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Schatten fällt auf die Wirkung von Sonnencrèmen

Ein noch bessererer Sonnenschutz als das Eincrèmen ist der Schatten.

(Keystone Archive)

Chemische UV-Filter in Sonnenschutz-Mitteln wirken ähnlich wie Sexualhormone. Dies das Fazit einer Nationalfonds-Studie.

Die organischen Stoffe können die Fortpflanzung von Mensch und Tier beeinträchtigen, wie die Forscher aus einem Versuch an Ratten schliessen.

Auch wenn die Sonne diesen Sommer noch nicht so heiss brennt wie im "Jahrhundert-Sommer" 2003: Sonnenschutz-Crème ist ein Muss, wenn man sich im Freien aufhält. Denn ein Zuviel an schädlicher Ultraviolett-Strahlung schadet der Haut. Sonnenbrand oder sogar Hautkrebs können die bösen Folgen sein.

Die chemischen UV-Filter haben aber unerwünschte Nebenwirkungen: Auf Grund ihrer chemischen Struktur ahmen sie natürliche Sexualhormone nach und können so die Fortpflanzung von Mensch und Tier negativ beeinflussen.

Im Reagenzglas...

Zu diesem Schluss kommen zwei Forschungsteams der Universitäten Zürich und Basel. An Zellkulturen untersuchten sie die Hormonaktivität von Sonnenschutzmitteln, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) am Dienstag mitteilte.

Margret Schlumpf und Walter Lichtensteiger von der Universität Zürich haben mit ihrem Team konkret bei acht von zehn UV-Filtern eine östrogene Wirkung in Zellkulturen nachgewiesen.

Karl Fent vom Institut für Umwelttechnik der Fachhochschule beider Basel untersuchte 17 Filter und kam zum selben Schluss wie seine Zürcher Kollegen: "Dabei haben wir festgestellt, dass über die Hälfte der Substanzen wie das weibliche Sexualhormon Östradiol wirkt."

... und am lebenden Tier nachgewiesen

Schlumpf und Lichtensteiger haben die organischen Filter-Substanzen auch am lebenden Organismus getestet. Die Forscher fanden heraus, dass bei vorpubertären Rattenweibchen die Gebärmutter nach der Aufnahme der UV-Filter vorzeitig reifte.

Die Weibchen hatten auch weniger Nachkommen, die ausserdem eine reduzierte Überlebensrate aufwiesen. Sonnenschutzmittel wirkten aber nicht wie eine Pille, relativiert Magret Schlumpf von der Uni Zürich.

Die geringere Fruchtbarkeit sei wohl eher auf die toxische als auf die hormonähnliche Wirkung der Substanzen zurückzuführen.

Aufnahme via Nahrung...

Veränderungen wurden nicht nur bei den Weibchen festgestellt. "Bei Rattenmännchen beobachteten wir einen verschobenen Pubertätsbeginn sowie veränderte Hoden- und Prostata-Gewichte bereits bei geringen Dosen", so Margret Schlumpf.

Für die Tests wurden die UV-Filter den Tieren ins Futter gemischt. "Dies mag zwar etwas seltsam erscheinen, aber Säuglinge nehmen solche Stoffe ja auch mit der Muttermilch auf. Zudem handelt es sich um eine international anerkannte Methode", sagt ihr Kollege Walter Lichtensteiger.

... und Haut

Wenn die UV-Filter über die Nahrung wirkten, so erwies sich auch das normale Auftragen der Substanzen auf die Haut als nicht unbedenklich, wie die Zürcher Forscher in ihren Untersuchungen weiter zeigten.

"Wir halten haarlose Rattenweibchen mehrmals kurz bis Schulterhöhe in mit UV-Filtersubstanzen versetztes Olivenöl. Bei so behandelten Tiere erhöhte sich das Gewicht der Gebärmutter ebenfalls", sagte Margaret Schlumpf.

Soeben haben dänische Forscher gemeldet, dass auch der Mensch UV-Filter über die Haut in den Körper aufnimmt.

Wachstum-Beschleuniger für Krebszellen

Bereits in früheren Studien hatte das Zürcher Forschungsteam gezeigt, dass UV-Filter Krebszellen schneller wachsen lassen. Schon bei den in Sonnenschutzmitteln üblichen Dosen bewirkten fünf von sechs getesteten Substanzen ein Wachstum der Brustkrebszellen

Die Forschung konzentriere sich auf Sonnenschutzmittel, weil es sich um ein alltägliches Produkt handle, sagte Schlumpf. Interessant seien aber alle aktiven Umweltsubstanzen, die beispielswiese in Kosmetika, Parfums oder Konservierungsmitteln verwendet würden.

"Solche Stoffe werden immer häufiger und immer bedenkenloser eingesetzt, obwohl ihre Wirkung kaum erforscht ist".

Trotz dieser Ergebnisse soll beim Sonnenbaden nicht auf Sonnenschutz verzichtet werden, empfiehlt der Schweizerische Nationalfonds. Gerade bei Kindern aber empfehle sich die Verwendung von Sonnencrèmes mit mineralischen statt chemischen Filtern.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Rund 1500 Personen erkranken in der Schweiz jedes Jahr an Hautkrebs.
Davon sterben jährlich 20% daran.
Die meisten 20-Jährigen haben bereits 80% der UV-Strahlendosis aufgenommen, welche die Haut im Verlauf des Lebens aufnehmen kann.
Bester Sonnennschutz ist der Schatten.
In der Sonne: Kopf bedecken und Haut mit Sonnenmilch einreiben.
Zwischen 11 und 15 Uhr die Sonne meiden.
Kinder sind besonders empfindlich.

Infobox Ende

In Kürze

Chemische UV-Filter in Sonnenschutzmitteln wirken wie weibliche Sexualhormone.

Dies zeigt eine Studie, die vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert wird (15 Mio. Franken für fünf Jahre).

Die Forscher wiesen die Nebenwirkungen im Reagenzglas und bei lebenden Ratten nach.

Diese nahmen die Substanzen via Futter oder über die Haut auf.

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