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Schicksal der jungen Berner Bären erhitzt Gemüter



Urs und Berna: Tollerei im Bärenpark auf Zeit?

Urs und Berna: Tollerei im Bärenpark auf Zeit?

(Keystone)

Urs und Berna sind die Publikumsmagneten im neuen Bärenpark in Bern. Den beiden putzigen Bärenjungen droht aber die Einschläferung, sollte sich kein geeigneter Platz für sie finden. Tierexperten teilen die Empörung vieler Leute nicht.

Die Tollereien der beiden jungen Braunbären locken Zehntausende in den Bärenpark.

Über der Idylle am Aarehang beim alten Bärengraben hängen aber dunkle Wolken, seit Bärenpark-Direktor Bernd Schildger erklärt hat, dass die sieben Monate alten Urs und Berna möglicherweise ein böses Ende nehmen könnten: Finde sich innerhalb der nächsten anderthalb Jahren nämlich kein geeigneter Platz in einem Zoo oder Tierpark, müssten die Bären-Brüder eingeschläfert werden.

Diese Frist liegt in der Natur begründet, würde doch dannzumal Bärenmutter Björk ihren Nachwuchs verstossen.

Die Bardot interveniert

Die Empörung, die Schildger in der Öffentlichkeit ausgelöst hat, ist beträchtlich. Ex-Filmschauspielerin Brigitte Bardot tat ihren Ärger gar in einem offenen Brief kund und verlangte die Rettung der Tiere.

Heftige Emotionen sind allerdings verfrüht, hat doch der Bärenpark eine Liste mit 28 Optionen für die Jungbären erstellt. Die Einschläferung ist die letzte davon.

Der "Aufschrei" der Tierfreunde wurde nicht nur in der übrigen Schweiz, sondern auch im Ausland gehört. Arosa in den Bündner Bergen bot den Jungbären ebenso Asyl an wie ein Tierpark in der französischen Normandie.

Auch der Berliner Bürgermeister möchte die jungen Meister Petze. In Bern selber haben Mitglieder des Stadtparlamentes in einem Vorstoss verlangt, dass der Bärenpark vergrössert werden soll.

Bären-"Überproduktion"

Tierschützer Mark Rissi bescheinigt der Leitung des Berner Bärenparks, dass sie ihr Möglichstes für die Tiere tue. "Die heftige Kritik an Schildger ist nicht gerechtfertigt", sagte der ehemalige Filmemacher gegenüber swissinfo.ch. Er ist auch Präsident der Stiftung für Bären, deren Ziel es ist, in Zoos und Tiergärten geeignete Plätze für "überzählige" Bären zu finden. Die Aufgabe wird dadurch erschwert, dass europaweit ein "Überangebot" an Bären herrscht.

Rissi weist zudem darauf hin, dass eine gemeinsame Haltung von Urs und Berna mit einem anderen Berner Jungbären-Duo nicht möglich sei. Misha und Mascha, im Berner Tierpark "sicher" untergebracht, sind mongolische Bären. Sie waren ein Geschenk des russischen Präsidenten Dimitri Medwedew und seiner Gattin.

Zoo-Botschafter und Marketing

"Die Menschen sind besonders angezogen von Löwen, Tigern und Bären. Sie sind herzig, während andere Tiere in den Hintergrund rücken", sagt Rissi. "Niemand schreit auf, wenn ein Zoo ein Zebra oder ein Wildschwein tötet."

Dazu kommt der so genannte Jö-Effekt: Seit ein Eisbär namens Knut die Menschen zu Zehntausenden in den Zoologischen Garten Berlin zog, weiss man auch anderenorts um den Marketing-Wert solcher Jungtiere.

Tierschützer Rissi erinnert daran, dass in Gefangenschaft gehaltene Tiere einem anderen Lebenszyklus unterworfen seien. In der Wildnis würden sie von anderen Raubtieren getötet, in Gefangenschaft lebten sie einfach weiter.

"Dort ist der Mensch für sie verantwortlich. Sollten sie getötet werden, entscheidet er über den richtigen Moment", so Rissi, der mehrere Dokumentarfilme über in Gefangenschaft gehaltene Bären gedreht hatte.

Bei Bären komme ein solch "logischer" Moment nach zwei Jahren, eben dann, wenn die Mutter die Jungtiere verstosse.

Keine Fragezeichen stehen dagegen über den Bäreneltern im neuen Park. Björk und Bärenvater Finn könnten sogar weiteren Nachwuchs haben, sagt Marc Rosset, Kurator im Berner Tierpark.

Sinnvolle Aufgabe

"Wir glauben, dass Tiere in Zoos Junge haben sollten, weil es das Verhalten bereichert", so Rosset. Das Leben drohe für Zootieres langweilig zu werden, deshalb sei es gut, wenn sie sich paarten und Junge aufziehen könnten.

Unterstützung erhält der Bärenpark von der Vereinigung europäischer Zoos. Müssten Jungtiere eingeschläfert werden, bedeute das keineswegs eine schlechte Tierhaltung, sagte eine Sprecherin.

"Überall in Europa werden Wildtiere getötet, wenn ihre Zahl als zu hoch erachtet wird. Nutztiere werden getötet, um Fleisch zu gewinnen, oder wenn sie alt und unproduktiv werden. Das Töten von Tieren gehört also zur europäischen Kultur", schliesst die Sprecherin.

Jessica Dacey, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen von Renat Künzi)

Rücktritt nach Mehrkosten

Statt der ursprünglichen 9,7 oder der später budgetierten 14,5 Mio. Franken kostete der Bärenpark rund 24 Mio. Franken.

Die Regierung der Stadt Bern ordnete eine Untersuchung über die Ursachen der Kostenexplosion an.

Zu viele involvierte Gremien, unklare Kompetenzverteilungen sowie Inkompetenz lautete das Fazit.

Die verantwortliche Stadtbehörde hatte in erster Linie auf Probleme mit dem geologisch schwierigen Hang am Aareufer hingewiesen.

Nach Veröffentlichung der Untersuchungs-Ergebnisse trat der Leiter der verantwortlichen Stadtbehörde zurück.

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Tradition der Bären in Bern

Die Beziehung der Stadt Bern zu ihrem Wappentier hat eine sehr lange Tradition.

Es soll ein Bär gewesen sein, den der Gründer der Stadt, Herzog Berchtold V. von Zähringen, als erstes Tier hier erlegt hat und dem die neue Stadt damit der Legende nach ihren Namen verdankt.

Der bernische Chronist Valerius Anshelm berichtet im Jahre 1513, wie die siegreich aus der Schlacht von Novara heimkehrenden Berner mit den eroberten Fahnen auch einen lebenden Bären als Kriegsbeute in ihrem Triumphzug mitführten. Er wurde im Stadtgraben vor dem Käfigturm gehalten.

Auf dem heute noch so benannten Bärenplatz blieb der erste Bärengraben, bis er 1764 dem Verkehr weichen und vor die Tore der Stadt verlegt werden musste (Schanzengraben beim Bollwerk).

Der heutige Bärengraben, der jetzt durch den neuen Bärenpark ersetzt wurde, wurde am 27. Mai 1857 eröffnet.

Die Tradition der Grabenhaltung blieb bestehen. Sie stand symbolisch für den Sieg und die Herrschaft der Menschen über das wilde Tier. 12 und mehr Bären wurden zeitweise im 3,5 Meter tiefen Graben gehalten.

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