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Schach: Schweizer noch nicht an der Weltspitze

Schachfestival in Biel: Die Hand der Vizeweltmeisterin Alexandra Kosteniuk.

(Keystone Archive)

Am internationalen Schachfestival in Biel nahmen über 600 Profis und Amateure teil. Die Russen und Osteuropäer dominierten auch dieses Jahr die Schachkonkurrenz.

Mit Ausnahme von Yannick Pelletier blieben die Leistungen der Schweizer in der obersten Liga bescheiden, und dies wird sich in nächster Zukunft wohl nicht ändern.

Das 37. internationale Schachfestival in Biel ist am Freitag zu Ende gegangen. Während zwei Wochen waren die Augen aller Schachfreunde auf das Turnier in Biel gerichtet, eines der wichtigsten in der Jahresagenda des internationalen Schach-Wettkampfs.

Das Turnier gilt auch als das herausragendste in der Schweiz, denn es dient als Barometer, um das Niveau der besten Schweizer Spieler mit demjenigen der internationalen Konkurrenz zu messen.

Ungleiche Spiesse auf dem Spielbrett

"Wir kämpfen nicht mit gleich langen Spiessen", sagt der Bieler Yannick Pelletier, einer der raren Grossmeister mit Schweizer Pass. "In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion sei das Schachspiel integraler Bestandteil des staatlichen Erziehungsprogramms."

Schach werde als eine Richtung innerhalb des Fachs Sport angeboten und von vielen Studenten belegt, besonders in der bekannten Sportakademie von Moskau.

Mit bald 28 Jahren gilt Pelletier zwar als der beste Schweizer. International jedoch rangiert er mit seinen 2597 Elo-Punkten nur auf Platz 126. Die Schachklassifizierung erfolgt mit Elo-Punkten, ähnlich wie die ATP-Punkte beim Tennis.

Beachtliche Leistung Pelletiers in Biel

Vor zwei Jahren vermochte er den 70. Weltrang zu erklimmen – sein Rekord. Am diesjährigen Grossmeisterturnier in Biel jedoch startete Pelletier wieder als völliger Outsider. Er musste sich mit Konkurrenten messen, die alle weit besser klassifiziert sind als er.

Pelletier zeigte während des Turniers aber eine beeindruckende Vorstellung. Als Weltnummer 126 sind vor allem seine Unentschieden gegen Morosewitsch (Nr. 4), Ponomariow (Nr. 11) und Bacrot (Nr. 14) herauszuheben, aber natürlich auch der Überraschungssieg im zweiten Umgang gegen Ruslan Ponomariow.

Im Schlussklassement wurde Pelletier Vierter.

Ein Baum macht noch keinen Wald

Der diesjährige Sieger des Grossmeisterturniers in Biel, Alexander Morosewitsch, weltweit die Nummer 4, kommt mittlerweile auf 2743 Elo-Punkte.

Trotz allem hat Pelletier seine Schäfchen ins Trockene gebracht und wird in der Klassifizierungs-Mitte abschliessen, nachdem er einige erstklassigen Leistungen geboten hat. So konnte er den Ukrainer Ruslan Ponomariov, Weltbester des Jahres 2002, in Biel schlagen.

Ein Baum allein macht aber noch keinen Wald: In der Schweiz umfasst die Gemeinschaft der FIDE-Listenqualifizierten zwar 5100 Spielerinnen und Spieler.

Gemessen an den zehn besten Spielern pro Land figuriert die Schweiz aber nur auf Rang 32 des Klassement des Internationalen Schachverbands (FIDE). Führend sind Russland, Ukraine, Ungarn, die USA, Grossbritannien und Frankreich.

Sogar vergleichsweise bescheidene Schach-Equipen wie die Rumänen, Griechen, Brasilianer oder Bulgaren sind besser klassiert als die Schweizer.

In der Schweiz leben oder Schweizer sein

Doch auch hier gelten die Regeln des Sports: Viele Länder haben brillante Grossmeister aus Osteuropa zuerst aufgenommen, und später eingebürgert.

Auf den Länderlisten der FIDE können auch Spieler figurieren, die nur im Land leben, ohne die entsprechende Nationalität zu besitzen. So Vadim Milov, weltweit die Nummer 22 und in der Schweiz die Nummer 1, spielt als Schweizer, ohne es zu sein. Für den Landes-Wettkampf allerdings kann er sich nicht einschreiben.

Anders die Situation um die lebende Schach-Legende Viktor Kortchnoi, heute 73 Jahre alt. 1982 kam er als Flüchtling in die Schweiz, 1992 erhielt der doppelte Weltmeister den Schweizer Pass.

Abgesehen von Pelletier haben die Schweizer am Festival in Biel in den wichtigsten Wettkämpfen die zweite Geige gespielt.

Beim erstmals durchgeführten Frauenturnier musste sich die Schweizer Meisterin von 2002 und 2003, Monika Seps, von ihren fünf jungen Rivalinnen deklassieren lassen. Das Resultat: 10 Spiele, 10 Niederlagen.

WM-Finale im Tessin

Im Open der Grossmeister figurieren alle Schweizer (Florian Jenni, Hansjürg Känel, Severin Papa) unter dem 25. Rang – angesichts der Qualität der Konkurrenz fast ein logisches Resultat.

Trotz allem wird die Schweiz diesen Herbst im Zentrum der Schach-Aktualität stehen - aber nur als Austragungsort. In Brissago im Tessin werden der Russe Vladimir Kramnik und der Ungar Peter Leko aufeinanderstossen und das Finale der Weltmeisterschaft austragen.

swissinfo/Jonathan Hirsch

Fakten

Der Schweizer Schachbund zählt 5100 Mitglieder.
Gemäss dem Internationalen Schachverband (FIDE) liegt die Schweiz an 32. Stelle der Schachländer.
Yannick Pelletier, der beste Schweizer Spieler, figuriert auf Rang 126 der internationalen Hierarchie.
Im Herbst treffen in Brissago der Russe Vladimir Kramnik und der Ungar Peter Leko zum Weltmeisterschaftsfinale aufeinander.

Infobox Ende


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