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Schatten über der Patrouille des Glaciers

Ein idyllischer Rahmen für einen mythischen Wettkampf.

(Keystone)

Der Klassiker unter den alpinen Ski-Wettläufen, die Patrouille des Glaciers, leidet unter den Vorwürfen wegen fehlender Doping-Kontrollen.

Die Schweizer Armee als Organisatorin ist der Meinung, die derzeitigen Leitplanken würden genügen. Doch das Image der beliebten Veranstaltung ist angekratzt.

Die Tête Blanche, der Bertol- und der Riedmatten-Pass oder die Rosablanche: In der Schweiz hat wohl jede und jeder bereits einmal von einem dieser Berge oder Pässe gehört, die alle auf 3000 Meter über Meer oder höher liegen.

Aus der ganzen Welt sind Medienvertreter anwesend, wenn Spitzensportler aus über 20 Ländern an ihre eigenen Grenzen und darüber hinaus gehen, um von Zermatt nach Verbier zu kommen, durch Dunkelheit und Kälte.

Erstmals mussten die Organisatoren der Patrouille des Glaciers (PDG) wegen der hohen Anzahl von Teilnehmenden mehrere Starts planen: Zwei auf dem grossen Wettbewerb Zermatt-Verbier (Mittwoch und Freitag) und zwei auf dem kleinen Parcours Arolla-Verbier.

Doping-Verdacht

Die Schweizer Armee als Organisatorin kann stolz darauf sein, einen der modernsten und beliebtesten Wettläufe der Alpen anzubieten. Doch die zwölfte Austragung dieses Klassikers leidet darunter, dass die Armee am Ende des Rennens keine Doping-Kontrollen durchführen will.

Sébastien Epiney, Schweizer Meister im Berglauf und Mitglied der Ski-Alpinismus-Nationalmannschaft, drückt auf die wunde Stelle. Weil er seinen Sport liebt, will er ihn vor dem Vorwurf des Dopings schützen.

"Ich will die PDG als Rennen nicht verurteilen, weil sie ein gutes Schaufenster für unseren Sport ist", warnt er sogleich. "Doch die Tatsache, dass am Ende des Wettkampfs keine Doping-Kontrollen durchgeführt werden, ist für mich ein Problem."

Epiney, auch Tourismus-Direktor der Ski-Station Nendaz, versteht nicht, warum sich diese bedeutende Veranstaltung ein Mittel entzieht, das den Resultaten der Teilnehmer mehr Bedeutung geben würde.

"Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit", erklärt er im Gespräch. "Der Ski-Alpinismus ist ein Spitzensport und ich hoffe, dass alle Teilnehmenden der PDG - vom ersten bis zum letzten - sauber sind."

Und Epiney präzisiert: "Mir geht es einfach darum, mein Unbehagen über die fehlenden Kontrollen auszudrücken, um meinen Sport vor dem Abstieg zu bewahren, den einige Sportarten durchmachen mussten."

Der Geist des Rennens

In einem offiziellen Brief an die Zeitung Le Matin dimanche, der am 23. April publiziert wurde, erklärt Marius Robyr, verantwortlicher Kommandant des Organisationskomitees der PDG, warum er diese Kontrollen nicht will.

Zusammengefasst ist Robyr der Meinung, dass der Geist des Rennens und die Tatsache, dass kein Geld zu gewinnen ist, genügende Garantien sind.

Weiter würden die teilnehmenden Athletinnen und Athleten im Rahmen der zur Schweizer- oder Weltmeisterschaft gehörenden Wettbewerbe auf Doping geprüft. Daher sei es unnötig, diese Übung bei der PDG zu wiederholen.

"Ich habe Vertrauen in Menschen, die eine solche Herausforderung annehmen und sich dem Berg stellen", schreibt Robyr am Schluss des Briefes.

Das Gerücht beseitigen

Für Martial Saugy, Chef des Anti-Doping-Labors in Lausanne, könnte eine Kontrolle der Leistungen das Gerücht sofort zum Verstummen bringen.

"Die Doping-Kontrollen sind eher repressiver als präventiver Natur", sagt der Doping-Experte. "Sie sind nicht die beste Lösung, um das Doping aus einem Wettkampf herauszuhalten. Doch sie wären eine starke Botschaft an alle, die versucht sind, sich aufzuputschen."

Schliesslich sei die Patrouille des Glaciers ein wichtiger Wettkampf. "Für Swiss Olympic wäre es kein Problem, bei dieser Gelegenheit Kontrollen durchzuführen."

Laut Quellen aus dem Umfeld von Swiss Olympic und der Eidgenössischen Sportschule Magglingen könnte Swiss Olympic auch dann unerwartete Kontrollen durchführen, wenn die Organisatorin eines Anlasses nicht einverstanden damit ist.

swissinfo

Fakten

Die 12. Austragung der Patrouille des Glaciers (PDG) findet vom 26. bis 29. April statt, mit 2 Starts in der Königsdisziplin.
Dieses Jahr haben sich 3747 Athletinnen und Athleten zum Start angemeldet (2004: 2850). 1500 Soldaten sind im Einsatz.
Die PDG führt von Zermatt nach Verbier, 53 Kilometer und 8000 Höhenmeter.
Das Budget soll laut verschiedenen Quellen rund 3 Mio. Fr. betragen.
Der Rekord auf dem Wettlauf wurde 2004 aufgestellt: 6h31'42".

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In Kürze

Die Idee für die Patrouille des Glaciers entstand während der Mobilisierung der Schweiz (1939-1945).

Zwei Hauptmänner einer Gebirgs-Brigade testeten die Ausdauer ihrer Soldaten, indem sie die Männer in Dreier-Patrouillen von Zermatt nach Verbier gegeneinander antreten liessen.

Die erste offizielle Austragung der PDG fand 1943 statt. Bei der dritten 1949 verschwanden drei Männer in einer Gletscherspalte und konnten erst acht Tage später tot geborgen werden. Das Militärdepartement verbot den Wettkampf für die nächsten 30 Jahre.

Am Wettlauf nehmen zivile (60%) und militärische Patrouillen (40%) teil. Er ist für Frauen-, Männer- und gemischte Patrouillen offen.

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