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Schere bei US-Banken: Goldman top - Citigroup flop (Zus)

Dieser Inhalt wurde am 15. Oktober 2009 - 17:20 publiziert

NEW YORK (awp international) - Die Schere bei den US-Banken öffnet sich immer weiter: Die für ihre Risikolust berüchtigte US-Investmentbank Goldman Sachs strich im dritten Quartal unterm Strich 3,2 Milliarden Dollar (2,1 Mrd Euro) ein, die im klassischen Kreditgeschäft starke Citigroup verlor dagegen den gleichen Betrag. Der Grund: Immer mehr Schuldner können ihre Raten nicht mehr zahlen. "Das Umfeld für Verbraucherkredite bleibt hart", warnte Citigroup-Chef Vikram Pandit am Donnerstag. Die Bank bleibt nur mit staatlicher Hilfe auf den Beinen.
Der Rivale JP Morgan hatte am Vortag die Marschrichtung vorgegeben: Der Finanzkonzern konnte die Löcher im Kreditgeschäft mit einem blendend laufenden Investmentbanking stopfen. Mit einem Gewinn von letztlich 3,6 Milliarden Dollar untermauerte JP Morgen wieder einmal seine Spitzenstellung in den USA. Goldman Sachs ist wesentlich kleiner, konnte aber dank der Konzentration auf das einträgliche Investmentbanking nahezu so viel verdienen. Das gut Ergebnis verdankte das Haus vor allem dem blühenden Handel mit Währungen, Rohstoffen und Anleihen. Vor einem Jahr hatte die Krise den Gewinn der Bank noch auf 845 Millionen Dollar gedrückt.
WELTWIRTSCHAFT STABILISIERT SICH
Bankchef Lloyd Blankfein sprach davon, dass sich die Weltwirtschaft stabilisiere und in einigen Branchen sogar zu Wachstum zurückkehre. Die Aktie büsste trotzdem gut zwei Prozent ein. Börsianer hätten nach der starken Zwischenbilanz von JP Morgan mit "Fantasie-Zahlen" gerechnet, kritisierte Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. "Wenn man sich aber vor Augen führt, wo Banken vor einem Jahr gestanden haben, gibt es kaum Grund zur Klage."
Die Papiere der Citigroup knallten sogar mehr als 5 Prozent in den Keller. Die Bank musste weitere 8 Milliarden Dollar an Krediten abschreiben und ihre Vorsorge um nochmals 800 Millionen Dollar aufstocken. Damit bleibt die Citigroup eines der grossen Sorgenkinder der US-Bankenbranche. Im Gegenzug für milliardenschwere Hilfen ist der Staat inzwischen mit rund einem Drittel an der Bank beteiligt. Das Geld für die Rückzahlung fehlt. Immer wieder kochen deshalb Spekulationen über Pandits Zukunft an der Spitze der Bank hoch.
INVESTMENTBANK VERDIENT HERVORRAGEND
Ganz anders die Situation bei Goldman Sachs. Die Investmentbank kam glänzend durch die Krise. Sie schrieb in nur einem einzigen Quartal Verlust und hat ihre gesamten Staatshilfen bereits zurückgezahlt. Sie hatte den Zusammenbruch des US-Häusermarktes früher als andere kommen sehen und selbst im Krisenjahr 2008 noch hohe Boni gezahlt, was ihr viel Kritik einbrachte. "Ich würde erwarten, dass wir dieses Jahr mehr als letztes Jahr zahlen", sagte Finanzchef David Viniar mit Blick auf den guten Lauf der Bank.
Goldman Sachs entlohnt seine Mitarbeiter königlich: Bankchef Blankfein selbst ist einer der Spitzenverdiener der Branche. Vor zwei Jahren kassierte er die damalige Rekordsumme von knapp 68 Millionen Dollar, für das Krisenjahr 2008 verzichtete er allerdings gemeinsam mit anderen Führungskräften freiwillig auf seine Prämie. "Über Boni wird am Ende des Jahres entschieden", sagte Finanzchef Viniar.
Die deutschen Grossbanken legen ihre Zahlen Ende des Monats beziehungsweise Anfang November vor. Den Anfang macht die Deutsche Bank . Auch hier erwarten Experten wieder glänzende Ergebnisse dank der Investmentbanking-Sparte. Dagegen dürfte die Commerzbank unter der Last der übernommenen Dresdner Bank abermals mit roten Zahlen zu kämpfen haben. Sie rechnet frühestens im kommenden Jahr mit einer Rückkehr in die Gewinnzone./das/fd/DP/dct

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