine höhere Dividende gehofft.
Salzgitter tut sich schwerer als die auf Auto- und Maschinenbau spezialisierten Konkurrenten wie ThyssenKrupp oder die österreichische Voestalpine , die Krise hinter sich zu lassen. Zwar rechnet der Vorstand in fast allen Geschäftsbereichen mit Verbesserungen. Probleme bereitet wegen der schwachen Nachfrage aus der Baubranche weiter das Geschäft mit Trägern und Spundwänden. Im vergangenen Jahr hatte Salzgitter hier allein 80 Millionen Euro abschreiben müssen. Die verlustreiche Technologiesparte, zu der die Abfüllanlagentochter Klöckner-Werke gehört, soll trotz eines "beinharten Wettbewerbs" zumindest die Gewinnschwelle erreichen.
KRITIK AN EU-POLITIK
Zuletzt hatte Salzgitter mehrere Restrukturierungsprozesse angestossen. Dadurch sanken die Kosten um 490 Millionen Euro. Weitere grössere Einschnitte seien derzeit nicht absehbar. Fuhrmann mahnte aber eine gewissen Rückbesinnung auf "preussische Tugenden" an. Er verwies darauf, dass in der Boomphase an einigen Stellen im Konzern ein "bisschen Speck" angesetzt worden und nun grössere Disziplin gefordert sei. Salzgitter hat weiterhin viel Geld auf dem Konto. Die Nettoliquidität liegt trotz eines umfangreichen Investitionsprogramms bei 1,3 Milliarden Euro. Dieses Geld will der Konzern auch für Zukäufe einsetzen.
Sorgen bereitet dem Unternehmen auch die von der Europäischen Union geplanten Belastungen durch den Handel mit Emissionsrechten. Dies sei eine gefährliche Wettbewerbsbenachteiligung für energieintensive Branchen wie die Stahlindustrie. "Die Rohstoffproblematik betrifft alle Stahlunternehmen, der Emissionshandel aber einseitig die europäischen Unternehmen."/enl/fn/tw

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